Liebesliteratur
„Welch Glück, geliebt zu werden!“

Münster-Hiltrup -

Einen wilden Ritt durch die Liebesliteratur erlebten 120 Zuhörer bei Blumen Dahlmann. Bei so einem schönen floralen Ambiente konnte das Publikum nur ins Schwärmen geraten.

Sonntag, 19.02.2017, 17:02 Uhr

Einen wilden Ritt durch die Liebesliteratur mit Sarah Giese und Christoph Tiemann erlebten die Zuhörer bei Blumen Dahlmann. Die Kulturbühne hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen.
Einen wilden Ritt durch die Liebesliteratur mit Sarah Giese und Christoph Tiemann erlebten die Zuhörer bei Blumen Dahlmann. Die Kulturbühne hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen. Foto: hk

Einen wilden Ritt durch die Liebesliteratur erlebten 120 Zuhörer bei Blumen Dahlmann. Bei so einem schönen floralen Ambiente konnte das Publikum nur ins Schwärmen geraten. Auch wenn die Sprecherin der einladenden Kulturbühne, Annette Paßlick-Wabner, von schwerer Kost sprach, die zu verdauen war.

An manchen der insgesamt neuneinhalb Kapiteln der szenischen Lesung „Nur ein Wort“ dürften die Zuhörer zu knacken gehabt haben, denn es war nicht alles jugendfrei, was das Duo Sarah Giese und Christoph Tiemann zu zitieren wusste. Hoch literarisch ging es bei Kapitel drei „Liebe machen“ zu, auch wenn sich so mancher Autor vielleicht etwas zu sehr verstiegen hatte, wenn es um den eigentlichen Liebesakt ging.

„Erstickt mich mit Äpfeln“, war die harmlosere Variante. „Wenn Sie diese Stelle suchen, sie befindet sich genau in der Mitte der Bibel“, sagte Tiemann und gab zu Bedenken, dass die Bibel aus einem ganz anderen Kulturkreis komme.

Doch zuerst Kapitel Eins, bei dem es ums Anhimmeln ging. Im so genannten siebten Himmel, erinnern wir uns noch? Walter von der Vogelweide und William Shakespeare wussten die Phase des ersten Kennenlernens literarisch umzusetzen.

Kapitel Flirten. „In ‚Solaris‘ gab es die beste Flirtszene aller Zeiten. Sie stand nicht im Drehbuch“, sagte Christoph Tiemann, um dann Sarah Giese ganz lange tief in die Augen zu blicken. Überhaupt, das Zusammenspiel beider gelang bestens. Nicht zuletzt der unterschiedlichen Betonung der Sprecherrollen. Dazu das leichte Piano- und Cembalospiel von Till Backhaus.

Wie schwer es fällt, ich liebe Dich zu sagen, war gut aufgehoben bei „Wissen Sie Hildegard, wir kennen uns schon ein Jahr“, und sie „Sie haben was auf dem Mund“. „Wer in diesem Publikum noch keine Nudel gesehen hat, ist einfach noch zu jung“, so Tiemann, Loriot zitierend.

Gut, dass sich das Publikum in der Pause in den noch etwas winterlich anmutenden Gewächshäusern abkühlen konnte. Einen Dämpfer allerdings mag es bei dem neunten Kapitel „Begräbnisblues“ erhalten haben. „Er war mein Nord, mein Süd, mein Ost, mein West. Ich dachte, Liebe währet ewig: Falsch gedacht“, niedergeschrieben in der „Totenklage“ von W. H. Auden.

Doch irgendwann nach einem großen Verlust geht alles auf Anfang. In Kapitel neuneinhalb mit Goethe „Welch Glück, geliebt zu werden! Und lieben, Götter, welch ein Glück!“ klang der Abend versöhnlich aus.

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