BASF Coatings baut eine Anlage zur Beschichtung funktionaler Folien
Solarzellen zum Aufrollen

Münster-Hiltrup -

Die BASF Coatings baut auf seinem Werksgelände in Hiltrup eine neue Anlage, die Folien hauchdünn beschichten kann. So können in einem ersten Schritt zum Beispiel biegsame Solarzellen hergestellt werden. In Zukunft wären aber auch flexible Smartphone-Bildschirme und aufrollbare Fernseher vorstellbar.

Montag, 17.07.2017, 20:07 Uhr

Biegsame Solarzellen und faltbare Bildschirme: In der Anlage, die auf dem Werksgelände der BASF Coatings entsteht, werden Folien funktionalisiert. Sie sollen Glas, das schwerer, zerbrechlicher und nicht flexibel ist, in ausgewählten Elektronikanwendungen ersetzen.
Biegsame Solarzellen und faltbare Bildschirme: In der Anlage, die auf dem Werksgelände der BASF Coatings entsteht, werden Folien funktionalisiert. Sie sollen Glas, das schwerer, zerbrechlicher und nicht flexibel ist, in ausgewählten Elektronikanwendungen ersetzen. Foto: Colourbox.com

Eine Zeitung, in der sich die Bilder bewegen wie bei Harry Potter – das klappt in Zukunft womöglich ohne Magie. Jörg Lenz von der BASF Coatings träumt bereits vom faltbaren Bildschirm. Auf einer Technikmesse in Las Vegas hat er einen Prototypen eines südkoreanischen Fernsehherstellers gesehen. „Unsere erste Anwendung wird allerdings die Photovoltaik sein.“

Aufrollbare Solarzellen also – zum Beispiel für Zeltplanen. Mit Glas lässt sich das nicht realisieren. Auch andere, herkömmliche Beschichtungen sind zu dick. Sie würden statt sich zu verbiegen eher brechen. Spätestens wenn es irgendwann um flexible Displays geht. Eine neue Anlage auf dem Hiltruper Werksgelände der BASF Coatings soll demnächst neue Wege gehen. Die neuartige Beschichtung aus Hiltrup wird nicht flüssig, sondern gasförmig aufgetragen. So gelingt eine Beschichtung, die 100 000 mal dünner ist als ein menschliches Haar. „Mit unserer Beschichtung der sogenannten Barrierefolien leisten wir einen Beitrag zur Entwicklung der Dünnschichtphotovoltaik der Zukunft“, verkündet das Unternehmen stolz.

Den ersten Spatenstich nahmen (oben, v.l.) Jörg Lenz, Karin Reismann und Dirk Bremm vor.

Den ersten Spatenstich nahmen (oben, v.l.) Jörg Lenz, Karin Reismann und Dirk Bremm vor. Foto: mlü

Seit drei Wochen wird bereits an der Halle gebaut, in der später die funktionalen Folien beschichtet werden. Die Fläche für die neue Halle ist abgesteckt und eingeebnet. Es soll schnell gehen. Jetzt fand nachträglich der offizielle erste Spatenstich statt. Bürgermeisterin Karin Reismann betonte den Wert der BASF Coatings für die Stadt Münster. „Sie sind das größte Unternehmen in Münster, einer Stadt der Wissenschaft und Lebensart.“ Reismann hieß außerdem Dirk Bremm in Münster willkommen, der seit April die Leitung des Unternehmensbereichs Coatings der BASF übernommen hat. „Ich komme auch gerne zum Richtfest“, so Reismann.

Wenn es nach den Bauherren geht, soll das Richtfest noch in diesem Jahr sein – sowieso drückt das Unternehmen auf die Tube. In nur fünf Jahren von der Idee zum fertigen Produkt: Das Folien-Projekt „Novaga“ wird als firmeninternes Start-Up und mit kurzem Zeitrahmen realisiert. 2018 sollen die ersten Folien ausgeliefert werden. „Wir stehen in enger Absprache mit den Kunden“, erklärt Lenz. Das Folien-Start-Up sucht sich nicht nur neue Technik, sondern auch neue Märkte. Aber was haben aufrollbare Solarzellen noch mit Lack, dem Kerngeschäft der Coatings, zu tun? „Wir sind mehr als Farben“, gibt Bremm als Parole aus. „Wir schaffen uns neue Wege, auf denen wir wachsen können.“

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