Engagierte Ehrenamtler hinter den Reglern
Wünsche werden wahr

Münster-Hiltrup -

„Schalt dein Radio ein, (Oh yeah, schalt dein Radio ein) und gönn‘ dir einen Urlaub von der Welt“ – so heißt einer der größten Hits von Daliah Lavi aus dem Jahre 1972. Bereits seit 1970 ist die „Studiowelle Hiltrup“ auf Sendung. Zeit für einen Besuch im 3. OG des Herz-Jesu-Krankenhauses, bevor das Jubiläum am 18. Januar 2020 groß gefeiert wird. Dann können alle Fans den ehrenamtlichen Radiomacher in den Studioräumen während der großen Live-Sendung über die Schulter schauen. Die Studiowelle Hiltrup freut sich übrigens stets über Interviewgäste, Reportagegäste und neue Kollegen.

Montag, 23.09.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 24.09.2019, 17:14 Uhr
Er liebt die Musik und das Ehrenamt an den Reglern: Hartmut Vogelsang moderiert die samstägliche Wunschsendung in der Regel ohne schriftliches Konzept. Aus der Hand von OB Markus Lewe erhielt er für sein soziales Engagement die Münster-Nadel.
Er liebt die Musik und das Ehrenamt an den Reglern: Hartmut Vogelsang moderiert die samstägliche Wunschsendung in der Regel ohne schriftliches Konzept. Aus der Hand von OB Markus Lewe erhielt er für sein soziales Engagement die Münster-Nadel. Foto: Peter Sauer

Gute deutschsprachige Musik hört Hartmut Vogelsang für sein Leben gern. Er spielt sie, vorzugsweise von Vinyl, seit 1970 nicht nur für sich, sondern vor allem für die Patienten und Besucher des Herz-Jesu-Krankenhauses. Denn er gehört zum Gründungsteam der Studiowelle Hiltrup, ist seit 49 Jahren Leiter eines komplett ehrenamtlichen Teams, dass mit den Musikwünschen den Patienten etwas Gutes tun will.

Alles entstand aus einer fixen Idee, erinnert sich Vogelsang im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir waren eine zehnköpfige Jugendgruppe der St.-Clemens-Gemeinde und dachten uns, dass Krankenhaus-Radio doch etwas für uns sein könnte.“ Die jungen Leute standen auf Musik und Technik und wollten gerne im Team zusammenbleiben. Und wie reagierten die Schwestern im Herz-Jesu? „Wir haben sie direkt gefragt und die Schwestern waren auf Anhieb sehr offen für unsere Idee von einer hausinternen Radiosendung für Menschen, die eine gewisse Zeit im Krankenhaus verbringen“, erinnert er sich.

Foto aus den Gründer-Jahren

Foto aus den Gründer-Jahren

Nach dem grünen Licht der Schwestern besuchten die spontanen Radiomacher Krankenhäuser in Greven und am Niederrhein, um sich dort für den Start als Radiomacher fit zu machen und vor allem zu erfahren, was man an Technik so alles braucht. Die Platten hatten sie ja selbst. Und dann ging es fix. Eine nicht mehr benötigte Bettenabstellkammer wurde umgebaut – für einen Technik- und einen Sprecherraum: „Damals waren die Wände voller leerer Eierverpackungen für die Raumakustik“, erinnert sich Vogelsang.

Im Januar 1970 ging die Studiowelle Hiltrup auf Sendung, mit den Musikwünschen der Patienten sowie „interessanten Neuigkeiten aus Hiltrup, Münster und dem Rest der Welt“, wie es die „Welle“ selbst formuliert. Als Hartmut Vogelsang eines Tages wieder mal mit den Wunschzetteln zum Ankreuzen die einzelnen Stationen des Krankenhauses besuchte, drückte er auch Doris einen Zettel in die Hand und lud sie gleich ein, ihn doch mal im Studio zu besuchen. Sie kam vorbei und es funkte sofort. Füreinander und fürs Radio-Machen: „Du heiratest die Studiowelle mit“, sagte schon bei der Trauung der Pater. Sehr zum Wohle der Hörer, denn als Moderatoren sind die Vogelsangs ein eingespieltes Team. Auch wenn es bei den Kollegen um sie herum eine große Fluktuation gibt, ein jeder von ihnen ist mit Herzblut dabei.

Auf Sendung. Die Studiowelle freut sich stets über Interviewgäste, Reportagegäste und neue Kollegen.

Auf Sendung. Die Studiowelle freut sich stets über Interviewgäste, Reportagegäste und neue Kollegen. Foto: Peter Sauer

„Früher haben wir noch regelmäßig die Stars besucht, die in der Halle Münsterland Station machten“, sagt der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann Vogelsang. Acht Gästebücher mit jeweils 200 Seiten dokumentieren seit den Zeiten von Moderator Romanus Krick dies auf eindrucksvolle Weise mit kostbaren Autogrammkarten und sehr persönlichen Grüßen – von Willy Brandt, Udo Jürgens und Hildegard Knef über viele Preußen-Spieler und alle Karnevalsprinzen bis Peter Sebastian, Roland Kaiser, Günter Jauch, Petra Schwar und Dagmar Berghoff.

Aus anfangs einzelnen Sendungen ist mittlerweile ein spannender Wochenplan geworden – bei weiterhin analoger Studiotechnik. „Wir senden inzwischen rund um die Uhr im Herz-Jesu-Krankenhaus auf Fernsehkanal 19 und im Internet “, sagt der heute 66-jährige Vogelsang nicht ohne Stolz und singt beim Jürgen Marcus Kultsong „Ein Festival der Liebe“ mit wie ein verträumter Teenager – und das ist positiv gemeint. Dennoch ist er verwundert. „Ich hätte nie gedacht, dass ich auch beim 50-jährigen Bestehen am 18. Januar 2020 noch dabei bin.“

Logo der Studiowelle. Es hat sich nicht verändert.

Logo der Studiowelle. Es hat sich nicht verändert. Foto: Peter Sauer

Mittlerweile ist das Studio im 3. Obergeschoss der Klinik sein „zweiten Wohnzimmer“. Geändert hat sich nicht viel. Die Musikwünsche können die Patienten nun auch telefonisch oder online mitteilen. die Zahl der Musiktitel ist auf insgesamt 200 000 angestiegen. Selbst dem WDR konnte Vogelsang schon aushelfen. Die gesuchte Platte wurde in den 1980ern per Post nach Köln geschickt. Das Repertoire ist vielfältiger geworden – von Schlagern, Volksmusik und Oldies bis Pop&Rock. In vielen Schränken sind Singles und Alben fein sortiert, die CD-Regale reichen vom Boden bis zur Decke.

Für seine ehrenamtliche Arbeit erhielt Vogelsang 2014 die „Münster-Nadel“: „Ohne Studiowelle würde mir etwas sehr Sinnvolles fehlen, mit Musik die Patienten zu erfreuen“, bringt Hartmut Vogelsang seine große Passion auf den Punkt. „Ich bin auch schön länger hier als mancher Arzt.“

Der „Himmel“ hängt in der Studiowelle nicht voller Geigen, sondern voller Singles.

Der „Himmel“ hängt in der Studiowelle nicht voller Geigen, sondern voller Singles. Foto: Peter Sauer

Die Studiowelle Hiltrup ist übrigens vom Finanzamt als „gesundheitsfördernder Verein“ anerkannt. Sie finanziert ihre Kosten über Spenden und die regelmäßigen Bücher- und Platten-Flohmärkte. „Viele Menschen schenken uns CDs, Bücher und Alben und Singles“, freut sich Vogelsang, dass damit einerseits der Bestand der „Welle“ weiter aufgestockt wird, andererseits aber auch genügend Doppeltes für Kaufinteressierte zusammenkommt. Noch mehr würde er sich über Radio-Nachwuchs freuen: „Den suchen wir händeringend.“

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Am 18. Januar 2020 gibt es von 9 bis 18 Uhr ein Nonstop-Live-Programm mit allen Moderatoren, Lesungen und ÜberraschungsgästenB   | www.studiowellehiltrup.de

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