Prinzbrücke
Die nächste Rolle rückwärts

Münster-Hiltrup -

Wer die Debatte zuspitzen will, der stellt Fragen wie diese: Was ist wichtiger, die Verkehrssicherheit für die Schüler und die Radfahrer, die sich die Prinzbrücke mit dicken Brummis teilen müssen, oder der Erhalt eines kleines Wäldchens?

Samstag, 13.10.2018, 14:30 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 14:30 Uhr
Der schwierige Begegnungsverkehr auf der Brücke zwischen Radfahrern und Lastwagen gilt als ein Argument für die Planungsvariante mit dem Auffahrtsohr. Dafür jedoch müssten Bäume weichen.
Der schwierige Begegnungsverkehr auf der Brücke zwischen Radfahrern und Lastwagen gilt als ein Argument für die Planungsvariante mit dem Auffahrtsohr. Dafür jedoch müssten Bäume weichen. Foto: jans

Oder: Wiegt der Erhalt des Wäldchen zwischen Bahnlinie und Kanal schwerer als möglicherweise die Entwicklung eines ganzen Stadtteils? Denn Hiltrup-Ost, so gibt Hermann Geu­sendam-Wode zu bedenken, werde auf 10 000 Bewohner anwachsen, wenn alle Baugebiete, die aktuell in der Planung sind, realisiert werden.

Der SPD-Fraktionschef in der Bezirksvertretung gibt sich überzeugt: „Die neuerliche Brückendiskussion ist unverantwortlich. Es ist zu kurzsichtig, nur auf die Gegenwart zu schauen.“

Das ist auch eine Spitze gegen die Grünen, die sich für das Wäldchen stark machen. 2016, noch bevor die schwarz-grüne Rathauskoalition geschmiedet war, hatten CDU und SPD ein kleines Zeitfenster genutzt und die Planungsvariante mit dem Auffahrtsohr zum Osttor – erneut – zum Favoriten erklärt. Folgt nun, weil es keine Ausgleichsflächen gibt, wieder die Rolle rückwärts in dem endlosen Entscheidungsprozess? Für die CDU erklärte Ratsherr Stefan Leschniok, die Stadt Münster werde sich weiter für die Lösung mit dem Auffahrtsohr stark machen.

Wird damit der nächste Koalitionsknatsch heraufbeschworen? „Wir wollen nach wie vor den Wald erhalten und streben die ökologische Variante des Baus an“, erklärt Grünen-Ratsmitglied Carsten Peters im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Behauptung, dass der Straßenbau mit Auffahrtsohr verkehrssicherer sei, muss zurückgewiesen werden. Festzuhalten ist zudem: Ohne Ausgleichsfläche ist die Planung rechtswidrig.“

Längst werden aus den Reihen von CDU und SPD die Appelle laut, die Stadt Münster solle dem Wasser- und Schifffahrtsamt bei der Suche nach Ausgleichsflächen behilflich sein. Das Amt in Rheine schweigt dazu. Noch. Denn dem Amt kommt die neu entflammte Debatte zwei, drei Tage zu früh. In der kommenden Woche will das WSA der Stadt Münster eine offizielle Stellungnahme zukommen lassen. Im Vorfeld will sich die Amtsleitung nicht öffentlich äußern. Das „ohnehin angespannte Verhältnis“ zur Stadt Münster wolle man „nicht weiter belasten“.

Daten und Fakten zur Prinzbrücke:

► Seit 2005 wird über den Abriss der Prinzbrücke diskutiert. Das Brückenbauwerk stammt aus dem Jahr 1907 und war ursprünglich in Duisburg im Einsatz.

► Neue Brücken müssen eine Höhe von mindestens 5,25 Meter aufweisen. An der Prinzbrücke gibt es aktuell eine Durchfahrtshöhe von 4,50 Meter.

► Die Brücke ist 60 Meter lang, aber nur 6,50 Meter breit. Es bleibt wenig Platz für Radfahrer.

► Seit 2012 wird über die Variante mit einer eigenen Auffahrt zum Osttor diskutiert und von der BV Hiltrup favorisiert. Eine Trennung von Lkw-und Radverkehr wäre möglich.

► Der Rat fegt den Vorschlag am 10. September 2014 vom Tisch. Im Vordergrund steht der Schutz des Wäldchens. Am 17. Februar 2016 widerruft der Rat seinen Beschluss und macht sich für die Variante mit dem Auffahrtsohr stark.

► Die Entscheidung fällt im Planfeststellungsverfahren. Herr des Verfahrens ist die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Außenstelle West, in Münster.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6118061?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F138%2F
Beim Nachbarn abgegeben - Jura-Klausuren sind wieder da
Prüfungs-Panne: Beim Nachbarn abgegeben - Jura-Klausuren sind wieder da
Nachrichten-Ticker