Bibel-Bild im Kloster
Verschlüsselt und verrätselt

Münster-Hiltrup -

Keine Berührungsangst vor moderner Kunst haben die Hiltruper Missionare. Ein Bibel von Erwin Löhr fand nun einen prominenten Platz im Kreuzgang.

Samstag, 03.06.2017, 15:06 Uhr

Bei den Hiltruper Missionaren hat die großformatige, fünfteilige Arbeit von Erwin Löhr einen neuen Platz gefunden. Nun ist die Bibeldarstellung, die vom Garten Eden (links) bis zum auferstandenen Christus reicht, recht prominent im Kreuzgang anzutreffen.
Bei den Hiltruper Missionaren hat die großformatige, fünfteilige Arbeit von Erwin Löhr einen neuen Platz gefunden. Nun ist die Bibeldarstellung, die vom Garten Eden (links) bis zum auferstandenen Christus reicht, recht prominent im Kreuzgang anzutreffen. Foto: gro

„Die ist doch einfach nur schön.“ Eine schwärmerische Beschreibung, wie sie Rafaels „Sixtinische Madonna “ üblicherweise zu Teil wird, klingt anders. Die Madonna ist ein Star, sie zieht Menschen in ihren Bann, ihretwegen fahren jedes Jahr Ströme von Touristen nach Dresden.

Die „Sixtinische Madonna“ gilt als eines der berühmtesten Gemälde der italienischen Renaissance. Und dann dieser ein Satz. „Die ist doch einfach nur schön.“ Schwingt da nicht ein Verlust an Staunen und Bewunderung, an Respekt und Wertschätzung mit?

Jedenfalls klingt es ein wenig wie: Komm, lass uns weiter gehen. Es gibt noch so viel anderes zu entdecken. Hier, bei dem großen Rafael, ist der Fall klar. Alles schon bekannt, zweifelsohne von unbestreitbarer Schönheit.

Ganz anders wirkt in vielfacher Hinsicht das Bild, das jetzt im Kloster der Hiltruper Missionare einen prominenten Platz im Kreuzgang gefunden hat. Gut zwei Jahrzehnte hängt es bereits in dem Kloster, allerdings zunächst im Gästerefektorium, dem Speisesaal für die Gäste des Hauses, an eher ungünstiger Stelle, versteckt und oftmals von Stühlen verstellt. Jedenfalls kaum beachtet. Ein Wasserschaden zwang, es abzunehmen.

Hängt das Bild da richtig? Diese Frage führte dazu, für das großformatige Bild von Erwin Löhr einen besser geeigneten Platz zu finden. Im Hauptflur, bei gutem Licht und an einer Stelle, an der viele Gäste vorbeikommen, sagt Pater Klaus Gräve, der Leiter des Hauses.

Er sehe das Alte jetzt neu, sagte jemand bereits. Das kann durchaus im doppelten Sinn zu verstehen sein. Die fünf Bildtafeln zeigen Motive aus der Bibel, die jeder, der in einem Kloster lebt oder zu Gast ist, kennt. Dennoch erweckt das Bild nicht den Eindruck, so merkt Pater Gräve an, „schon Bekanntes schnell noch einmal sagen zu wollen“. Löhrs Bild sei ein Vexierbild, ein Suchbild. Wohl deshalb weist der kleine Text, den Pater Gräve verfasst hat, so viele Formulierungen in Frageform auf.

Die Bildsprache des Künstlers sei „verschlüsselt und verrätselt. Sie sagt: Du musst schon selbst entdecken.“ So ist das Bild weit davon entfernt, einfach nur als schön wahrgenommen zu werden. Anstöße will es geben, als verstörend mag es manch einer empfinden. Oder gar als anstößig?

Der Künstler selbst erinnert daran, dass dieses Bild aus dem Jahr 1996 der Auftakt für eine Reihe weiterer Bilder aus der Bibel gewesen sei. „Mein Credo“, lautet die fünfteilige Arbeit, die übrigens eine der wenigen großen Gestaltungen Löhrs ist, die im Stadtteil Hiltrup einen Platz gefunden haben.

Vor zum Pfingstfest wurde im Kloster die neue Hängung fertiggestellt. „Es ist ungewöhnlich beängstigend und zugleich befreiend und ermutigend, aufregend und beruhigend, ein von ungeheurer Energie geprägter Sachverhalt“, beschreibt Löhr das pfingstliche Geschehen, das Brausen des Heiligen Geistes. Oder spricht er über das, was er in seinem Bild darzustellen versucht?

Für Pater Gräve steht fest: „Die Gestaltung hat eine Befreiung erfahren.“

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