Von Artenreichtum überrascht
Nicht nur für Spechte ideales Biotop

Münster-Hiltrup -

Grüne hatten zu einer Waldführung, geleitet von Udo Wellerdieck von der Nabu, in das kleine Wäldchen am Kanal eingeladen.

Mittwoch, 31.10.2018, 17:52 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 29.10.2018, 07:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 31.10.2018, 17:52 Uhr
An vielen Beispielen, so auch am Totholz mit seinen vielen Larven, zeigte Udo Wellerdieck von der Nabu auf den Artenreichtum des kleines Wäldchens hin.
An vielen Beispielen, so auch am Totholz mit seinen vielen Larven, zeigte Udo Wellerdieck von der Nabu auf den Artenreichtum des kleines Wäldchens hin. Foto: hk

Am Samstag feierten die Grünen, die zu einer Waldführung im kleinen Wäldchen am Kanal eingeladen hatten, vor Ort einen Teilsieg. Denn obwohl das Wasserschiffahrtsamt die bevorzugte Eins zu Eins-Lösungt statt eines Auffahrtsohres zur Osttorbrücke nun die Prinzbrücke durch eine neue zu ersetzen, noch nicht endgültig verabschiedet ist, stehen die Chancen dank des Engagements der Bürgerinitiative für den Erhalt des Wäldchens zwischen Dortmund-Ems-Kanal und Nobelstraße nicht schlecht. Man wird sich bis zur Erörterung des Feststellungsverfahrens im Frühjahr 2019 gedulden müssen, bis ein endgültiges grünes Licht für das Wäldchen am Kanal gegeben sein wird.

Nun hatten sich etwa 20 Teilnehmer der Führung von Udo Wellerdieck angeschlossen, um sich ein Bild über der Artenreichtum dieses kleinen Biotops zu machen.

Wie artenreich das 8000 Quadratmeter große Wäldchen ist, mag überraschen. Weitgehend ungestört entwickelt sich hier ein so genannter Eichen-Hainbuchen-Wald. Typisch für das feuchte Münsterland und insbesondere für die Davert und die Hohe Ward. Einige Eichen haben die 100 Jahre überschritten, sind somit jenseits der forstlichen Nutzung. Dazu gesellen sich Silberweide, Erle und Ahorn. Im nördlichen, etwas höheren Teil des Geländes steht eine mehr als 130 Jahre alte Rotbuche, deren Umfang nicht mit nur einer Person umfasst werden kann.

„In diesem Jahr haben wir drei Spechtpärchen gesehen“, zeigte der Mitinitiator von „Rettet des Wald“, Martin Kleinekampmann, auf einen der fünf „Habitatbäume“. Die mit einem „SP“ gekennzeichneten Stämme weisen auf die Nisthöhlen hin. Der Schwarzspecht baut gern in der Rotbuche. Er gehört wie der Buntspecht auch zu den so genannten Schlüsselarten. Ihm folgen Meisen, Waldkäuze oder Fledermäuse und besetzen die alten Nisthöhlen. Selbst Stadtförster Hans-Ulrich Menke sei von dem Artenreichtum des Wäldchens begeistert.

Wellerdieck zeigt auf das Totholz, auf dem sich viele Larvenarten, allen voran die Bockkäferlarve, niedergelassen haben. Sie sind die Ersten, die sich an das Totholz machen. Als Larve können sie bis zu drei bis vier Jahre leben, um dann als Adulte nur einige Wochen für die Fortpflanzung zu sorgen. Für die Spechte und andere Vogelarten ein ideales Biotop. Sie entnehmen nur so viel, wie sie brauchen und tragen damit zum Erhalt des biologischen Gleichgewichts bei. Der Larve gehöre das eigentliche Leben, der Käfer sei nur die Blüte. Gemeinsam mit dem Totholz bieten sie eine riesige Lebensgemeinschaft. „Der Artenreichtum ist der größte Schatz, den wir haben“, sagte Wellerdieck, während der Eichelhäher krächzend hinweg fliegt, während das Rotkehlchen eher die leisen Töne anschlägt.

Ob die Idylle bleibt, wissen die Anwohner des Wäldchens spätestens im kommenden Frühjahr. „Bis dahin gibt es noch viel Arbeit“, ist sich Martin Kleinekampmann sicher..

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