Entstehung des Kulturbahnhofs
„Es war zwei Minuten vor Zwölf“

Münster-Hiltrup -

Heute ist der Kulturbahnhof Hiltrup eine Erfolgsgeschichte. Beinahe wäre es für das Gebäude zu spät gewesen: Nicht „fünf vor Zwölf“, sondern „zwei vor Zwölf“.

Dienstag, 15.01.2019, 11:58 Uhr aktualisiert: 15.01.2019, 13:00 Uhr
Die Bahnhofs-Uhr zeigt zwei vor Zwölf: Dr. Horst Born vor der Künstler-Uhr, die ihm Paul Bönninghausen für seine erworbenen Verdienste um den Kulturbahnhof geschenkt hat.
Die Bahnhofs-Uhr zeigt zwei vor Zwölf: Dr. Horst Born vor der Künstler-Uhr, die ihm Paul Bönninghausen für seine erworbenen Verdienste um den Kulturbahnhof geschenkt hat. Foto: gro

Sagt jemand, es sei „fünf vor zwölf“, dann will er damit etwas ausdrücken. Denn es ist höchste Zeit, dass man etwas tut, weil es ansonsten zu spät sein wird. Beinahe wäre auch für den Hiltruper Bahnhof, der heute als Kulturtreffpunkt in Münster glänzt, alles zu spät gewesen.

Es war es nicht „fünf vor Zwölf“, weiß Paul Bönninghausen. „Es war damals zwei Minuten vor Zwölf“. Das ist noch gar nicht so lange her. Noch vor acht Jahren war der Bahnhof ein Bild des Jammers. Heruntergekommen und marode, so dass manch einer nur noch eine Lösung sah – nämlich den Abriss.

„Es war kurz davor“ steht unter der neuen Bahnhofsuhr, deren Zeiger auf „zwei vor Zwölf stehen“. Sie ist seit Sonntag im Kulturbahnhof zu sehen, Paul Bönninghausen hat sie geschaffen und dort aus einem konkreten Grund aufgehängt. Sie ist ein Dankeschön an Horst Born , weil er sich von der Idee, einen Kulturbahnhof zu errichten, nicht abbringen ließ.

Jahrelang hatten die größten Bremser auf der Seite der Eigentümer gesessen. Als sich die Stadt 2011 nach langem Zögern von der Immobilie trennte, war es das Beste, was dem Gebäude passieren konnte. Doch mit der Privatisierung allein war die Rettung noch nicht geschafft. Der neue Eigentümer sicherte zwar zügig den Bestand des Gebäudes. Aber keiner wollte das Gebäude mieten. Sogar mehr als ein Jahr nach dem Eigentümerwechsel war kein Mieter in Sicht. Eine Idee musste her.

Dass Kulturveranstaltungen in Hiltrup funktionieren können, hatten unter anderen Horst Born und Paul Bönninghausen in der legendären Kulturinitiative bewiesen. Aber einen Kulturbahnhof betreiben? „Wenn man das richtig macht, kann es klappen“, hörte Bönninghausen damals Horst Born sagen.

„Für ihn habe ich diese Ausstellung gemacht“, erklärte der 85-jährige Künstler gegenüber unserer Zeitung. Eine Ausstellung als Dankeschön für einen, den sie seit dem August 2014, als neues Leben in die Räumlichkeiten einzog, gerne den Bahnhofsvorsteher nannten. Mittlerweile ist Horst Born nicht mehr in erster Reihe aktiv. „Sein Kind“ ist der Bahnhof weiterhin. Daran erinnert die Bahnhofsuhr. „Zwei Minuten vor Zwölf“ zeigt sie an.

„Es war kurz davor ...“, wie unter der Uhr der steht.

Aber es war noch nicht zu spät.

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