Modernste Kraftwerkstechnik für den umstrittenen Reaktor Mochovce in der Slowakei
Zu zweit hebt es sich leichter

Münster-Hiltrup -

Beim Twin-Hub heben zwei Kräne die Last gleichzeitig an. Dieses Technik-Spektakel war am Dienstagmorgen im Hafen in Hiltrup zu erleben. Umgeladen wurde eine ganz besondere Fracht. Bestimmt ist sie für ein umstrittenes Kraftwerk in der Slowakei.

Mittwoch, 01.04.2020, 11:11 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 11:20 Uhr
Zwei riesige Kessel, die in Beckum gefertigt wurden, wurden in die Slowakei verschifft.
Zwei riesige Kessel, die in Beckum gefertigt wurden, wurden in die Slowakei verschifft. Foto: gro

Der Begriff ist mindestens so sperrig wie der außergewöhnlich lange Kessel, der am Dienstagmorgen im Hafen an der Alten Fahrt in Hiltrup an den Haken der beiden angerückten Mobilkränen hängt. Es sind so genannte „Wasserabscheider-Zwischenüberhitzer“, in Fachkreisen auch „WaZü“ oder einfach nur Wasserabscheider genannt.

Wem das alles nichts sagt: Es handelt sich um hoch spezialisierte Kraftwerkstechnik. Technik „made in Germany“, die nun offenbar im Kernkraftwerk Mochovce in der Slowakei eingebaut werden soll.

Es kommt selten vor, dass ein slowakisches Kraftwerk es in deutsche Nachrichtensendungen schafft. Im vergangenen Sommer wurde über einen handfesten Atomstreit zwischen Österreich und der Slowakei berichtet: Bundeskanzler Sebastian Kurz hatten einen Baustopp verlangt und unverhohlen Sicherheitsbedenken geltend gemacht. Mochovce liegt 100 Kilometer von der Grenze entfernt.

„Mochovce ist ein Dauerbrenner, auch ohne Brennstäbe“, berichtete die Tagesschau, die Nachrichtensendung der ARD, über die beiden Druckwasser-Reaktoren sowjetischer Bauart. Seit Jahrzehnten wird geplant und gebaut – aber fertig gestellt wurde nichts.

Schon zu kommunistischen Zeiten war in Mochovce mit dem Bau der Blöcke drei und vier begonnen worden. 1992 erfolgte ein Baustopp – wegen Geldmangels. 2012 sollte mittlerweile unter italienischer Regie die Fertigstellung erfolgen.

Gebaut wird noch immer. Immerhin versicherte die slowakische Regierung, sie werde nicht zulassen, dass in ihrem Land ein Kraftwerk ans Netz geht, das Sicherheitsmängel aufweise.

Von diesen politischen Verwicklungen auf europäischer Ebene war beim Verladen der Bauelemente zwar keine Rede. Ein Verantwortlicher ließ durchblicken, es sei schon von großer Bedeutung, „dass jetzt deutsche Technik zum Einsatz kommt“.

Die Firma Balcke+Dürr in Beckum gilt als weltweit führend für Spezialbauteile im Kraftwerksbau. Wasserabscheider gelten „als Schlüsselkomponenten im Wasserdampfkreislauf von Druck- und Siedewasserreaktoren in Kernkraftwerken“, heißt es auf der Homepage.

Aufgabe der beiden Kräne war es, zwei jeweils 121 Tonnen schwere Stahlkolosse in den Laderaum eines 84 Meter langen Binnenschiffes zu hieven. Ein einziger Kran hätte bei diesen Gewichten nicht ausgereicht. Beim Twin-Hub heben zwei Kräne die Last gleichzeitig an. Bei strahlendem Sonnenschein und Windstille ging das reibungslos vonstatten.

Dass die Ladung in Hiltrup verschifft wurde, hängt nach Angaben eines verantwortlichen mit dem sinkenden Wasserstand in der Elbe zusammen. Nun geht die Reise über den Rhein und die Donau.

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