Tankstelle lebt als Gemälde weiter
Ein Hiltruper Kleinod in Öl

Münster-Hiltrup -

Elke Seppmann erweckt die bereits Ende 2016 abgerissene Hiltruper Total-Tankstelle zu neuem Leben und hält sie künstlerisch in Erinnerung. Das Bild ist Teil einer neuen Ausstellung, die sie im Dezember im Theater Münster zeigt.

Mittwoch, 02.08.2017, 06:08 Uhr

Elke Seppmann legt letzte Pinselstriche an ihr Ölbild an. Sie erweckt die bereits Ende 2016 abgerissene Hiltruper Total-Tankstelle zu neuem Leben und hält sie künstlerisch in Erinnerung, eingefangen in einer Dezember-Winternacht.
Elke Seppmann legt letzte Pinselstriche an ihr Ölbild an. Sie erweckt die bereits Ende 2016 abgerissene Hiltruper Total-Tankstelle zu neuem Leben und hält sie künstlerisch in Erinnerung, eingefangen in einer Dezember-Winternacht. Foto: Peter Sauer

Alte Tankstellen erinnern Malerin Elke Seppmann an die Kindheit in Gremmendorf. „Als ich im amerikanischen Kaiser Frazer meines Vaters durch die geteilte Frontscheibe das helle Neon der Tankstellen erblickte, war das so schön.“ Damals in den Fünfzigern waren die Dächer der Tankstellen sehr schmal und schwungvoll. Voll architektonischer Eleganz und Leichtigkeit.

Ab der Ölkrise in den 1970er Jahren verloren die Tankstellen ihre individuelle Ästhetik. Seitdem sehen sie so aus wie heute: mit großen Metalldächern, auf Funktionalität bedacht. Seppmann holt nun die Ästhetik vergangener Zeiten zurück – mit einem Hiltruper Kleinod.

Die Tankstelle an der Westfalenstraße 155 wurde Ostern 1961 als Fina-Tankstelle gegründet. Damals kostete der Liter Benzin 46 Pfennige (24 Cent)! Von Oxy und Elf bis Total: die Tanke nebst Werkstatt lief erfolgreich. Nach 55 Jahren war Ende 2016 Schluss. Der französische Mineralölkonzern wollte den Vertrag nicht verlängern. Wohl auch weil der Durchgangsverkehr jetzt vermehrt den neuen Autobahnanschluss nutzt.

Elke Seppmann erfuhr vom Abriss der Total bei der Lektüre dieser Zeitung. „Diese Tankstelle war so unscheinbar zwischen zwei Häusern versteckt, dass ich am ersten Abend mit meinem Rad vorbeigefahren bin. Erst am zweiten Abend habe ich sie gefunden.“ Mit ihrer Action-Kamera am Revers machte sie Fotos. Auf deren Basis entsteht derzeit in ihrem Atelier am Hawerkamp ein großformatiges Ölbild der alten Hiltruper Tanke. Erst machte sie eine grobe Kohlezeichnung, grundierte dann mit Acrylfarben die selbst gebaute Leinwand. Diese bearbeitet sie jetzt mit einer Hand voller verschiedener Pinsel mit kräftigen Ölfarben.

Auch wenn die Tankstelle sehr plastisch erscheint, fotorealistisch ist die Malerei von Seppmann nicht. Wichtiger als Architekturdetails ist ihr die Strahlkraft der Farben. „Nächt­liche Tankstellen mit ihrem flirrendem kühlen Neonlicht ziehen mich magisch an.“ Als Traum von Freiheit und Mobilität wie Rastlosigkeit und Flüchtigkeit zugleich. So malt sie auch die Hiltruper Tanke nachts – als magischen Ort voller Licht im Dunkel des Stadtteils. Sie verfremdet das Gesehene nicht, abstrahiert es aber auf das Wesentliche. „Da bin ich meine eigene Architektin.“ Seppmann fängt gekonnt die Neon-Farbreflexionen der zinnober-roten Tanke ein, die sich auf der winternassen Westfalenstrasse spiegeln, zwischen fahlen Lichtkegeln der Straßenlaternen und den im Grau verschwimmenden Häusern. Auch wenn ihr Bild von weitem dreidimensional wirkt, erscheinen Details von Nahem betrachtet bewusst unscharf, wie etwa die Preisanzeige. „Die Benzinpreise ändern sich ja ohnehin ständig“, erwidert Seppmann. „Ich habe die Tankstelle aus kompositorischen Gründen gespiegelt. Da man Bilder von links nach rechts liest, erschien mir das spannungsreicher.“

Da es die Total-Tanke nicht mehr gibt, ist Elke Seppmann mit ihrem Ölbild eine Chronistin eines verloren gegangenen Ortes der Hiltruper Alltagsgeschichte. Das Bild ist Teil einer neuen Ausstellung, die sie im Dezember im Theater Münster zeigt. So lebt auch ein Stück Hiltrup weiter.

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