Anton Tschechows Briefe im Hiltruper Kulturbahnhof
„Mein liebstes Krokodil“ – Einblick ins Seelenleben

Münster-Hiltrup -

Das Theaterlabor will im Kulturbahnhof zukünftig mehr bewegen als bisher. „Wir haben uns nie um die Autoren gekümmert“, erklärte Dr. Enrico Otto, Leiter des Theaterlabors im Zuge seiner Lesung über den russischen Schriftsteller Anton Tschechow. Diese erste Lesung aus der Briefsammlung „Mein liebstes Krokodil“ sah Enrico Otto als Auftakt zu einer neuen Veranstaltungsreihe, die im nächsten Jahr Autoren und Themen aufarbeiten soll, um den Theaterbesuchern den Kontext zu erklären und die Strahlkraft der einzelnen Dramaturgen auf die Nachwelt besser verständlich zu machen.

Sonntag, 25.11.2018, 00:00 Uhr aktualisiert: 26.11.2018, 17:48 Uhr
Dr. Enrico Otto und Naemi Priegel liehen am Freitagabend ihre Stimmen Anton Tschechow und seiner Ehefrau Olga Knipper. Bei der Lesung aus der Briefsammlung des Ehepaars erlebten die Zuhörer das emotionale Auf- und Ab der Fernbeziehung des lungenkranken Schriftstellers und der in Moskau weilenden Schauspielerin und ihre dramatische Romanze, die in einer kurzen Ehe gipfelte.
Dr. Enrico Otto und Naemi Priegel liehen am Freitagabend ihre Stimmen Anton Tschechow und seiner Ehefrau Olga Knipper. Bei der Lesung aus der Briefsammlung des Ehepaars erlebten die Zuhörer das emotionale Auf- und Ab der Fernbeziehung des lungenkranken Schriftstellers und der in Moskau weilenden Schauspielerin und ihre dramatische Romanze, die in einer kurzen Ehe gipfelte. Foto: Gross

Nach einem methodischen und biografischen Exkurs in das zeitgenössische Umfeld des Theaterreformers und Autors unzähliger Werke, stellte Dr. Otto auch das „Moskauer Künstlertheater“ (MChAT) vor. „Wenn Sie mal in Moskau sind, schauen Sie sich das Theater an. Die Inszenierungen sind dort seit den Premieren unverändert geblieben“, wandte er sich an die Zuhörer.

Tschechows Beziehung zu der Schauspielerin Olga Knipper, festgehalten im gegenseitigen Briefwechsel zwischen 1898 und 1904, wurde im zweiten Teil der Lesung von Enrico Otto gemeinsam mit der Schauspielerin Naemi Priegel dem Publikum präsentiert. Beim Vorlesen der Briefsammlung, die von Thomas Hürlimann unter dem Titel „Mein liebstes Krokodil“ zusammengetragen wurde, ging es um Atmosphäre. Zwischen den Klängen von Rimski-Korsakows „Sheherazade“, erweckten die beiden Vortragenden im Dialog die Tragödie der Fernbeziehung zwischen dem kranken Tschechow und der lebenslustigen Olga, die nicht ohne ihre Schauspielkarriere sein konnte, erneut zum Leben.

Vielen ist der Namen Tschechow heute nur noch in Verbindung mit einigen Theaterstücken, wie etwa „Drei Schwestern“ geläufig. Seine feine Beobachtungsgabe und die kritische Auseinandersetzung mit sozialen Normen und politischen Verhältnissen seiner Zeit kennen dagegen viele westliche Theaterbesucher gar nicht. Der Vortrag der Briefe knüpfte genau an dieser Stelle an, um auch den Menschen hinter dem großen Namen der Weltliteratur zu zeigen.

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