Bald 210 Mitarbeiter – Ärger mit Anwohnern
Covance baut den Standort aus

Münster-Hiltrup -

Das Forschungsunternehmen Covance am Kappenberger Damm baut ein weiteres Gebäude für Labore und die Versuchstierhaltung. Anwohner kritisieren, dass die Erschließung über eine schmale Privatstraße nicht ausreichend ist.

Dienstag, 20.08.2019, 07:00 Uhr
Über die Zufahrt zum Forschungsunternehmen Covance gibt es derzeit widersprüchliche Positionen. Die Stadt möchte den bisherigen Privatweg erwerben. Anwohner fordern eine andere Erschließung.
Über die Zufahrt zum Forschungsunternehmen Covance gibt es derzeit widersprüchliche Positionen. Die Stadt möchte den bisherigen Privatweg erwerben. Anwohner fordern eine andere Erschließung. Foto: mlü

Die Finanzkrise hatte dem Forschungsunternehmen Covance übel mitgespielt. Ein Drittel der Belegschaft musste bis 2012 gehen. Von diesem Schock hat sich das Unternehmen mit Sitz am Kappenberger Damm erholt – seit einigen Tagen laufen die Bauarbeiten für einen Erweiterungsbau.

Der U-förmige zweistöckige Neubau soll zur Hälfte für die Versuchstierhaltung und zur anderen Hälfte für neue Labore genutzt werden. Frühestens Ende 2020 soll das Gebäude bezugsfertig sein, dann will Covance rund 20 neue Mitarbeiter einstellen. Das Unternehmen testet für die Pharmaindustrie Substanzen für Medikamente, die dann vielleicht in zehn, zwölf Jahren in der Apotheke erhältlich sind.

Nicht alle sind glücklich über die Expansionspläne: Einige Anwohner beklagen eine massive Zunahme des Verkehrs. Denn das Firmengelände hat keinen direkten Zugang zum Kappenberger Damm, sondern ist nur über die private Anliegerstraße mit dem Namen „Kesselfeld“ angebunden.

„Schon jetzt ist die völlig unzureichende Erschließung dieses großes Betriebes über einen schmalen Feldweg für uns Nachbarn eine Zumutung“, ärgert sich Franz Barwe. „Nach unserem Ermessen ist ein Weiterbetrieb dieser Firma nur durch eine gesicherte Erschließung möglich.“ Er stellt die Baugenehmigung in Frage und hat Widerspruch bei der Bezirksregierung Münster eingelegt.

Dort heißt es, dass die Stadt Münster – genauer: die untere Bauaufsichtsbehörde – zuständig sei, weil es sich um eine „im Bezug auf den Gebäudebestand unwesentliche Erweiterung“ handle. Es gelte die alte Baugenehmigung. Aus Sicht der Stadt Münster und der Bezirksregierung gäbe es daran nichts zu beanstanden.

Allerdings plant die Stadt Münster die Straße zu kaufen – also in eine öffentliche Straße umzuwidmen. „Wir wollen die Straße ausbauen“, bestätigt Gerhard Rüller, der stellvertretende Leiter des Tiefbauamtes. Derzeit befände man sich in Grunderwerbsverhandlungen.

Tierarzt Jörg Luft gehört zur Geschäftsleitung von Covance am Standort Münster und kennt das Problem. „Die Straße ist sehr eng. Während der Bauarbeiten haben wir am Kappenberger Damm und auf unserem Firmengelände Einweiser aufgestellt, damit die Lastwagen sich nicht in die Quere kommen.“ Er gibt allerdings auch zu Bedenken: „Nach der Erweiterung werden wir rund 210 Mitarbeiter haben. Das ist weniger, als wir noch 2008 hatten.“ Als Reaktion auf die Beschwerden der Anwohner hat das Unternehmen ein so genanntes Dialog-Display aufstellen lassen. Es warnt Autofahrer vor zu hohen Geschwindigkeiten.

Wie wäre es mit einer separaten Zufahrt? „Auch dann stellt sich die Frage des Grunderwerbs“, gibt Rüller zu bedenken. Covance hingegen betont: „Wir würden eine eigene Zufahrt sehr begrüßen!“

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