Jan Loechel gibt ein geradezu familiäres Konzert im Kulturbahnhof
Heimspiel für coolen Charmeur

Münster-Hiltrup -

Es war genau in der Mitte des Konzerts im Kulturbahnhof, als Weihnachts-Feeling und Münster-Nostalgie zu einem Duett zusammenschmolzen.

Samstag, 21.12.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.12.2019, 17:56 Uhr
Überraschung-Duett: H-Blockx-Musiker Henning Wehland (l.) sang mit Jan Loechel genau den Song, den die beiden in den 1990er Jahren gemeinsam aufgenommen hatten.
Überraschung-Duett: H-Blockx-Musiker Henning Wehland (l.) sang mit Jan Loechel genau den Song, den die beiden in den 1990er Jahren gemeinsam aufgenommen hatten. Foto: zin

Jan Loechel hatte sich locker von Song zu Song geplaudert – immer tiefer in seine Vergangenheit hinein. Bis in die späten 1990er Jahre, als er noch auf der Suche war, sich etwas bang in seine noch ungewisse Zukunft hineinträumend. Damals hatte er Kontakt zu einem Münster-Musiker geknüpft, der schon fester im Sattel saß und der am Ende einen Song mit ihm aufnahm: Henning Wehland , den Gründer der H-Blockx.

Loechel stieg nun von der Bühne, Wehland erhob sich vom anderen Saal-Ende – und beide trafen sich in der Mitte, direkt neben dem Weihnachtsbaum im Kulturbahnhof. Mit eben jenem Song natürlich.

Der Begriff „Heimspiel“ mag abgegriffen sein – aber das Konzert von Jan Loechel im Kulturbahnhof war genau das. Ein Auftritt an jenem Ort, wo der Musiker bereits von 25 Jahren auftrat; wo er das Publikum nicht langwierig erobern musste, sondern wie gute Bekannte oder gar Freunde begrüßte. „Ich bin ein Hiltruper!“ Das hatte beinahe etwas Familiäres – so wie der schwarz gekleidete Mann mit der Gitarre auf dem Podium stand und sich von Lied zu Lied plauderte. Immer die kommenden Weihnachtstage im Blick, ein Lächeln dabei im Gesicht und die markante Stimme sehr gefühlvoll temperiert.

Eigentlich war alles an diesem Abend richtig temperiert: Die Stimme und die Stimmung, die zwei Gitarren, die Loechel mit sanftem Fingerpicking geradezu liebkoste; die exzellente Technik, die genau die richtige Dosis Hall auf seinen markigen Balladen-Bariton legte – und, wo nötig, auch kleine Synthi-Wölkchen oder etwas Vogelgezwitscher auf die Lautsprecher gab.

Der coole Charmeur wusste genau, wann der Saal soweit war, ein paar textfreie Vokalpassagen mitzusummen: „Dadadada-dat Da…“ Und Loechel lächelte zufrieden über seine Fans. Die Balladenstimmung wurde durchgehalten, mal auf Deutsch, meist auf Englisch. Verlorene Liebe, gewonnene Freundschaft – und immer wieder die Familie (zum Beispiel in „Home“).

Und weil er von der Bühne stets den Weihnachtsbaum im Blick hatte, stimmte er kurzentschlossen auch „Last Christmas“ an – das bei ihm verblüffend frisch und emotional rüberkam; weil von allem Kommerz-Kitsch der Supermarktregale befreit. Und am Schluss kam nochmals Freund und Kollege Henning Wehland auf die Bühne – und beide sangen Reinhard Meys Lied „Gute Nacht, Freunde, es ist Zeit für uns zu geh’n.“

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