Schildbürgerstreich
Wenn Busfahrer auf den Radweg ausweichen: Straße plötzlich verengt

Münster-Hiltrup -

Im Emmerbachviertel in Hiltrup-Ost an der Rubensstraße erregt eine soeben fertiggestellte Straßenbaumaßnahme die Gemüter. „Es ist nicht hinnehmbar, wie hier unter Verschwendung von Steuergeldern Maßnahmen erfolgt sind, die den Verkehr nicht beruhigen, sondern gefährden“, kritisiert Anlieger Prof. Dr. Max Kobbert die jüngst abgeschlossenen Straßenbaumaßnahmen in Höhe der Bushaltestelle Emil-Nolde-Weg.

Donnerstag, 23.01.2020, 12:54 Uhr aktualisiert: 23.01.2020, 17:03 Uhr
Verzweifelte Ausweichmanöver werden den Busfahrern abverlangt, nachdem die Haltestelle Emil-Nolde-Weg an der Rubensstraße barrierefrei ausgebaut wurde. Zudem ragt eine Bordsteinkante ohne jegliche Markierung in die Fahrbahn herein.
Verzweifelte Ausweichmanöver werden den Busfahrern abverlangt, nachdem die Haltestelle Emil-Nolde-Weg an der Rubensstraße barrierefrei ausgebaut wurde. Zudem ragt eine Bordsteinkante ohne jegliche Markierung in die Fahrbahn herein. Foto: Max Kobbert /gro

Auch Klaus Stemmer hat wenig Verständnis dafür, dass quasi vor seiner Haustür eine neue Bordsteinschwelle völlig unvermittelt und ohne jegliche Markierung in die Fahrbahn ragt. Ihm ist passiert, was andere Anwohner als Schreckensszenario an die Wand gemalt hatten. Bei den extrem schlechten Sichtverhältnissen in der Silvesternacht hat er mit seinem Fahrzeug den neuen Bordstein nicht erkennen können, erzählt er. Bei dem Starknebel touchierte er die neue Bordsteinschwelle. Der Unfall ging glimpflich aus. Doch der Schrecken war groß.

Weitere Verkehrsgefährdung

Die zweite Verkehrsgefährdung geht von dem Begegnungsverkehr der Linienbusse auf der verengten Straße aus. Max Kobbert hat erlebt – und fotografisch festgehalten –, dass Busse auf den Radweg ausweichen, wenn sie sich an der verengten Stelle begegnen. Er spricht von „verzweifelten Ausweichmanövern“ der Busfahrer. Tiefe Reifenspuren in einem Beet legen davon Zeugnis ab.

Selbst wenn die Busfahrer die Straße mit ihren Gefährten nicht verlassen, ist die Verzweiflung nicht minder groß. Zumindest wird die Geduld auf eine harte Probe gestellt. Genaues Augenmaß und gegenseitige Absprache sind erfordern.

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Foto: Michael Grottendieck

In der langgezogenen Kurve gelingt es den Bussen selbst bei Schritttempo nicht, ungebremst aneinander vorbeizukommen. Mehrfach am Tag ist zu beobachten, dass ein Bus anhalten muss, während der zweite sich vorsichtig nach vorne tastet. Irgendwann ist der Punkt erreicht, dass der zweite Bus, der zuvor gestoppt hatte, sich langsam in Bewegung setzen muss, weil es für den anderen zu eng geworden ist.„Merkwürdigerweise begegnen sich die Busse ausgerechnet hier“, hat Klaus Stemmer wiederholt beobachtet. Wenige hundert Meter entfernt befindet sich am westlichsten Punkt der Rubensstraße der Buswendeplatz.

Keine neuen Schilder

Vier Bushaltestellen gibt es entlang der Straße, auf der Tempo 30 gilt. Die Bushaltestelle Emil-Nolde-Weg ist das neue Nadelöhr. Die Bushaltestelle verfügt jetzt nicht nur über ein Hochbord, das einen barrierefreien Ein- und Ausstieg der Fahrgäste ermöglicht. Nach dem Umbau verfügt sie auch über Fahrradständer. „Dabei werden die gar nicht benötigt“, zeigt sich Stemmer überzeugt. Zwischen Fahrbahn und Radweg sind sie angeordnet. Der Radweg ist an dieser Stelle großzügig ausgebaut. Eine Radwegbenutzungspflicht an der Rubensstraße gibt es nicht. Auf die Aufstellung entsprechender Schilder wurde verzichtet.

Begegnungsverkehr zweier Busse

Begegnungsverkehr zweier Busse Foto: Max Kobbert

Vor Jahren wollten die Verkehrsplaner den Radweg entlang der Rubensstraße komplett zurückbauen. Ein Sturm der Entrüstung im Emmerbachviertel verhinderte dies. In Hiltrup-Ost erzählt man sich, die Bauarbeiten an der Bushaltestelle Emil-Nolde-Weg hätten mit 230.000 Euro zu Buche geschlagen.

Ob die Angabe auf den letzten Euro zutrifft oder nicht – die Straßenbaumaßnahme gilt bereits als Schildbürgerstreich auf Kosten der Steuerzahler.

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