Neue Ausstellung im Kulturbahnhof eröffnet
Schalk und Shakespeare

Münster-Hiltrup -

Großer Andrang herrschte am Kulturbahnhof, als am Sonntagnachmittag die Ausstellung „Mine eye hath played the painter“ mit Bildern von Harald Forst zu den neuen Übersetzungen der Sonette Shakespeares von Hans-Werner Scharf im Rahmen einer Vernissage in fröhlicher Runde eröffnet wurde.

Dienstag, 13.01.2015, 08:01 Uhr

Künstler unter sich (v.li.): Brigitte Ost, Harald Forst, Hans-Werner Scharf und Jürgen Brakowsky. Im Hintergrund das Gemälde zu dem weltberühmten 18. Sonett von Shakespeare: „Shall I compare thee to a summer‘s day?“
Künstler unter sich (v.li.): Brigitte Ost, Harald Forst, Hans-Werner Scharf und Jürgen Brakowsky. Im Hintergrund das Gemälde zu dem weltberühmten 18. Sonett von Shakespeare: „Shall I compare thee to a summer‘s day?“ Foto: ric

Von überall her waren die geladenen Gäste angereist, teils Freunde, teils Verwandte, aber auch frühere Patienten des ehemaligen Psychiaters Dr. Harald Forst .

Auf 44 klein- und sieben großformatigen Gemälden konnten sie sich von der ungeheuren Schaffenskraft des Künstlers überzeugen, der, inspiriert von den Übersetzungen seines langjährigen Weggefährten Hans-Werner Scharf , mit einer überwältigenden Farbintensität und technischen Vielfalt die meisten der Gemälde innerhalb kürzester Zeit zu Papier gebracht hatte.

„Ursprünglich hatte ich mal vor, Kunst und Literatur zu studieren. Doch dann kam mir die Medizin dazwischen“, berichtet der Autodidakt freimütig. Bereits vor zehn Jahren hatte sein Freund aus Kindertagen, Hans-Werner Scharf, ein erstes Mal den Wunsch an ihn herangetragen, er möge die Sonette ins Bildliche „übersetzen“. Doch der Gedanke erschien Forst zunächst zu abwegig: „Ich wollte auf keinen Fall ins Kitschige abdriften und womöglich bei der Abbildung einer einzelnen Rose oder einer Blumenwiese enden“, blickt der Künstler zurück.

Termin

Die Ausstellung ist noch bis Ende März zu den Bürozeiten des Kulturbahnhofs mittwochs und freitags von 16 bis 18 Uhr zu sehen.

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Aber manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. „Erst viel später merkte ich, wie wunderschön die Sonette tatsächlich sind“, erklärt Forst. Und so fasste er im Ruhestand den Mut, das Großprojekt in die Tat umzusetzen. Das Ergebnis sind 44, teils collagenartige Werke, in denen Harald Forst den Ideenreichtum, den Witz, aber auch den Schalk und nicht zuletzt die immense Poesie der Gedichte Shakespeares unter Einsatz verschiedenster Materialien einfühlsam in Szene setzt.

In zum Teil kräftigen Farbtönen wie Sonnengelb und Rot, mit Erdfarben, aber auch in zartem Violett und Türkis gibt Forst sich vollkommen dem intuitiven Farbspiel hin. Und schafft es, das Auge des Betrachters in dem sonst eher schlichten Backsteingebäude an der Bergiusstraße immer wieder neu zu entführen in eine Welt von Liebe, Lust und Leid, die den Mittelpunkt von Shakespeares Werk ausmacht. Und die auch für den modernen Menschen nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

Eingerahmt wurde die Eröffnung der Ausstellung in die formvollendete Präsentation der englischen Fassungen einiger Sonette durch die Anglistin Brigitte Ost. Abgerundet wurde sie durch einen ausdrucksstarken Vortrag der deutschsprachigen Übersetzungen durch Jürgen Brakowsky. Ein lebendiges Zusammenspiel von Kunst und Literatur – ein echter Genuss für die Sinne.

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