Gedenkplatte für Kaplan Bernhard Poether unauffindbar
Stolperstein verschwunden

Münster-Hiltrup -

Wurde er verschludert, womöglich gar gestohlen? Das ist unklar – fest steht nur: Der Stolperstein für Kaplan Bernhard Poether liegt nicht mehr an seinem Platz.

Samstag, 30.01.2016, 09:01 Uhr

Vor vier Jahren hatte der Künstler Gunter Demnig die Platte eingesetzt.
Vor vier Jahren hatte der Künstler Gunter Demnig die Platte eingesetzt. Foto: mlü

Der katholische Geistliche kümmerte sich um polnische Zwangsarbeiter und wurde von Nationalsozialisten verschleppt und ermordet. In Hiltrup verlebte er seine Kindheit – über der ehemaligen Post der einst selbstständigen Gemeinde Hiltrup. Deswegen wurde 2012 vor dem Haus am Klosterwald 3 eine Gedenkplatte aus Messing eingelassen. Der Künstler Gunter Demnig verlegt diese so genannten Stolpersteine schon seit mehr als 20 Jahren. „Routine ist das niemals“, sagt er damals im Rahmen der Zeremonie, die Einzelschicksale seien ergreifend.

Im Zuge von Tiefbauarbeiten ist der Stein nun verschollen. Die Netzgesellschaft der Stadtwerke hatte eine Baufirma damit beauftragt, dass Gebäude am Klosterwald 3 von allen Anschlüssen zu kappen – denn die Tage des Gebäudes sind gezählt. Wie berichtet, plant der Bauträger aus Ahlen einen Neubau mit drei Etagen und Tiefgarage. Der Altbau sei kaum noch sanierungsfähig. Der Abrissbagger steht bereits im Garten.

Im Zuge der Vorbereitungen für den Abriss ist der Stolperstein nun verschwunden. „Wir sind an dem Thema dran und versuchen herauszufinden, wo der Stolperstein geblieben ist“, berichten die Stadtwerke auf Anfrage. Die gute Nachricht: „Im Zweifelsfall werden wir ihn ersetzen“, kündigte ein Sprecher des Unternehmens an.

Verwirrung gibt es um den tatsächlichen Wohnort des jungen Bernhard Poethers. Viele alte Hiltruper haben sich auf die Berichterstattung zum Abriss hin gemeldet: Poether habe nicht am Klosterwald 3 gelebt, sondern in einem benachbarten Haus. Poether-Experte Pfarrer Ewald Spieker kann das Missverständnis aufklären: Das Haus nebenan wurde von Poethers Vater gebaut und von seiner Schwester bewohnt. Groß geworden sei Bernhard Poether dagegen sehr wohl am Klosterwald 3.

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