Die zehnte Tattoo-Messe fand am Samstag in der Stadthalle Hiltrup statt
Erinnerungen unter der Haut

Münster-hiltrup -

Am Wochenende zeigten 60 Tätowierer aus der ganzen Welt in der Hiltruper Stadthalle ihre Kunst am lebenden „Objekt“. Zum zehnten Starfire-Tattoo-Weekend kehrte Veranstalter Tomy Köck an den gewohnten Standort zurück, nachdem die Messe im vergangenen Jahr noch in der Halle Münsterland stattgefunden hatte.

Sonntag, 06.08.2017, 00:08 Uhr

Tattoos in allen Formen und Farben entstanden am Samstag in der Stadthalle Hiltrup. Veranstalter Tomy Köck rät jungen Menschen, mit kleinen Motiven zu beginnen.
Tattoos in allen Formen und Farben entstanden am Samstag in der Stadthalle Hiltrup. Veranstalter Tomy Köck rät jungen Menschen, mit kleinen Motiven zu beginnen. Foto: cht

„Hier ist die Atmosphäre einfach netter und familiärer“, erklärt Tomy Köck die Rückkehr der Veranstaltung nach Hiltrup. Der Ort sei zudem ideal, weil das Catering für Besucher und Tätowierer frei organisiert werden könne. „Viele Künstler sind Vegetarier, Veganer und achten auch sonst sehr auf ihr Essen“, weiß Köck, der selbst seit 30 Jahren tätowiert und mehrere Studios in Münster, Österreich und Griechenland betreibt. Schließlich sei die stundenlange konzentrierte Arbeit am Körper sehr anstrengend, da müssten Umfeld und Verpflegung stimmen.

Und tatsächlich wurde am Wochenende im ersten Stock des Stadthallen-Gebäudes vor allem konzentriert gearbeitet. An fast allen Ständen summten die Tätowiergeräte, und Kunden saßen und lagen geduldig unter den Nadeln, um sich ihre Haut mit allen erdenklichen Mustern und Bildern versehen zu lassen. Dabei waren die meisten Termine für das Wochenende bei den bekannten Tattoo-Künstlern der Szene aus Deutschland und England, Holland, Italien, El Salvador, Brasilien oder Israel meist schon Monate vorab vereinbart worden.

Doch auch wer sich nur informieren wollte, hatte bei der Veranstaltung am Wochenende die Möglichkeit, mit den Tätowierern ins Gespräch zu kommen und sich ein Bild von den verschiedenen Stilen zu machen. Denn jeder hat seine Vorlieben und „Spezialitäten“, wie zum Beispiel fotorealistische Portraits, traditionelle hawaiianische Zeichen, Airbrush-Techniken oder großflächige Bildkompositionen. Je nach persönlicher Sympathie und Stilrichtung wählen Kunden oft „ihren“ Tätowierer aus. Schließlich hat die bleibende Körperkunst viel mit Vertrauen zu tun.

Eine ganz besondere Art, seine Bilder auf die Haut zu bringen, hat der junge Engländer Charlie Mills entwickelt, der vor drei Jahren mit seiner professionellen Arbeit begann. Allerdings aus der Not heraus. Der heute 25-Jährige aus Gloucestershire verlor vor fünf Jahren bei einem Motorradunfall seine linke Hand.

„Ich habe viel Zeit im Krankenhaus verbracht und begann dort zu zeichnen“, erinnert sich Mills, der zum ersten Mal bei der Messe in Münster dabei war. Irgendwann habe er dann beschlossen, Tätowierer zu werden, doch ihm wurde gesagt, das sei mit einem Arm unmöglich. „Man braucht die zweite Hand unter anderem zum Straffziehen der Haut“, erklärt Mills. Doch der junge Mann wollte das nicht hinnehmen und entwickelte seine eigene Technik.

Mithilfe seiner Prothese und zweckentfremdetem „Kinesio-Tape“ gelang es ihm, die Lizenz zum professionellen Tätowierer zu erhalten und sein eigenes Studio zu eröffnen. Inzwischen hat er sich auf klassische Motive wie Rosen, Schwerter oder Totenschädel in kräftigen Farben spezialisiert, die ein wachsender Kundenstamm zu schätzen wisse, sagt der junge Brite. „Das Tätowieren hat mein Leben gerettet“, sagt er.

Längst sei das Tragen von Tattoos kein temporäres Phänomen mehr, betont Veranstalter Tomy Köck, sondern Teil der Körperkultur geworden. Trotzdem rät der erfahrene Profi gerade jungen Leuten, sich nicht gleich großflächig zu tätowieren. „Ich würde klein anfangen und die Bilder nach und nach erweitern. Tätowierungen sind Teil der Persönlichkeit und sollten immer mit besonderen Erinnerungen verbunden sein.“

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