Hiltrup
Deutsch hat Priorität

Freitag, 17.09.2010, 17:09 Uhr

Münster-Hiltrup - Es war für ihn der erste Besuch in der Moschee der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde an der Hansestraße . Und entsprechend groß war sein Wunsch, möglichst viel über diese Religionsgemeinschaft zu erfahren. „Ich bin neugierig, wie sie leben, wie sie arbeiten, wie sie beten“, betonte Oberbürgermeister Markus Lewe nach einem überaus herzlichen Empfang durch Mohammed Dawood , Geschäftsführer und Sprecher der Gemeinde.

Und Lewe wie auch Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt - ebenfalls zum ersten Mal in der Moschee - erhielten eine Menge an Informationen, auch unerwartete und überraschende. Und obwohl das nach wie vor heiß diskutierte Buch „ Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin von beiden Seiten keine Erwähnung fand, waren es doch zunächst die Themen Sprache und Bildung, die angesprochen wurden.

„Deutsch ist die beherrschende, die vermittelnde Sprache bei uns“, erklärte Dawood. Nicht nur deshalb, weil die meisten Familien schon 15 bis 20 Jahre in Deutschland leben, sondern weil auch sehr viele verschiedene Nationalitäten der Ahmadiyya-Gemeinde angehören. Die Kinder besuchen deutsche Schulen. „Von den 30 000 in Deutschland lebenden Ahmadiyya-Muslimen haben 40 Prozent Abitur“, verweist Dawood nicht ohne spürbaren Stolz auf ein hohes Bildungsniveau. Zurückzuführen nicht zuletzt auf gezielte Förderprogramme, wie Dawood betonte. Und der prozentuale Anteil der Mädchen an der Abiturientenzahl liege, wie in Deutschland ja auch, höher als bei den Jungen. Einen zusätzlichen Islamunterricht, den gebe es natürlich auch.

Rund 100 Mitglieder zählt die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in und um Münster . Rund 90 Prozent seien bei den Freitagsgebeten da. „Wir sind eine bodenständige Gemeinde, mit wenig Fluktuation“, erläuterte der Geschäftsführer und sprach auch noch kurz die Verfolgung an, der die sich gegen andere Muslime abgrenzende Ahmadiyya-Gemeinde in Pakistan ausgesetzt sei. Auswanderungswellen habe es deshalb in den 70er- und 80er Jahren gegeben. Den Erklärungsbedarf nach dieser Unterscheidung im Glauben, stillte Dawood kurz und knapp. „Wir glauben, dass Gott bereits gekommen ist, die anderen warten noch auf ihn.“

Für Lewe bot der Besuch zudem eine willkommene Gelegenheit, zu unterstreichen, wie wichtig die Kommunikation zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen sei. „Wir müssen miteinander sprechen“, betonte er. Um den Abbau eines nicht selten gehegten Misstrauens zu erreichen, sei eine Öffnung nach außen ganz wichtig.

Eine Forderung, die, wie Dawood betonte, von ihrer Gemeinde bereits praktiziert werde. Und er verwies in diesem Zusammenhang auf den Tag der offenen Moschee, der am 3. Oktober an der Hansestraße zum wiederholten Mal stattfindet.

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