Gedenkstein in Hiltrup
Niels Stensen: Das Herz auf der Zunge

Münster-Hiltrup -

Der ehemalige münstersche Weihbischof Niels Stensen bekam 1988 einen Gedenkstein an der Hiltruper Kirche Alt-St. Clemens. Der Däne war ein echter Tausendsassa. Am morgigen Freitag wäre er 375 Jahre alt geworden.

Freitag, 11.01.2013, 13:01 Uhr

Das Herz-Kreuz-Wappen war das Symbol seines Lebens und Sterbens. Der ehemalige münstersche Weihbischof Niels Stensen formulierte 1663 erstmals die Erkenntnis, dass das Herz ein Muskel sei. Auf dem Vorplatz von Alt-St.-Clemens erinnert eine Stele an sein Wirken.
Das Herz-Kreuz-Wappen war das Symbol seines Lebens und Sterbens. Der ehemalige münstersche Weihbischof Niels Stensen formulierte 1663 erstmals die Erkenntnis, dass das Herz ein Muskel sei. Auf dem Vorplatz von Alt-St.-Clemens erinnert eine Stele an sein Wirken. Foto: mlü

Bei ihm drehte sich alles um das Herz. Als Anatom erkannte Niels Stensen als einer der Ersten, dass es wahrhaftig ein Muskel ist – keineswegs ein Sitz für irgendwelche Lebensgeister. Als Weihbischof in Münster hatte der Däne ein Herz für die Armen. Er gab seine Einkünfte heraus. Und weil er sein Herz auf der Zunge trug – er wagte es öffentlich Bestechungen bei der Bischofswahl zu kritisieren – wurde er von seinem Amt entbunden.

Der Sohn eines wohlhabenden Goldschmieds aus Kopenhagen wäre am morgigen Freitag 375 Jahre alt geworden. In Hiltrup erinnert seit 25 Jahren eine Stele an den selig gesprochenem Naturforscher und Theologen (1638 bis 1686). Sie steht rechts vor dem Eingang der Kirche Alt-St. Clemens. Der Gedenkstein aus Ibbenbürener Sandstein ist eine Dauerleihgabe des Rinkeroder Bildhauers Ernst Schlüter .

Der Steinmetz war sich uneins, was aus dem Sandsteinquader werden soll, da schlug Pater Trilling vor, eine Gedenktafel für den berühmten Theologen zu schlagen. Stensen wirkte als Dechant des Kollegiatkapitels von St. Ludgeri in Münster schließlich auch in Hiltrup. Er ist hier seinen Pflichten als Archidiakon nachgegangen und setzte sich unermüdlich für den Glauben ein.

Aber wie kommt es, dass jemand, der sich stets kritisch gegenüber überkommenen Lehrmeinungen zeigte, bis zu seiner Konvertierung 1667 evangelisch war und sogar als Weihbischof abgesetzt wurde, von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wird? Der emeritierte Bischof Reinhard Lettmann beschreibt die große Lebensleistung des Missionars Stensen damit, dass er aufgezeigt habe, dass es falsch sei, das Wissen zu verneinen oder gar die Wissenschaft zu verdammen. „Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse führten nicht zu einem Gegensatz zwischen Glauben und Wissen.“

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