Kein verkaufsoffener Adventsonntag in Hiltrup
Ein „Nein“ und seine Folgen

Münster-Hiltrup -

Verkaufsoffene Sonntage werden auch für die Hiltruper Händler immer wichtiger: Sie fordern ein Umdenken. Denn trotz des Winterzauber-Weihnachtsmarktes in Hiltrup bleiben am Sonntag die Geschäfte dicht.

Samstag, 29.11.2014, 12:11 Uhr

Beim Lichterfest auf der Marktallee wird den Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis geboten. Darauf sei der Einzelhandel zunehmend angewiesen, sagen die Geschäftsleute. Gerne hätten sie am ersten Adventssonntag ihre Läden geöffnet.
Beim Lichterfest auf der Marktallee wird den Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis geboten. Darauf sei der Einzelhandel zunehmend angewiesen, sagen die Geschäftsleute. Gerne hätten sie am ersten Adventssonntag ihre Läden geöffnet. Foto: dpa

Ein verkaufsoffener Sonntag sei für die Einzelhändler ein wichtiger Umsatztag , weiß nicht nur Karin Eksen, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverband Münsterland.

Entsprechend betrübt sind die Kaufleute an der Marktallee, dass sie am Sonntag nicht ihre Geschäfte öffnen dürfen. Wenn mehrere 1000 Besucher am Wochenende zum Landlust Winterzauber kommen, sind die Kaufleute zumindest am Sonntag dazu verdonnert, tatenlos zuzuschauen. Der Rat der Stadt Münster hat bislang noch nie einen verkaufsoffenen Sonntag im Advent genehmigt.

Gerne hätte Matthias Kniesel in seinem Geschäft „Mode, Sport, Lifestyle Hüttmann“ viele Neukunden begrüßt. „Gerade weil der Winterzauber sehr viele Besucher von auswärts anlockt, wird hier eine große Chance für Hiltrup vertan“, ärgert er sich. Karin Eksen sieht es ähnlich: „Umsätze mit Touristen sind nicht an einem anderen Tag nachzuholen.“

„Es geht nicht um Umsatzsteigerungen, sondern um Umsatzausgleich“, erklärt Kniesel die Bedeutung verkaufsoffener Sonntage. Das Internet setze dem stationären Handel immer mehr zu. Bernd Berger ergänzt, wie wichtig es sei, dem Kunden ein besonderes Erlebnis wie beim Lichterfest zu bieten.

Auf gravierende Veränderungen im Einzelhandel weist auch Friedhelm Schade hin, der als regionaler Verkaufsleiter für ein japanisches Elektronik-Unternehmen unterwegs ist. Er warnt, dass der stationäre Handel auch in Münster mit erheblichen Einbußen rechnen müsse. „Es wird Leerstände geben.“ Den Händlern werde im Internet in punkto Preis, Auswahl und schnelle Belieferung massive Konkurrenz gemacht.

„Jeder, der in Kommunalpolitik tätig ist, muss sich Gedanken machen, wie er den stationären Handel stärken kann“, fordert der SPD-Politiker, der im Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung Münster tätig ist.

Während der stationäre Einzelhandel klare Vorgaben habe, sei das Internet rund um die Uhr geöffnet. Die umsatzstärkste Zeit im Inline-Handel sei sonntags „bis kurz vor Beginn des Tatort-Krimis“, erzählt Schade. „Da darf kein Händler sein Geschäft öffnen.“ Den Händlern rät er zu einer Multi-Chanel-Strategie, also das Nutzen unterschiedlicher Vertriebswege.

Wie könnte Hilfe aussehen, eine lebendige Innenstadt und auch lebendige Außenstadtteile zu erhalten? „Eine Hilfe ist der verkaufsoffene Sonntag“, ist Schade überzeugt, „und zwar nicht nur über das Jahr, sondern speziell im Weihnachtsgeschäft.“ Ein Umdenken sei geboten. Schade fordert, dass der Einzelhandel Rücksicht auf die Mitarbeiter nimmt.

Als „ausgesprochen enttäuschend“ empfindet Ralph Grosche weiterhin die Ratsentscheidung im Sommer. Er habe den Eindruck, dass sich Politik nur unzureichend mit den Problemen des Einzelhandels befasse. „Auch meine Mitarbeiter sind enttäuscht“, berichtet Grosche. Sie wären gerne am Sonntag für die Kunden da gewesen. Ähnliches sagt auch Matthias Kniesel für sein Verkaufsteam.

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