Unbekannte reißen das Zwangsarbeiter-Mahnmal aus der Erde
Gedenkstein schwer beschädigt

Münster-Hiltrup -

Ein Gedenkstein in unmittelbarer Nähe zur Prinzbrücke erinnert an die unmenschliche Lebensbedingungen im ehemaligen Zwangsarbeiterlager „Waldfrieden“. Unbekannte haben das Mahnmal jetzt schwer beschädigt. Es wurde samt Fundament aus der Erde gerissen und umgestürzt.

Donnerstag, 20.07.2017, 01:07 Uhr

Samt Fundament wurde der Gedenkstein am Föhrenweg, unweit der Prinzbrücke, aus der Erde gerissen und umgestürzt. Der Verein „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.
Samt Fundament wurde der Gedenkstein am Föhrenweg, unweit der Prinzbrücke, aus der Erde gerissen und umgestürzt. Der Verein „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Foto: mlü

Im Osten Hiltrups werden die Bunkerreste des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers „Waldfrieden“ der Nationalsozialisten langsam von der Vegetation überwuchert. Damit es nicht in Vergessenheit gerät, wurde vor sieben Jahren ein Mahnmal am Föhrenweg in der unmittelbaren Nähe der Prinzbrücke aufgestellt. Unbekannte haben es jetzt schwer beschädigt. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

Samt Fundament wurde der Gedenkstein aus der Erde gerissen und umgestürzt. „Wir sind verärgert und wütend über diese massive Beschädigung“, erklären Detlef Lorber, Sprecher der „ Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes “ (VVN) und der GAL-Ratsherr Carsten Peters, die sich gemeinsam vor Ort um den Gedenkstein kümmern. Sie haben Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Politisch motivierte Tat?

Weil es sich möglicherweise um eine politische Tat handelt, hat die Polizei Münster den Staatsschutz informiert. „Das ist ein Automatismus – wir haben bislang keine Hinweise auf eine politische Tat und es wurden keine Parolen hinterlassen“, erläutert ein Sprecher der Polizei.

Die VVN vermutet, dass schon erhebliche Gewalteinwirkung von mehreren Personen im Spiel gewesen sein muss, um den fest gemauerten und schweren Gedenkstein mit Fundament aus dem Boden zu reißen. Die Polizei Münster teilt diese Einschätzung nicht ohne Weiteres – „das Fundament ist schon recht klein für ein Mahnmal dieser Größe“.

Ähnliche Vorfälle

Bereits zuvor soll es zu Angriffen auf den Gedenkstein gekommen sein, berichtet Carsten Peters. Aber: „Dieser massive Angriff übertrifft alles bisher Dagewesene.“

Das Gedenkensemble, dessen sichtbarster Bestandteil der Gedenkstein ist, wurde 2010 in Kooperation von VVN, dem ökumenischen Kreis für Frieden und Gerechtigkeit, der evangelischen und katholischen Kirche und der örtlichen Politik in Hiltrup aufgestellt. Die BV Hiltrup hatte einstimmig einen Zuschuss für die Errichtung bewilligt. Der Stein soll nun repariert und wieder aufgestellt werden.

Meinung

KOMMENTAR

Blind für die Geschichte

Bis zu 500 Menschen, darunter Frauen und Kinder, waren im Zwangsarbeiterlager „Waldfrieden“ untergebracht. Ihre Lebensbedingungen waren unmenschlich. An das Leid und das Unrecht zu erinnern, welches diesen Menschen im Nationalsozialismus angetan wurde, ist  vornehmste Pflicht. Wer die Symbole dieser Erinnerung beschädigt, macht sich gemein mit den Untaten von einst.

Und wenn es keine politische Tat war? Dann zeugt das von einer unglaublicher Geschichtsvergessenheit. Sie schmerzt heute, wenn des Deutschen Widerstands vom 20. Juli 1944 gedacht wird, besonders. 

von Markus Lütkemeyer

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