Hiltrup
Ein Kelch, zwei Zeitzeugen

Freitag, 06.08.2010, 18:08 Uhr

Münster-Hiltrup - Unter den Gläubigen, die sich zum Gedenken des Märtyrers Bernhard Poether in der Clemenskirche eingefunden hatten, befanden sich zwei Zeitzeugen. Dazu gehört Albert Schaepers, der einst von Poether eine Karte aus Paris erhalten hatte. Adressiert an den „Herrn Studiosus Albert Schaepers“. Und ein weiterer Mann, der sich an eine Begegnung im Jahr 1938 mit dem in der Clemensgemeinde aufgewachsenen Kaplan Poether erinnern konnte, war damals gerade einmal fünf Jahre alt. Am Donnerstag jährte sich zum 68. Mal der Todestag Bernhard Poethers im Konzentrationslager Dachau.

Nach dem Gottesdienst hatte Pfarrer em. Ewald Spieker zu einem Gebet vor dem Seitenaltar eingeladen, in dem die Asche Poethers verwahrt ist. Gelesen wurde ein Gebet, das eigens für Poether formuliert worden ist. Gesungen wurde das Lied „Von guten Mächten geborgen“, dessen Text auf Dietrich Bonhoeffer zurückgeht.

Die besondere Gestaltung des Kelchs Bernhard Poethers erläuterte Spieker interessierten Zuhörern. Der Kelch, der sich in der Obhut der Mariengemeinde befindet, ist eines der wenigen Erinnerungsgegenstände an Bernhard Poether. „Wir haben ansonsten nur jenes Bild“, sagte Spieker, und zeigte an die allgemein bekannte Porträtaufnahme in der Kirche. Spieker erläuterte, dass Poethers gesamtes Lebensprogramm bereits in diesem Primizkelch dargestellt sei: Das Kreuz der orthodoxen Kirche sowie die beiden Heiligen Kyrill und Methodius, die als Apostel der Slawen bekannt sind und 1980 vom damaligen Papstes Johannes Paul II. zu Schutzpatrone Europas erkoren wurden.

Möglicherweise war Poether bewusst, dass zwischen Kyrill und Methodius auf der einen Seite und dem Patron der Kirchengemeinde, dem heiligen Clemens, eine enge Beziehung besteht. Dieser Gedanke war neu. Die beiden Apostel der Slawen sollen der Legende nach die Gebeine des heiligen Clemens von der Halbinsel Krim zurück nach Rom gebracht haben. Jedenfalls befinden sich sowohl die Reliquien von Clemens, einem der ersten Päpste, sowie die von Kyrill in der Kirche San Clemente in Rom.

Überraschend wurde vernommen, dass es Poethers Schwester Maria gewesen war, die zahlreiche Dokumente ihres Bruder verbrannt hatte. Die Gründe blieben im Dunkeln. Maria Poether war einigen noch gut bekannt, auch ihr gutes Verhältnis zu Bernhard Ensink, dem ersten Pfarrer der Mariengemeinde. Anderen war der Name Maria Poether geläufig, sie wussten aber nicht, dass die so einen bedeutenden Bruder hatte.

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