Umfassende Sanierung – zwei Ausweichquartiere eingerichtet
Kita St. Martin: Augenmaß statt Abrissbagger

Münster-Hiltrup -

Das Dach, die Innenräume, alle Toiletten und das Außengelände: Die Kita St. Martin wird aufwendig saniert. Sogar der Abriss und Neubau stand zur Diskussion. Doch am Ende wollten alle Beteiligten lieber den Charme des Gebäudes retten.

Mittwoch, 17.07.2019, 18:46 Uhr aktualisiert: 17.07.2019, 19:01 Uhr
Die Kita St. Martin wird rundum saniert. Eine Herausforderung ist das große Kita-Flachdach – Architekt Markus Vieth (l.) und Reinhard Mangels vom Kirchenvorstand (r.) begutachten den Baufortschritt.
Die Kita St. Martin wird rundum saniert. Eine Herausforderung ist das große Kita-Flachdach – Architekt Markus Vieth (l.) und Reinhard Mangels vom Kirchenvorstand (r.) begutachten den Baufortschritt. Foto: mlü

Vier Zentimeter. So dick ist die Wärmedämmung auf dem Dach der Kita St. Martin an der Amelsbürener Straße. Ein Witz im Vergleich zum modernen Energiestandard – doch in den 1970er Jahren war Energie eben sehr billig und Klimaschutz kein Thema. Das Gebäude hat andere Qualitäten. Und die sollen im Gegensatz zur schlechten Dämmung erhalten bleiben.

„Wir haben tatsächlich lange überlegt, ob wir nicht einfach den Abrissbagger kommen lassen“, gibt Reinhard Mangels vom Kirchenvorstand der Gemeinde St. Clemens unumwunden zu. Doch sowohl Laien als auch Experten schwärmen von der liebevollen Architektur des Gebäudes. Eine Fürsprecherin war die Leiterin der Kita St. Martin. „Moderne Gebäude sind schön hell, doch unser Backstein strahlt eine gewisse Ruhe und gemütliche Atmosphäre aus“, schwärmt Katja Bruns . Man fühle sich direkt daheim.

Auch Profis loben das Kita-Kleinod. Der mit der Sanierung beauftragte Architekt, Markus Vieth , stellt das innovative Raumkonzept heraus. Ein Hingucker sind die besonderen Oberlichter, so genannte Schmetterlingsdächer. Das Gebäude sei auch aus heutiger Sicht noch schön, empfindet Vieth. Einziger Wermutstropfen ist vielleicht, dass das ursprüngliche Atrium bereits vor einigen Jahren überdacht wurde, um eine zusätzliche Kita-Gruppe unterzubringen.

Halbzeit auf der Baustelle.

Halbzeit auf der Baustelle. Foto: mlü

Augenmaß statt Abrissbagger: 795 000 Euro werden investiert. Den Löwenanteil zahlt die Kirchengemeinde St. Clemens als Träger der Einrichtung. Fördermittel gibt es vom Land. Saniert werden auch der Innenbereich, die Toiletten und die Außenanlagen.

Bereits seit 2016 will die Kirchengemeinde die Einrichtung sanieren lassen, doch auf dem Bausektor jagte eine Kostenexplosion die nächste. Weil aber nicht nur das Investitionsvolumen, sondern auch die Löcher in der Decke immer größer wurden, wurde es jetzt Zeit, loszulegen. Zuletzt stand immer ein Eimer in der Sporthalle, um die Wassertropfen aufzufangen. Die Kinder fanden es spannend, die Eltern und Kita-Mitarbeiter nicht so sehr.

Für die 75 Kita-Kinder stehen Ausweichquartiere in Hiltrup und Amelsbüren bereit.

Für die 75 Kita-Kinder stehen Ausweichquartiere in Hiltrup und Amelsbüren bereit. Foto: mlü

Wer an der Kita vorbeifährt, bekommt derzeit vielleicht noch einen Schrecken: Das Dach sieht aus wie nach einem Hurrikan. 800 Quadratmeter Flachdach werden erneuert, die Schmetterlingsdächer saniert. In den vergangenen 50 Jahren sind unzählige Dachpappen übereinander geklebt worden. Das Flickwerk überhaupt erst einmal herunterzunehmen, ist Schwerstarbeit.

Jedoch: Mittlerweile hat die Baustelle ihren Scheitelpunkt erreicht – das heißt: Ab jetzt wird nicht mehr nur herausgerissen, sondern wieder neu aufgebaut. „Ab jetzt wird es jeden Tag schöner“, verspricht Vieth. „Am 27. August muss alles fertig sein“, dann geht das neue Kita-Jahr los.

Derweil haben sich die 75 Kita-Kinder in zwei Ausweichquartieren gut eingelebt. Etwa 40 Kinder sind in Amelsbüren im alten Pfarrheim St. Sebastian untergebracht, darunter die U3-Kinder. Die restlichen rund 30 Kinder haben ein Quartier bei der Kita St. Clemens bezogen. Sie durften sich aussuchen, welche Spielsachen mitkommen sollen. „Das ist natürlich ein Glücksfall, dass in der Kirchengemeinde freie Räume zur Verfügung stehen“, so Katja Bruns.

In beiden Ausweichquartieren gibt es Fotowände: „Die Kinder wollen immer ganz genau wissen, welche Baufahrzeuge gerade im Einsatz sind.“

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