Poether-Arbeitskreis:
Dachau war der Prototyp

Münster-Hiltrup -

In Hiltrup hat das KZ Dachauein konkretes Gesicht: gemeint ist Bernhard Poether, dessen 75. Todestag in diesem Jahr bevorsteht.

Samstag, 11.03.2017, 14:03 Uhr

Prof. Karl Hüser (l.) sprach über das Konzentrationslager Dachau, das im August Ziel einer Reise des Arbeitskreises Poether sein wird.
Prof. Karl Hüser (l.) sprach über das Konzentrationslager Dachau, das im August Ziel einer Reise des Arbeitskreises Poether sein wird. Foto: gro

Auf ein ordentliches Rednerpult wollte er nicht verzichten, mit dem eilig herbeigeschafften Notenständer gab sich Prof. Karl Hüser auch zufrieden. Jede Menge Stühle mussten ebenfalls herbeigeholt werden, denn annähernd 50 Zuhörer waren in das Pfarrzentrum St. Clemens gekommen, um sich über das Konzentrationslager Dachau zu informieren.

In Hiltrup hat das KZ Dachau, so sagte Hüser treffend, ein konkretes Gesicht: gemeint ist Bernhard Poether, dessen 75. Todestag in diesem Jahr bevorsteht. Im August fährt der Poether-Arbeitskreis nach Dachau, die Reise ist übrigens ausgebucht. Dass zuletzt von politisch ganz rechter Seite die deutsche Erinnerungskultur in Abrede gestellt wurde, verlieh dem Thema zusätzliche Aktualität.

Und gewiss wollten viele einfach Karl Hüser hören, der ungeachtet seines Alters von 86 Jahren über Dachau als Prototyp der nationalsozialistischen Konzentrationslager dozierte. Sein Thema ging der Historiker, der in Paderborn Geschichtsdidaktik gelehrt hatte, präzise, strukturiert und gewohnt meinungsfreudig an. Parallelen zur aktuellen Verfolgungspraxis in der Türkei sowie zu Guantanamo Bay machte er aus. Stets würden Menschen ohne faires Gerichtsverfahren festgehalten. „Das ist geradezu erschreckend.“

Das Terrorregime der Nationalsozialisten sei ohne die Konzentrationslager nicht denkbar gewesen, stellte Hüser fest. Zugleich sei das System der Konzentrationslager nicht ohne Dachau vorstellbar. Lagerkommandant Theodor Eicke gelang es, einen Staat im Staate zu errichten mit eigener Lagerordnung und eigenen Verbänden, den berüchtigten Totenkopfverbänden.

Als 1937/38 neue Konzentrationslager in Buchenwald und Sachsenhausen errichtet wurden, diente Dachau als Vorbild. Das Lager bei München existierte als einziges Konzentrationslager mehr als zwölf Jahre vom 22. März 1933 bis zur Befreiung durch die Amerikaner am 29. April 1945.

Die Befreiung Dachaus hat Bernhard Poether nicht mehr miterlebt. Er starb am 5. August 1942. Inhaftiert wurde er nicht, weil er Priester war. Er eckte an, weil er sich für „seine eigenen Leute“ einsetzte. Dass es Polen waren, hinderte ihn keineswegs. So wurde sein Handeln aufgrund seiner religiösen Überzeugung hochgradig politisch. Die Kirchengemeinde St. Clemens setzt sich für die Seligsprechung Poethers ein.

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