Fotokunst im Kulturbahnhof
An der Grenze zur Malerei

Münster-Hiltrup -

Spiegelungen sieht man oft – aber nicht diese. Während die meisten Leute den Auslöser drücken, wenn das Wasser ruhig und klar sei, geht es Michael Grottendieck um die Verzerrung in der Bewegung.

Dienstag, 07.01.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 17:40 Uhr
Michael Grottendieck (l.) mit dem Fotografen Berthold Socha, der auch eine Laudatio gehalten hatte. Die Ausstellungseröffnung mit 35 Wasserspiegelungen lockte zahlreiche Interessierte in den Kulturbahnhof. Die Fotografien sind dort noch bis zum 12. Februar zu sehen.
Michael Grottendieck (l.) mit dem Fotografen Berthold Socha, der auch eine Laudatio gehalten hatte. Die Ausstellungseröffnung mit 35 Wasserspiegelungen lockte zahlreiche Interessierte in den Kulturbahnhof. Die Fotografien sind dort noch bis zum 12. Februar zu sehen. Foto: zin/mlü

„Die Straße des Glücks“ nennen es die Chinesen. Bei Physikern ist eher „Das Schwert der Sonne“ als Begriff geläufig. Gemeint sind jene Sonnenbahnen auf dem Wasser, die als Spiegelung immer auf den Betrachter zulaufen. Michael Grottendieck hat diese flüchtigen Spiegelungen mit seiner Kamera eingefangen, immer wieder neu. Seine Fotografien sind seit Sonntag im Kulturbahnhof Hiltrup zu sehen.

Entstanden sind sie an jenem Stück des Kanals in Hiltrup, wo sich der Rockwool-Turm im Wasser spiegelt. Manchmal sieht der Turm dabei wie ein Schwert aus, dann wieder wie eine Insel, meist aber wie ein verstreutes Puzzle, dessen Teile im Sonnenlicht reflektiert werden. Bei der Ausstellungseröffnung bewunderten viele Interessierte aus Kultur und Politik die 35 Wasser-Spiegelungen, die Michael Grottendieck (Redakteur dieser Zeitung) im vergangenen Sommer fotografiert hat.

In seiner Begrüßungsrede erinnerte sich der fotobegeisterte Journalist an das erste Mal, als ihm dieses Motiv ins Auge sprang – an einem Mai-Abend, als er sich aufs Fahrrad geschwungen hatte, um am Kanal zu radeln. Wie meistens mit der Kamera, denn Fotomotive könne man nicht so einfach suchen: „Motive begegnen einem.“ Die Sonne sei intensiv gewesen, und plötzlich habe die „Straße des Glücks“ glänzend vor ihm gelegen.

Beglückt zeigte sich auch Eva Maria Koch vom Kulturbahnhof, als sie vor einem halben Jahr Grottendiecks Bilder sah. Selber ebenfalls Fotografin, stimmte sie der Idee einer Ausstellung zu. „Spiegelungen sieht man oft – aber nicht diese“, so Koch. Denn während die meisten Leute den Auslöser drückten, wenn das Wasser ruhig und klar sei, gehe es Michael Grottendieck um die Verzerrung in der Bewegung.

In der Tat: Was der Journalist durchs Objektiv erspähte und heranzoomte, liefert dem Betrachter teils surreale Eindrücke. Der Rockwool-Turm – 99 Meter hoch und seit 20 Jahren außer Betrieb – ist meist kaum noch identifizierbar. Seine roten Buchstaben werden mal zu kleinen Farbklecksen, ziehen sich mal auch wie ein roter Faden im blauen Wellengang. Die Hängung wurde geplant, um die Vielfalt der Farben und Motive hervorzuheben. „Hier mehr die Schiff-Fahrt, dort mehr das Mystische“, lächelt Grottendieck.

Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt zeigte sich begeistert und erinnerte an die Präsentation von Grottendiecks Hiltrup-Buch, die fünf Jahre zuvor ebenfalls im Kulturbahnhof stattfand. Einen besonderen Laudator hatte Grottendieck auch zur Seite: Berthold Socha, einen von Münsters bekanntesten Fotografen, der in diesem Jahr noch eine große Ausstellung (50 Jahre Münster) im Stadtmuseum präsentieren wird. Socha betonte die künstlerische Intensität, mit der Kollege Grottendieck die Grenze zur Malerei streife, und empfahl den Besuchern: „Tauchen Sie ein in die Schönheit dieser Bilder.“

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Die Ausstellung „Auf dem Wasser. In Bewegung“ ist bis zum 12. Februar montags von 17 bis 19 Uhr und mittwochs von 16 bis 18 Uhr im Kulturbahnhof zu sehen.

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