Spekulationen über Tat-Hintergrund
Böller-Explosion in Polizeiwache: Politisch motiviert oder einfach grober Unfug?

Münster-Hiltrup -

Noch kann die Polizei nicht mit neuen Erkenntnissen zu dem Böller-Wurf auf die Polizeiwache an der Patronatsstraße im Stadtteil Hiltrup aufwarten. Sprecher Andreas Bode lässt aber keinen Zweifel daran, dass in der Neujahrsnacht der Böller gezielt durch ein Fenster geworfen wurde. Ein Beamter erlitt dabei ein Knalltrauma. Kommunalpolitiker verurteilen den Vorfall scharf und appelieren an die Bevölkerung.

Montag, 06.01.2014, 09:01 Uhr

Spekulationen über Tat-Hintergrund : Böller-Explosion in Polizeiwache: Politisch motiviert oder einfach grober Unfug?
Die Polizeiwache an der Patronatsstraße in Münster-Hiltrup. Foto: Grottendieck

Hinweise auf einen möglichen politischen Hintergrund gibt es bislang nicht. Im Internet wurde bereits munter spekuliert, ob die Tat nicht etwa Hiltruper Autonomen zuzuschreiben sei. „Die mag es sicherlich geben“, sagt Polizeisprecher Bode dazu. „Doch das alles ist zu spekulativ und würde einfach zu weit führen.“

Zunächst einmal will die Polizei Nachbarn befragen und so möglicherweise neue Hinweise auf den Täter gewinnen.

Vielleicht kommt am Ende auch heraus, dass grober Unfug getrieben wurde und dass es um eine Mutprobe ging. Wobei sich der Täter möglicherweise nicht im Klaren war, eine Straftat begangen zu haben. Sachbeschädigung und Körperverletzung sind auf jeden Fall zu nennen, möglicherweise kommt ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz hinzu. Dieses regelt den Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen und auch die Einfuhr solcher Stoffe nach Deutschland. Die Polen-Böller beispielsweise sind hier nicht zugelassen. Das Ergebnis der Analyse des Knallkörpers stand gestern noch nicht fest.

Unterdessen rief die Tat allgemein verständnisloses Kopfschütteln sowie Mitgefühl mit dem Polizisten hervor, der ein Knalltrauma erlitt. Ratsherr Jürgen Ohm ( CDU ), der wenige Tage vor dem Weihnachtsfest bei einem Besuch der Polizeiwache den zunehmend mangelnden Respekt gegenüber der Staatsgewalt beklagt hatte, sah seine Worte bestätigt. Der Vorstand der CDU Hiltrup missbilligt entschieden die Böller-Attacke und wünscht dem verletzten Polizeibeamten eine schnelle Genesung. „Wir möchten uns nicht an Spekulationen über den Hintergrund der Tat beteiligen. Eines muss jedoch klar sein: Wer so etwas tut und gesundheitliche Beeinträchtigungen anderer Personen billigend in Kauf nimmt, verübt eine Straftat und keinen dummen Jungenstreich“, so Georg Berding, Vorsitzender der Ortsunion.

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Georg Berding

Anders verlief die Debatte in den sozialen Netzwerken im Internet. Streckenweise wird unverhohlene Bewunderung laut: „Also mutig waren die auf jeden Fall“, meint der User mit Namen „Michael Stegemann“. „Sandra Sucre“ fand es „witzig“. „Sylvia“ unkt, es habe wohl jemand die Polizei an Silvester teilhaben lassen wollen. Nutzer „Rüdiger Hollmann“ vermisst jegliches Wertebewusstsein: „Die Hamburger Davidwache zu stürmen und Pyros und Steine gegen Beamte zu werfen, ist dann sicherlich auch mutig. Mann, Mann!“ Dagegen meint „Swampman Hans“: „Regt euch mal ab, war nur die Polizei und zu Schaden ist auch keiner gekommen.“ Die Diskussion treibt Blüten.

Mit großem Unverständnis hat die CDU Hiltrup derweil die offene Schadenfreude zur Kenntnis genommen, mit der einzelne Nutzer sozialer Netzwerke im Internet auf die Tat reagiert haben. „Das ist schon unanständig. Gerade die Polizei hat die Unterstützung und den Dank der Bürgerinnen und Bürger verdient“, so Vorstandsmitglied und Pressesprecher Stefan Leschniok.

„Der in der Silvesternacht verletzte Polizist der Hiltruper Wache hat mein volles Mitgefühl, es erschreckt mich, dass dies in unserer Mitte möglich ist“, äußert sich Hermann Geusendam-Wode, Fraktionschef der SPD in der Bezirksvertretung Hiltrup. Wer Gesundheit und Leben eines Mitmenschen absichtlich oder auch billigend in Gefahr bringe, überschreite die Grenze sozial akzeptablen Verhaltens. „Sich positiv wertend dazu zu äußern ebenfalls“, fügt Geusendam-Wode ausdrücklich hinzu.

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Hermann Geusendam-Wode

Er persönlich glaube nicht an die Tat eines Einzelnen, auch nicht an eine politische Motivation. Es sei wohl eher alkoholschwangere Großmannssucht vor Publikum gewesen. „Daher mein Aufruf an alle, die dabei waren: Es war eine Straftat. Werden Sie nicht zum Mittäter! Unterstützen Sie die Polizei bitte bei der Aufklärung, je eher, desto besser.“

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