Landwirtschaft in jungen Händen
Tierwohl liegt ihr am Herzen

Münster-Hiltrup -

Wenn Junglandwirtin Janina Lohmann über den mobilen Zaun steigt, kommen ihr schon die über 200 Hühner freudig entgegen, die es sich zuvor im mobilen Hühnerstall gemütlich gemacht haben. Die 22-jährige ist Landwirtin aus Überzeugung und Direktvermarkterin zudem. So macht sie Lohmanns Hof in Hiltrup in fünfter Generation zukunftsfest.

Samstag, 19.10.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 20.10.2019, 17:16 Uhr
Inmitten ihrer 209 Legehennen und zwei Ziegen fühlt sich Junglandwirtin Janina Lohmann (22) sichtlich wohl.
Inmitten ihrer 209 Legehennen und zwei Ziegen fühlt sich Junglandwirtin Janina Lohmann (22) sichtlich wohl. Foto: Peter Sauer

Nach Herzenslaune scharren und picken 209 Legehennen und Hahn Fridolin frisches Futter auf einer großen saftigen Wiese. Die neugierigen Ziegen Bibi und Tina weichen als „Security“ nicht von ihrer Seite. Die freilebenden Hühner legen ihre Eier im Hühnermobil. Das ist ein umgebauter Bauwagen, der mitten auf der Wiese steht. „Der ist genau auf ihre Bedürfnisse angepasst“, sagt Junglandwirtin Janina Lohmann .

Die 22-Jährige setzt auf Nachhaltigkeit: „Das Wohlbefinden und die Gesundheit der Tiere stehen für mich im Vordergrund. Das schmeckt man an den Eiern, die jeden Tag frisch verkauft werden.“ Lohmann strahlt bei ihrer Arbeit, auch wenn der Job, wie sie zugibt, „doch sehr anstrengend ist“.

Nur ein paar Steinwürfe von der Westfalenstraße entfernt steht das Hühnermobil.

Nur ein paar Steinwürfe von der Westfalenstraße entfernt steht das Hühnermobil. Foto: Peter Sauer

Mit 14 Jahren hat Lohmann im Haus Simeon in Berg Fidel im Restaurantbereich gearbeitet, wollte dann eigentlich Tiermedizin studieren, bevor sie sich entschloss Landwirtin zu werden. Die ersten Erfahrungen sammelte die Hiltruperin während ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung im Umgang mit Schweinen auf dem Bauernhof Konermann in Amelsbüren sowie im Umgang mit Blumen und Kürbissen bei Stertmann in Nienberge. Das Gesellenjahr machte sie auf dem Hof Ontrup in Sprakel nebst Hofladen-Erfahrung und die Arbeit mit Erdbeeren erlernte sie auf dem Hof Junge-Bornholt in Riesenbeck. So lernte sie zahlreiche Direktvermarkter kennen.

Die Ziegen-“Security“ passt auf.

Die Ziegen-“Security“ passt auf. Foto: Peter Sauer

Die 22-Jährige macht bis 2021 ihren Master zur staatlich geprüften Agrarbetriebswirtin. Parallel zum Pauken in der Fachschule für Agrarwirtschaft in Wolbeck steht Janina Lohmann auf dem Hof (in fünfter Generation) ihren Mann. „Den Bauernhof habe ich ohne meinen Vater selbst finanziert. Statt Geld für teure Technik auszugeben, mache ich alles komplett mit der Hand“, sagt die kleine und zartgebaute Frau. „Ich bin stärker, als ich aussehe und viele wundern sich, wenn ich zum Beispiel in der Tankstelle vom Trecker steige.“

In der Tat ist es bewundernswert, wie sie ihren Alltag meistert. Noch vor (Fach-)Schulbeginn, morgens um 5 Uhr, schaut sie im Hühnermobil nach frischen Eier: „Dabei bin ich gar keine Frühaufsteherin.“

Anfang 2019 hat Janina Lohmann mit dem Anbau von Erdbeeren auf einem Selbstpflückfeld begonnen. 70 Kilo Erdbeeren verarbeitet sie zu Fruchtaufstrichen. Die gibt es auf ihrem Hof neben den Eiern und eigenem Honig – 24 Stunden verfügbar im Automaten. Der Clou: Jede Eierschachtel wird von der Landwirtin mit einem handschriftlichen Sinnspruch signiert.

Der Hof liegt an der Westfalenstraße 48.

Der Hof liegt an der Westfalenstraße 48. Foto: Peter Sauer

Denn Lohmann hat sich auf Direktvermarktung spezialisiert. „Ich finde es sehr besonders, dass eine junge Frau Landwirtschaft lernt, den Mut für die Investition hat und ihre berufliche Zukunft in der Landwirtschaft sieht“, freut sich Susanne Schulze Bockeloh, Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Münster.

Langfristig möchte Janina Lohmann auch einen Hofladen errichten. Für Schulze Bockeloh gehört die Landwirtin zu den vorbildlichen Direktvermarktern: „Mit Frische, Regionalität und Saisonalität erfüllen diese Landwirte Verbraucherwünsche.“ Und Janina Lohmann blickt nach vorn: „Ich kann mir vorstellen, diese Arbeit auf dem Hof die nächsten 50 Jahre zu machen.“

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