Lesung zu den 1960er Jahren
Ein Jahrzehnt in kräftigen Farben

Münster-Hiltrup -

Rappelvoll war das Heimatmuseum Hiltrup am Freitagabend – geboten wurden Texte und Musik zu den 1960er Jahren in Deutschland.

Sonntag, 12.05.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 16:29 Uhr
Ließen die 1960er Jahre aufleben (v.l.): Günter Rohkämper-Hegel, Monika Nessau, Monika Leuer-Rose, Anne Sandfort, Gunthild Klare, Henning Klare, Gabriele Alsen und Heide Kraft.
Ließen die 1960er Jahre aufleben (v.l.): Günter Rohkämper-Hegel, Monika Nessau, Monika Leuer-Rose, Anne Sandfort, Gunthild Klare, Henning Klare, Gabriele Alsen und Heide Kraft. Foto: Hasenkamp

Musik beschwingt, ob nun mit oder ohne Gesang – das bewies ausgerechnet eine Veranstaltung des Vorleseclubs Hiltrup. Rappelvoll war das Heimatmuseum Hiltrup am Freitagabend; bei der Begrüßung sagte Hans Muschinski vom Heimatverein, nun müsse man wohl entweder erneut anbauen oder Platzkarten vergeben.

So gerade eben fanden alle Besucher einen Platz zwischen den Exponaten der Ausstellung „Die 1960er Jahre“ – vor einer Küchenzeile, einem edel in Holz gefassten Röhrenfernseher und einer Tapete, die leicht psychedelisch anmutet.

Noch mit kräftigerer Farbe als diese sicht- und fassbaren Gegenstände malten aber viele der Texte das Leben in den Sechzigern aus. In dem Text „Die Küche“ malt der Autor Jürgen Hübschen das Familienleben in „Reich unserer Mütter“ aus zu einer Zeit als die „berufstätige Frau noch nicht erfunden war“, das Wohnzimmer nur sonntags beheizt wurde, Kinder kein eigenes Zimmer hatten, eine alte Decke des Reichsarbeitsdienstes mannigfache Dienste zu leisten hatte.

Auch der Spül-Lappen hatte gut zu tun: „und der Lappen, der roch“ – da windet sich das Publikum, man beziehungsweise frau erinnert sich mit allen Sinnen. Eine neue Welt des Konsums für fast alle, vom trauten Heim aus, eröffnet der Quelle-Katalog, dessen Nutzung Ulla Hahn in „Aufbruch“ beschreibt. Er bringt auch englische Wörter ins regionaldialektisch geprägte Gespräch. Und Frauen kommen auf Gedanken, berufstätig zu werden, zum Beispiel, wie es Ulrich Woelk im konfliktgeladenen Gespräch mit dem Gemahl beschreibt – ein Text, der allerdings freilich klischeehaft konstruiert wirken kann in seiner Vorhersehbarkeit.

Mehr als nur der Lappen wird im Verlauf des Abends aufgespießt: Saturiertheit, Selbstzufriedenheit, Anonymität – das leisten Autoren wie Franz-Josef Degenhardt und Peter Bichsel, im Blick aufs nicht für jeden ferne Vietnam Fritz Teufel und Rainer Langhans im „Dialog mit Staatsanwalt und Richter“.

Es lasen Henning Klare, Monika Nessau, Heide Kraft, besonders expressiv Monika Leuer-Rose als auch singende Milva, Günter Rohkämper-Hegel, Gabriele Alsen, Gunthild Klare und Anne Sandfort.

Für Musik in der Pause sorgten wieder einmal die Billerbecker Martin Adolf, Gitarre, und Jochen Schwenken. Musikalisch vollendete Romanze zum teils bissigen Programm über die 1960er, von Sandmännchen bis Teufel, lieferten die Sängerin Almuth und Gitarrist Udo Herbst: mit „True Love“ und „Moon River“. Ein Abend mit reichlich Applaus für gekonntes Vorlesen und ein gebührend vielfältiges Programm über die 1960er Jahre.

Die Ausstellung im Hiltruper Museum läuft bis in den April 2020. Das Museum jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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