Zehn Jahre nach dem Prinzbrücken-Fest
Heute dümpelt der Ort vor sich hin

Münster-Hiltrup -

Vor zehn Jahren erstrahlte die Prinzbrücke in einem zuvor nie gekannten Licht. Es wurde das erste und einzige Hiltruper Brückenfest gefeiert. Heute dümpelt der Ort vor sich hin. Ein Grund ist die Debatte über den Brückenneubau, die sich seit Jahren hinzieht.

Sonntag, 15.09.2019, 13:15 Uhr aktualisiert: 15.09.2019, 17:14 Uhr
Zum Brückenfest im September 2009 wurden unzählige ausrangierte Kronleuchter an die Prinzbrücke montiert. Die Besucher flanierten über die Brücke von einer auf die andere Seite und erlebten einen Sommernachtstraum,. Das fest blieb allerdings eine Eintagsfliege.
Zum Brückenfest im September 2009 wurden unzählige ausrangierte Kronleuchter an die Prinzbrücke montiert. Die Besucher flanierten über die Brücke von einer auf die andere Seite und erlebten einen Sommernachtstraum,. Das fest blieb allerdings eine Eintagsfliege. Foto: gro

Eine Idee entfaltete ihren Zauber: Wir machen in Hiltrup ein Fest auf der Brücke. Ein Fest, das selbst eine Brücke schlägt, weil es Menschen miteinander verbindet. Vor zehn Jahren feierte der Stadtteil das erste und bislang einzige Fest rund um die Prinzbrücke. Es blieb eine Eintagsfliege. Das Fest ist weitgehend in Vergessenheit geraten, weil es keine Neuauflage gab, sagt einer der Organisatoren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Irgendwie typisch Hiltrup. Das Fest wirkte etwas „handmade“, was an den vielen ausrangierten Kronleuchtern auf der Brücke sinnfällig wurde. Von der Illumination durch einen Künstler hatte man aus Kostengründen verzichtet. Dem Aufruf, Kronleuchtern zur Verfügung zu stellen, hatten die Hiltruper in großer Zahl Folge geleistet. Der Löschzug der Hiltruper Feuerwehr rückte mit seinem Leiterwagen aus und bewies unerwartete Handwerkerqualitäten beim Anbringen der Lampen.

Unerwartet ist ohnehin ein wichtiges Stichwort. Damals gab es eine kleine rege und vor allem innovative Kulturinitiative (der Vorläufer der heutigen Kulturbühne), die stets auf der Suche nach Ideen war, mit denen sie ihre Gäste überraschen konnte. Kunst und Kultur organisierte die Kulturinitiative mit Vorliebe an unerwarteten Orten. Von einem Kulturbahnhof konnte man damals nur träumen.

Die Prinzbrücke wurde zu einer gepflegten Party-Location für eine Nacht. Der Verkehr wurde ausgesperrt, die Brücke gehörte den Fußgängern. Rechts und links wurden Getränkestände platziert. Abends kamen der lauschige Weinstand und ein exquisites Büfett bei den Gästen bestens an. Bei angenehmen spätsommerlichen Temperaturen genossen mehrere tausend Besucher das Brückenfest. Integriert wurde das Lambertussingen, das am frühen Abend viele Kinder mit ihren Eltern und Großeltern angelockt hatte. Aus Hiltrup-Ost kamen die Leute ebenso wie aus der Mitte.

Die Kronleuchter auf der Brücke entfalteten mit zunehmender Dunkelheit ihre Wirkung. Das Fest wurde auf Anhieb ein durchschlagender Erfolg. Der Ruf nach einer Wiederholung kam noch am selben Abend auf.

Ob es an dem immensen Vorbereitungsaufwand lag, der ehrenamtlich gestemmt wurde, dass das Fest eine einmalige Veranstaltung blieb? Oder ist tatsächlich etwas dran an dem sich hartnäckig haltenden Gerücht, die Genehmigung durch die Wasser- und Schifffahrtsbehörde sei erst nach dem Fest eingetroffen?

Unstrittig ist, dass die zuständige Behörde wenig später umfangreiche Stabilisierungsmaßnahmen an dem Brückenbauwerk einleitete. Die Prinzbrücke erhielt noch im Jahr 2009 ihr heutiges Stahlkorsett. Verkehrsbeschränkungen wurden erlassen. Es hieß auch, dass die Schwingungen – wie sie nun mal auftreten, wenn sich viele Menschen gleichzeitig auf einer Brücke bewegen – sich gefährlich auf die Stabilität dieses Bauwerks auswirken.

Heute dümpelt der Ort weitgehend vor sich hin. Der Debatte um die Zukunft der Prinzbrücke sind viele Hiltruper überdrüssig. Überdies spaltet die Diskussion die Stadt(-teil)gesellschaft. Jogger, Hundebesitzer und Radfahrer sind zwar auf dem Leinpfad regelmäßig anzutreffen. Doch abgesehen von einem Restaurant mit einer vielfach gelobten Terrassenanlage gibt es wenig, was zum Verweilen einlädt. Die Prinzbrücke ist ein Durchgangsort.

An den Wochenenden im Sommer halten sich zwischen Prinz- und Osttorbrücke Gruppen auf, die oftmals laut und wüst im Auftreten sind und um die viele Menschen aus guten Gründen einen Bogen machen würden. Ein weiteres Ärgernis ist die Vermüllung.

Wäre die Idee eines Brückenfestes heute noch zeitgemäß? Der Brückenschlag zwischen Ost und West wird in Hiltrup auch durch die allseits gelobten Blumenkästen entlang der Marktallee und des Osttores optisch unterstrichen. Gleiches gilt für die Weihnachtssterne, die von der Westfalenstraße bis zum TuS-Stadion am Osttor ein leuchtendes verbindendes Band darstellten.

Es gibt einige Stimmen, die ein Fest an einem anderen „unerwarteten“ Ort für hilfreicher und wichtiger hielten. Denn Orte, die deutlich unter ihrem Potenzial bleiben und es verdient hätten, wachgeküsst zu werden, gibt es in Hiltrup an verschiedenen Stellen.

Eine Festivität am Strand des Hiltruper Sees, so ist zu hören, wäre gut geeignet, den Blick auf den See zu lenken, den Ort zu beleben und neu zu entdecken.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6924852?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F138%2F
Starker Anstieg der Mäusepopulation im Münsterland
Rötelmäuse wie diese übertragen das Hantavirus.
Nachrichten-Ticker