Diskussion zum Thema „Gesundheitspolitik“
Ausbruch aus dem Grundkonsens

Münster -

Für die FDP-Landtagsabgeordnete Susanne Schneider war es am Ende ein Spießrutenlauf. Schließlich erteilte sie als einzige Teilnehmerin der von Apothekerverband und Apothekerkammer organisierten Podiumsdiskussion zum Thema „Gesundheitspolitik“ einem Versandhandelsverbot für Apotheken eine klare Absage und zog damit den Unmut vieler anwesender Apotheker auf sich.

Dienstag, 28.03.2017, 15:03 Uhr

Mit Oskar Burkert von der CDU verstand sich Gabriele Regina Overwiening (r.) deutlich besser als mit Susanne Schneider von der FDP.
Mit Oskar Burkert von der CDU verstand sich Gabriele Regina Overwiening (r.) deutlich besser als mit Susanne Schneider von der FDP. Foto: bsc

„Sie können nicht erwarten, dass sich die FDP als Partei des Wettbewerbs für ein Versandhandelsverbot einsetzt“, brach Schneider aus dem Grundkonsens der anderen Diskussionsteilnehmer bei der von WN-Chefredakteur Dr. Norbert Tiemann moderierten Veranstaltung in der Stadthalle Hiltrup aus.

Dem entgegneten Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, und Dr. Klaus Michels, Vorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, die Sorge, dass infolge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs im vergangenen Jahr die Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente in Deutschland komplett fallen könnten. Die Luxemburger Richter hatten die Preisbindung für ausländische Internetapotheken gekippt, wodurch diese Preisnachlässe gewähren können. Die Apotheker fürchten, dass sie keine flächendeckende Versorgung für den ländlichen Raum mehr gewährleisten können, wenn die Preise sinken.

Genauso wie der CDU-Landtagsabgeordnete Oskar Burkert und Kathrin Vogler, Bundestagsabgeordnete für Die Linke, stellten sich auch Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) und der Landtagsabgeordnete Michael Scheffler von der SPD auf die Seite der Apotheker. Beide mussten aber die teils divergierenden Positionen ihrer Parteien auf Bundesebene erklären.

„Die Grünen in Berlin sind manchmal von den Apothekern zu weit weg“, räumte Steffens ein. Scheffler nahm einen Rucksack voller Wünsche an seine eigene Partei mit – er hatte wahrlich keinen leichten Stand.

Noch deutlicher wurde die Kritik an SPD und Grünen beim Thema Nachwuchsmangel, mit dem die Apotheken zu kämpfen haben. Beide Parteien hatten im Düsseldorfer Landtag die Zuschüsse für die Ausbildung von Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) abgeschafft. „Das war im Rahmen der Haushaltskonsolidierung notwendig“, verteidigte Scheffler die Maßnahme halbherzig.

Letztendlich erklärten auch die Vertreter der beiden Regierungsparteien auf Landesebene, dass sich an der Situation etwas ändern müsse. Diesen Grundkonsens trug auch Susanne Schneider mit.

Ganz verscherzen wollte sie es sich mit dem aufgebrachten Publikum wohl doch nicht.

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