NS-Opfer
Poether soll selig gesprochen werden

Münster-Hiltrup -

Bernhard Poether selig zu sprechen – dieses Anliegen haben Vertreter der Gemeinde St. Clemens und des Bernhard-Poether-Arbeitskreises aus Hiltrup nun ganz offiziell an den Bischof Felix Genn herangetragen.

Dienstag, 25.04.2017, 19:04 Uhr

Unterschriftenübergabe an Bischof Felix Genn durch (v.l.) Pfarrer Mike Netzler, Dr. Angelika Pokropp-Hippen, Pfarrer Ewald Spieker und Monika Kaiser-Haas.
Unterschriftenübergabe an Bischof Felix Genn durch (v.l.) Pfarrer Mike Netzler, Dr. Angelika Pokropp-Hippen, Pfarrer Ewald Spieker und Monika Kaiser-Haas. Foto: gro

Nun ist Bischof Genn am Zug. An ihm liegt es, prüfen zu lassen, ob zunächst ein Diözesanverfahren zur Seligsprechung Bernhard Poethers eröffnet wird. Anschließend, so sieht es die Kirche vor, würde sich ein Verfahren in Rom anschließen.

Bernhard Poether selig zu sprechen – dieses Anliegen haben Vertreter der Gemeinde St. Clemens und des Bernhard-Poether-Arbeitskreises nun ganz offiziell an den Bischof herangetragen. „Ein wichtiger Akt“ sei das, betonte Genn, „damit daran weitergearbeitet werden kann“.

Bernhard Poether (1906 bis 1942) war ein Priester des Bistums Münster, der in Konflikt mit den Nationalsozialisten geriet und am 5. August 1942 an den Folgen von Folter und Unterernährung im Konzentrationslager Dachau starb.

Als ehemaliger Bischof von Essen kennt Genn Gladbeck und Bottrop als Wirkungsstätten Poethers aus eigener Anschauung. In St. Clemens, so erinnerte er sich lebhaft, hat er bereits mit Poe­thers markantem Kelch zelebriert. „In diesem Zeichen wirst du siegen“, ist dort zu lesen. Freilich in kyrillischen Buchstaben. Auch das Kreuz ist ganz in russischer Tradition gestaltet.

„Bernhard Poether hat in tiefer Christusverbundenheit gelebt und ist auch so gestorben“, sagte der emeritierte Pfarrer Ewald Spieker. Ein durch und durch missionarischer Mensch sei er gewesen, der am liebsten nach Russland gegangen wäre. Gleichsam wie ein von Gott gesandter Engel sei er von den polnisch-sprachigen Menschen im Ruhrgebiet empfunden worden, berichten Zeitzeugen. Als jemand, der für alle Menschen da war. Diese Haltung in einer Zeit, in der es hieß, die Deutschen stünden an erster Stelle, habe den jungen Kaplan 1939 in Konflikt mit den NS-Machthabern gebracht. Das weitere Schicksal ist allseits bekannt: Zunächst Haft in Bottrop, dann ein komplettes Jahr Einzelhaft im KZ Sachsenhausen, schließlich KZ Dachau.

Pfarrer Mike Netzler betonte, die Gemeinde St. Clemens wolle Poether zudem zum Patron ihres neuen Pastoralplans machen. „Auf Menschen an den Rändern zuzugehen, das hat er in besonderer Weise gelebt.“ Deshalb hätten viele Menschen Zugang zu ihm gefunden, die Poether vorher kaum oder gar nicht kannten. Auch ihm persönlich sei es so ergangen. Netzler kündigte an, neben der bereits bestehenden Grablege innerhalb der Kirche auch von außen einen sichtbaren Hinweis auf Bernhard Poether schaffen zu wollen.

1500 Unterschriften hat der Arbeitskreis in Bottrop und Hiltrup gesammelt. Das Gedenken an Poether lebendig zu halten, sei das primäre Ziel gewesen, erläuterte Spieker. Hieraus sei der Wunsch nach einer Seligsprechung erwachsen.

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