Kunstvolle Holzsärge aus Afrika
Das Himmelreich liegt in Kassel

Münster-Hiltrup -

Es gibt Adler, Löwen, Schmetterlinge, Hähne, ein Verkehrsflugzeug, eine Kirche, einen Nike-Sportschuh und eine gelbe Kakao-Bohne. In Europa wurden diese „Holzkisten“ in erster Linie als Kunst angesehen. Tatsächlich sind es Särge.

Donnerstag, 13.12.2018, 10:04 Uhr aktualisiert: 13.12.2018, 17:12 Uhr
Galerist Eberhard Schnake mit dem golden Adler.
Galerist Eberhard Schnake mit dem golden Adler. Foto: Grottendieck

Andere Länder, andere Sitten, so heißt es bekanntlich. Das gilt längst für die Begräbniskulturen, die auch in Deutschland nicht mehr so streng normiert sind wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Eine weltweit wohl einzigartige Form, die Individualität eines Verstorbenen zu würdigen, stammt aus Ghana. In dem afrikanischen Staat können sich Menschen in so genannten Fantasiesärgen bestatten lassen.

Die Fantasie kennt in der Begräbniskultur, die vor mehr als 60 Jahren in Teshi, einem Fischerdorf an der Küste Ghanas ihren Ursprung genommen hat, keine Grenzen. Findige Tischlermeister sorgen dafür, dass die Verstorbenen ihre himmlische Reise auf ganz besondere Art und Weise beginnen können. Einige wollen über das Land reisen, andere durch die Lüfte und wieder andere übers Meer.

Es entstanden Holzsärge, deren Verwendungszweck auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist, aber Hinweise auf das Leben und den sozialen Status der Verstorbenen geben. Es gibt Adler, Schmetterlinge, Hähne, ein Verkehrsflugzeug, eine Kirche, einen Nike-Sportschuh und eine gelbe Kakao-Bohne. In Europa wurden diese „Holzkisten“ in erster Linie als Kunst angesehen.

Vor gut 13 Jahren hatte der Hiltruper Galerist Eberhard Schnake von einer Niederländerin eine Sammlung von 28 Fantasiesärgen erworben. Den Besuchern in seiner Kunsthalle an der Max-Winkelmann-Straße hat der Kunsthändler, der europaweit zu den ersten Adressen für Steinskulpturen aus Zimbabwe zählt, die Särge stets vorenthalten. „Sie waren in Hiltrup nie zu sehen“, bekennt Schnake. Mehrfach habe er sie auf Reisen geschickt, etwa nach Wien oder nach Hannover. Einzelexemplare wurden gerne von Bestattungsinstituten nachgefragt. Die gesamte Sammlung jedoch zu präsentieren, wäre enorm aufwendig geworden. Am Mittwoch wurde genau dieser Aufwand betrieben. Zwei Sattelschlepper fuhren vor, die komplette Sammlung wurde verladen. Hermann Krause aus Köln hatte sie übernommen. Sie geht nun als Stiftung an das Museum für Se­pu­kral­kul­tur in Kassel. Das Museum stellt die Themen Sterben, Tod und Totengedenken in den Mittelpunkt.

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