Eichenprozessionsspinner
Scheitern die Präventionsmaßnahmen am Geld?

Münster-Hiltrup -

Bei den meisten genügt allein schon das Wort „Eichenprozessionsspinner“, um an ihre Leidenszeit in den Sommermonaten wieder in Erinnerung zu rufen. In Münster-Hiltrup ist die Raupenplage derzeit erneut ein Reizthema, das viel Konfliktstoff birgt. 

Dienstag, 01.10.2019, 20:30 Uhr aktualisiert: 02.10.2019, 19:20 Uhr
Im kommenden Jahr soll bereits frühzeitig präventiv gegen die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners vorgegangen werden. So wünscht es die Bezirksvertretung Hiltrup, die Verwaltung allerdings sperrt sich.
Im kommenden Jahr soll bereits frühzeitig präventiv gegen die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners vorgegangen werden. So wünscht es die Bezirksvertretung Hiltrup, die Verwaltung allerdings sperrt sich. Foto: dpa

Der Eichenprozessionsspinner hat vielen Menschen die schönsten Wochen des Jahres vermiest. Heftiger Juckreiz auf der Haut, tränende Augen bis hin zu Asthma-Anfälle – das waren die Symptome, wenn Menschen mit den gesundheitsgefährdenden Brennhaaren der Raupen in Berührung gekommen sind. Zahlreiche Veranstaltungen unter freiem Himmel fielen aus. Kinder in den Schulen und Kitas waren gezwungen, in den Gebäuden zu bleiben.

In den Außenstadtteilen, in denen es besonders viele Eichenbäume gibt, war die Plage besonders groß. Von daher gab es für die Bezirksvertretung Hiltrup gute Gründe, für das kommende Jahr präventiv die Bäume mit Bioziden zu besprühen, um die Vermehrung der Raupen zu unterbinden.

Eine Kostenfrage

Das städtische Amt für Grünflächen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit tritt jetzt gehörig auf die Bremse. Der Vorschlag soll nicht in die weitere politische Beratung kommen.

Es seien dafür keine Haushaltsmittel vorhanden, erklärte der stellvertretende Amtsleiter Ulrich Kleine-Bösing in einem Schreiben an die Bezirksverwaltung, die von dieser Mitteilung alle Mitglieder der Bezirksvertretung in Kenntnis setzte. Das Grünflächenamt verlangt „zunächst Vorschläge zur Kompensation“. Gemeint sind Vorschläge, wo anderweitig im Haushalt gespart werden könne. Die könnten in der Kürze der Zeit nicht erarbeitet werden, so die Verwaltung. „Aus diesem Grund wurde die Vorlage zurück gestellt.“

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Kritik & Wünsche

Scheitern die Präventionsmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner somit am Geld? „Ich finde das beschämend“, erklärt SPD-Fraktionschef Hermann Geusendam-Wode. „Während es offensichtlich kein Problem ist, zig Millionen für einen neuen Kulturtempel zu mobilisieren, ist die Daseinsvorsorge für die Bevölkerung und ihre Kinder von Vorschlägen zur Kompensation abhängig.“

In der städtischen Kita Emmerbachtal war der Eichenprozessionsspinner jüngst Thema der Elternversammlung. Für rund sechs Wochen waren die Außenanlagen gesperrt gewesen. Die Eltern wünschen, dass sich das nicht wiederholt.

„Man sieht den Träger in der Verpflichtung, die offerierte Betreuungsleistung vollumfänglich und in der versprochenen Qualität zu gewährleisten, wozu auch die Nutzung der Außenflächen gehört“, berichtet Hermann Geusendam-Wode. Als Trägervertreter hatte er an der Versammlung teilgenommen.

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