MDie Gebrüder Amelunxen waren die führenden Lieferanten in Preußen
Wolbecker Druckerschwärze

Münster-Wolbeck -

„Die einzige Industrie, welche Wolbeck je besessen hat, wurde in den 1850er Jahren durch die Gebrüder von Amelunxen in Errichtung einer Fabrik für Buchdruckerschwärze etabliert“, schreibt Ferdinand Zumbusch in seinem Buch zur Geschichte Wolbecks. Was liegt näher, als eine Straße in einem Wolbecker Gewerbegebiet nach den Gebrüdern zu benennen?

Dienstag, 22.08.2017, 19:08 Uhr

Ferdinand Zumbusch hatte um das Jahr 1900 Zeichnungen bekannter Plätze in Wolbeck angefertigt. Darunter auch von der Buchdruckerschwärze-Fabrik auf einem Grundstück östlich der Telgter Straße. Gegründet wurde der Industriebetrieb von Alwin und Clemens von Amelunxen – nach ihnen wurde in Wolbeck eine Straße benannt.
Ferdinand Zumbusch hatte um das Jahr 1900 Zeichnungen bekannter Plätze in Wolbeck angefertigt. Darunter auch von der Buchdruckerschwärze-Fabrik auf einem Grundstück östlich der Telgter Straße. Gegründet wurde der Industriebetrieb von Alwin und Clemens von Amelunxen – nach ihnen wurde in Wolbeck eine Straße benannt. Foto: Heimatverein

So ist es dann auch 2006 geschehen. Die Straße gegenüber der Wolbecker Windmühle an der Münsterstraße ist heute allerdings zuvorderst dafür bekannt, dass die Angestellten im Gewerbegebiet dort ihre Autos abstellen. Die Autokolonnen sind für Wolbecker Verhältnisse erstaunlich. Doch gerade Pendler von außerhalb dürften beim Namen „Amelunxen“ an jemand anderes denken, als an die Wolbecker Gebrüder. Weit verbreitet ist der Glaube, die Straße sei nach Rudolf Amelunxen benannt, dem ersten Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen. Von 1926 bis 1932 war er Regierungspräsident in Münster. Diese falsche Zuordnung steht sogar so in einem Online-Stadtlexikon. Heimatforscher wissen es besser – und können sogar auf einen zweiten berühmten Wolbecker mit Namen Amelunxen verweisen.

Mit Einführung der preußischen Landgemeindeordnung vom 1. Oktober 1844 wurde der bisherige Bürgermeister zum Amtmann und Gemeindevorsteher des Amtes Wolbeck. „Der Amtmann August von Amelunxen, geschmückt mit dem rothen Adlerorden IV. Classe, hat 29 Jahre lang ununterbrochen segensreich in Wolbeck gewirkt“, schreibt Zumbusch in seiner Ortschronik.

Die Wolbecker Alwin und Clemens von Amelunxen waren die Söhne des Bürgermeisters und legten wohl um 1840 den Grundstein für ihr Druckerschwärze-Imperium. Im Verlauf der nächsten 20 Jahre mauserte sich das Unternehmen zum führenden Lieferanten für Druckerschwärze in Preußen und hatte eine marktbestimmende Stellung.

Doch so gut lief es nicht lange. „Die Gebrüder Amelunxen fallirten schon nach wenigen Jahren. Das Unternehmen ging dann in Concurs. Die Gebäude wurden abgebrochen“, heißt es knapp bei Zumbusch. Das Königliche Kreisgericht in Münster eröffnete am 11. November 1857 das Konkursverfahren gegen den Fabrikanten. In der Tageszeitung hieß es damals: „Zum einstweiligen Verwalter wird der Handlungsgehilfe Heinrich Rodberg jr. aus Wolbeck bestellt“.

Trösten kann man sich damit, dass in Wolbeck bis heute alte Buchdruckertraditionen hoch gehalten werden. Eine Druckerei im Wolbecker Gewerbegebiet tauft seine Lehrling nach bestandener Abschlussprüfung in einer Bütte unter – den Brauch des Gautschens gibt es seit dem 16. Jahrhundert. 

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