Hiltruper Vorlese-Club nahm die Beziehungen zwischen den Geschlechtern unter die Lupe
Gleiche und ungleiche Paare

Münster-Hiltrup -

Was haben Mark Twain, Kurt Tucholsky und Dorothy Parker gemeinsam? Sie alle haben sich in ihren literarischen Werken mit dem Thema Liebe, beziehungsweise mit dem ewigen Geschlechterkampf zwischen dem Mann und seiner besseren Hälfte beschäftigt. Oder doch besser anders herum?

Montag, 27.10.2014, 23:10 Uhr

Rappelvoll war es im Hiltruper Museum bei der Lesung des Vorlese-Clubs zum Thema „Beziehungsweisen – gleiche und ungleiche Paare“.
Rappelvoll war es im Hiltruper Museum bei der Lesung des Vorlese-Clubs zum Thema „Beziehungsweisen – gleiche und ungleiche Paare“. Foto: awo

Diese und ähnliche Fragen zu beantworten, luden die Mitglieder des Vorlese-Clubs am Freitagabend Literaturbegeisterte ins Hiltruper Museum ein. Dort wurden Texte verschiedener Epochen und Nationalitäten unter dem Leitthema „Beziehungsweisen – gleiche und ungleiche Paare“ vorgestellt. In der gemütlichen Kulisse mussten die zahlreich erschienenen Besucher dann eng zusammen rücken – ganz im Sinne des Abends.

Auch Hans Muschinski, der Vorsitzende des Museumsvereins, freute sich über die vielen Zuhörer: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Leute hier Platz finden würden.“ Mit einer Schulglocke wurde der Leseabend dann eröffnet.

Den Anfang machte Mark Twains „Die Tagebücher von Adam und Eva“, gelesen von Heinz Ludwig Leding. Dort beschreibt Adam in seinem Tagebuch ein „neues Wesen“, welches immerfort schwatze und nie zufrieden sei, ja, sogar ein „rechter Dummkopf“ sei es. Und obwohl dieses neuartige Wesen selbstverständlich an allem Schuld trage, müsse er doch zugeben, dass er ohne „es“ sehr einsam und traurig wäre.

Im Gegensatz dazu stand der nächste Beitrag, gelesen von Heide Michels Heyne . Sie las aus dem selben Werk vor, jedoch aus der Sicht des neuen Wesens, Eva: Im Kontrast zu Adam, der sich doch eher von dem anderen Geschlecht gestört fühlt, kann Eva über dessen viele Fehler hinweg sehen. Er „verberge“ zwar seinen Fleiß vor ihr und habe „ständigen Hunger“, weshalb es ja eigentlich keinen Grund gebe, ihn zu lieben, aber er sei nun einmal „stark und schön“ und liebe sie, so gut er eben könne. Kurz, „man muss Männer so akzeptieren, wie sie nun einmal sind.“

Darüber wurde auch im Publikum gelacht und geschmunzelt. Vor allem bei der Erwähnung von Stereotypen wie dem vielen „Schwatzen“ der Frauen oder der „Faulheit“ der Männer gab es immer wieder verstohlene Seitenblicke in Richtung des anderen Geschlechtes.

Mit besonderem Humor wurde ebenso Kurt Tucholskys „Ein Ehepaar erzählt einen Witz“ aufgenommen. Bei diesem Streitgespräch fühlten sich die Zuhörer wohl insgeheim in ihren Ansichten bestätigt, denn hier gab es ebenfalls zustimmenden Applaus und verständnisvolles Raunen bei der Erwähnung von geschlechtsspezifischen Vorurteilen. So wird im Text die Detailbesessenheit der Frau ebenso bemäkelt wie das Dominanzstreben des Mannes. Am Ende scheitert der Versuch, gemeinsam einen Witz zu erzählen: Es wird gegenseitig unterbrochen, Türen werden wütend zugeschlagen und die Pointe des Witzes ist natürlich vergessen.

Selbstverständlich gab es auch Beiträge, die sich mit den schönen Seiten der Liebe befassten, wie etwa Walter Bauers „Wie Vater und Mutter sich kennenlernten“. Jedoch war diese Art von Literatur insgesamt wohl in der Minderheit.

Denn vor allem die schwierigen Seiten der Beziehungen zwischen Mann und Frau trafen den Humor des Publikums und trugen dazu bei, dass sogar beim Thema Scheidung noch gelacht werden konnte.

Abgerundet wurde der heitere Abend mit Instrumentalmusik des Vereins „Life Music Now“ sowie einem kleinen Angebot mit „Leckereien“ von Seiten des Museums.

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