Live-Hörspiel im Kulturbahnhof
Dramatischer als ein Trickfilm

Münster-Hiltrup -

Christoph Tiemann und vier Sprechern des Theaters „ex libris“ ließen die Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens im Kulturbahnhof greifbar werden.

Sonntag, 16.12.2018, 17:25 Uhr aktualisiert: 17.12.2018, 18:08 Uhr
Ebenizer Scrooge (gesprochen von Christoph Tiemann, Mitte) kann den Blick nicht lassen vom Geist seines toten Kompagnons. Weiter lasen: Urs von Wulfen (v.l.), Sarah Giese, Alexander Rolfes und Markus von Hagen.
Ebenizer Scrooge (gesprochen von Christoph Tiemann, Mitte) kann den Blick nicht lassen vom Geist seines toten Kompagnons. Weiter lasen: Urs von Wulfen (v.l.), Sarah Giese, Alexander Rolfes und Markus von Hagen. Foto: anh

Einige der Gäste des Kulturbahnhofs kannten sie noch nicht, die Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens . Die gab es am Freitagabend als Hörspiel, inszeniert von Christoph Tiemann und vier Sprechern des Theaters „ex libris“.

Die Spracher sind stark gefordert: Urs von Wulfen leiht seine Bass-Stimme mal Mr. Fezziwig und mal einem Knaben. Sarah Giese gibt den „Geist der vergangenen Weihnacht“ und die liebe Schwester des Scrooge. Christoph Tiemann changiert zwischen einem grimmigen Ebenizer Scrooge (der Hauptfigur) und dem schwächlichen, lieben, kranken Tiny Tim. Alexander Rolfes beeindruckt als Familienvater Bob Cratchit – und vor allem als Geist des verstorbenen Marley. Zu guter Letzt gibt Markus von Hagen sowohl den „Geist der gegenwärtigen Weihnacht“ als auch einen Geschäftsmann.

Sie alle lassen ihre Gestalten greifbar werden, ihr Empfinden. Besonders die Reise Scrooges in seine Kindheit, Jugend und eine mögliche Zukunft wirkt auf diese Weise sehr lebendig. Am E-Piano untermalt Philipp Ritter das dramatische Geschehen. Wäre das Stück in bewegten Bildern noch eindrücklicher als hier in Stimmen und Hintergrund-Bildern? Wer etwa den Disney-Trickfilm von 2009 gesehen hat, wird eher sagen: Nein. Bei Tiemann und Co. beflügelt das Wort Fantasie und Gefühle, wo dieser Film es tricktechniktrunken gruseln lassen will.

Seit zwei Jahren bietet Tiemann das Werk mit dem Ex Libris-Team an, reist von Friesoythe und anderen Orten im Norden bis Duisburg. Häufig würden sie in den Pausen oder nach dem Ende von Gästen angesprochen, erzählt Urs von Wulfen, die Menschen seien sehr angerührt. Er betrachtet das Stück aus dem Jahre 1843 mit modernen Augen. Dass Scrooge dem kümmerlich bezahlten Angestellten für den einen freien Tag den Lohn kürzen will, erinnert ihn an verweigertes Weihnachtsgeld, und die geizige Missgunst an das Verhältnis von Nord und Süd im Weltmaßstab.

Viel Applaus ernten Tiemann und seine Mitstreiter. Applaus galt auch den Ehrenamtlichen des Kulturbahnhofs. Bei denen hatte Tiemann schon zu Beginn Eindruck gemacht: Der Künstler stellte sich an die Tür, um die Gäste persönlich zu begrüßen.

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