FDP startet ins Wahljahr
„Und was ist mit deiner Stimme?“

Münster-Hiltrup -

Hiltrup ist für die Liberalen traditionell ein gutes Pflaster. Beim Dreikönigstreffen wird deutlich, dass die FDP ihre Chancen nutzen will. Ein altes Rezept soll dabei helfen.

Mittwoch, 08.01.2020, 10:30 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 11:00 Uhr
Im Hiltruper Museum, das derzeit die 1960er Jahre präsentiert, versammelte sich die FDP zum alljährigen Dreikönigstreffen.
Im Hiltruper Museum, das derzeit die 1960er Jahre präsentiert, versammelte sich die FDP zum alljährigen Dreikönigstreffen. Foto: gro

Karlheinz Busen tritt nicht so auf, wie man sich einen Spitzenpolitiker der FDP vorstellt, der es zunächst in den Landtag und seit 2017 in den Bundestag geschafft hat. Als er an das Rednerpult tritt, muss er zunächst sein Glas Bier abstellen, um die Hand frei zu haben für seinen Zettel mit den Stichworten für seine Ansprache.

„Das mache ich seit Jahr und Tag“, erklärt er zu der Anregung von FDP-Chef Lindner, die Liberalen sollten nun verstärkt vor die Werktore ziehen. Für ihn sei nichts Neues. Und dann legt er los über viel Gelaber und Gequatsche in Berlin, wo „jeder gegen jeden schießt“. Die Arbeit der Bundesregierung bezeichnet er als „Trauerspiel“. Nur Spott hat übrig für den neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjahns, der mit seiner Forderung nach einer Bodenwertzuwachssteuer für Schlagzeilen gesorgt hat. Man kennt sich aus dem Düsseldorfer Landtag . . .

Ernst wird die Stimmung, als Busen die weltpolitische Lage anspricht. Er hoffe, dass der Iran keine Vergeltungsaktion für den ermordeten General Soleimani starte. Denn es gebe keine Zweifel, dass Trump dann mit aller Rücksichtslosigkeit zurückschlagen werde.

Trump habe gelernt, so hat der Journalist Klaus Brinkbäumer vor Weihnachten in der „Zeit“ geschrieben, dass ein Mann, der erfolgreich sein wolle, stets und ausnahmslos zurückschlagen müsse: „zehnmal härter als du getroffen wurdest“. Der Politologe Professor Wichard Woyke sagt später, Brinkbäumer habe einen sehr hellsichtigen Artikel über Trump geschrieben.

Zum Dreikönigstreffen platzt das Museum aus allen Nähten. Von Düsseldorf kommend legt der parlamentarische Geschäftsführer Henning Höne einen Zwischenstopp auf dem Weg nach Ostwestfalen ein. Hausherr Hans Muschinski sagt, vielleicht müsse man über einen Anbau nachdenken und blickt dabei in Richtung des Bezirksbürgermeisters Joachim Schmidt, der ebenso wie einige weitere CDU-Politiker zu Gast ist.

FDP-Fraktionschef Jörg Berens wünscht sich mehr von „so schönen Abenden“, die so gut besucht seien. Jetzt geht in die heiße Phase der Vorbereitung auf den Wahlkampf für die Kommunalwahlen im September. Ihre vier Sitze im Stadtrat will die FDP verteidigen. Berens: „Es dürfen gerne auch einige mehr werden“.

Die FDP wird in den kommenden Tagen ihre Kandidaten nominieren. Hiltrups FDP-Chef Klaus Theißing verrät, welche Vorschläge der Vorstand erarbeitet hat. Für die BV Hiltrup stehen Ulrich Eckervogt, Heribert Aldejohann, Klaus Theißing, Dr. Raphael Richter und Annette Paßlick-Wabner auf der Vorschlagsliste. Für die Ratsbezirke gibt es folgende Kandidatenvorschläge: Theißing (Nord) Eckervogt (West), Aldejohann (Mitte) und Richter (Ost).

Von Professor Woyke kommen Tipps, wie Politiker heute erfolgreich sein können. „Es gab in Hiltrup einmal Willy Brüggemann, der in Hiltrup-Ost ein Geschäft führte, alle Leute kannte und für die FDP 17 Prozent der Stimmen holte“, erinnert er.

Wie er das machte? Woyke erzählt, dass Brüggemann seine Gespräche regelmäßig mit der Aufforderung beendete: „Was ist mit Deiner Stimme? Die bekomme ich doch auch.“ Die direkte Ansprache sei erforderlich, erklärt Woyke und traut der FDP in Hiltrup ein Ergebnis über dem Durchschnitt zu.

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