100. Lesung des VorLeseClubs:
„Es macht einfach Spaß mit euch“

Münster-Hiltrup -

Der VorLeseClub Hiltrup hat seine 100. Lesung im stilvollen Ambiente der Gärtnerei Dahlmann veranstaltet. Das naheliegende Thema: „Frühlingsflirt“.

Samstag, 01.03.2014, 12:03 Uhr

Zum Ende der Jubiläumslesung bedankte sich Martin Dahlmann (l.) bei Gerda Hegel mit Blumen. Der VorLeseClub um Günter Rohkämper-Hegel (r.) hatte seine 100. Lesung im stilvollen Ambiente der Gärtnerei Dahlmann veranstaltet.
Zum Ende der Jubiläumslesung bedankte sich Martin Dahlmann (l.) bei Gerda Hegel mit Blumen. Der VorLeseClub um Günter Rohkämper-Hegel (r.) hatte seine 100. Lesung im stilvollen Ambiente der Gärtnerei Dahlmann veranstaltet. Foto: gro

Auch vor der 100. Lesung ist keine Routine eingekehrt. Das Lampenfieber äußert sich beim VorLeseClub nicht im Verhaspeln, in Versprechern oder gar im Stammeln. Vielmehr sind im Vorfeld die immer gleichen leise ausgesprochenen Befürchtungen zu vernehmen „Ich glaube, heute kommt keiner.“ Und liegt der Ort der Lesung etwas ab vom Schuss, dann heißt es schon einmal: „Hier nach draußen kommen nicht so viele hin.“

„Da nach draußen“ ans Osttor kamen sie in Strömen. 120 Klappstühle, die bei Blumen Dahlmann im Gewächshaus aufgestellt waren, reichten vorne und hinten nicht aus. Zusätzliche Bänke wurden herangeschafft. Zählt man die Gäste hinzu, die das Geschehen im Stehen verfolgten, dürften es 150 Besucher gewesen, wie Martin Dahlmann bei seiner Begrüßung vermutete.

Frühlingsflirt “ – allein der Titel für die Jubiläumsveranstaltung wirkt vielversprechend. Bewusst ließ er Freiraum für brave Gärtner wie auch für jene, denen vielleicht aus der Literaturgeschichte der Garten als locus amoenus nicht unvertraut ist. Wenn Großstädter wie Erich Kästner für andere Großstädter Gedichte über den Frühling verfassen, sind Vergnügen und Erkenntnis garantiert: „Es ist zwar jedes Jahr dieselbe Sache, doch es ist immer wie zum ersten Mal.“

Einer schnellen Abfolge kleinerer Texte aus den Federn Mörikes, Goethes, Hesses und Malekos folgte ein längeres Stück aus Novalis‘ „ Heinrich von Ofterdingen“. Henning Klare nahm die Zuhörer mit auf die Suche nach der „Blauen Blume“. Szenenapplaus gab es für das populäre Gedicht „Leise zieht durch mein Gemüt“ von Heinrich Heine:

„Kling hinaus, bis an das Haus, wo die Blumen sprießen. Wenn du eine Rose schaust, sag, ich lass sie grüßen.“

Noch populärer wurde es, als die Vorleser Poesiealbenverse rezitierten: „Rosen sind rot, Veilchen sind blau. Ich hab dich gern, das weiß ich genau.“ Oder: „Ich kenne eine Rose, die lacht mir immer zu, und diese kleine Rose, die bist du.“

Weiter ging es mit Texten von Eva Strittmatter, Eva Demski und Wolf Biermanns Märchen von kleinen Herrn Moritz, dem Blumen auf dem Kopf wuchsen. Damit war der Boden bereitet für einen Klassiker der deutschen Literatur: Goethes Osterspaziergang. Geradezu hymnisch brachte Günter Rohkämper-Hegel diesen Text zu Gehör, um sodann eine unerhörte Geschichte aus der sinnenfrohen italienischen Renaissance folgen zu lassen.

Aus Giovanni Boccacios 650 Jahre alten Text „Das Decameron“ las er einen Abschnitt, wie der angeblich stumme Gärtner Masetto mit gewissen Absichten Arbeit im Nonnenkloster sucht. Im weiteren Verlauf kommt es, wie er es erhofft hat. Die Novizinnen, die überzeugt sind, dass dieser Bursche wegen seines Geburtsfehlers nichts ausplaudern kann, tauchen eine nach der anderen in seiner Unterkunft auf und bitten darum, ihnen jene große Lust zu verschaffen, von der man draußen in der Welt so viel spreche. Masetto zögert nicht. Als auch die Äbtissin bei ihm vorspricht, wird es ihm doch zu viel.

Mit Reinhard Meys modernen Klassiker „Der Mörder ist immer der Gärtner“ – frei vorgetragen von Lucia Wünsch – klang ein vergnüglicher Abend aus. Nicht unwesentlich dazu beigetragen hatten die Musiker Jochen Schwenken und Edwin Munez. Zum Schluss gab es jede Menge Blumen, bewegende Dankesworte von Renate Geisenheyner an das Ehepaar Hegel und das offenherzige Bekenntnis von Gerda Hegel: „Es macht einfach Spaß mit euch“.

So wird es weiter gehen mit dem VorLeseClub. Auch über die 100 hinaus. In Hiltrup würde ansonsten etwas fehlen.

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