Initiative „Makers vs. Virus“
Corona-Schutz aus dem 3D-Drucker

Münster -

Landauf landab werden dieser Tage Mund-Nasen-Schutze aus Stoff genäht. Eine Initiative aus Münster geht jedoch einen anderen Weg – und wirft dafür den 3D-Drucker an.

Dienstag, 21.04.2020, 20:00 Uhr
Ingo Ulbrich stellt, gemeinsam mit über 100 anderen Ehrenamtlichen aus dem Münsterland, Gesichtsschilde als Corona-Schutz her.
Ingo Ulbrich stellt, gemeinsam mit über 100 anderen Ehrenamtlichen aus dem Münsterland, Gesichtsschilde als Corona-Schutz her. Foto: privat

Schicht für Schicht dreht die Düse ihre Runden und stapelt den erhitzen Kunststoff, getreu der digitalen Vorlage, millimetergenau übereinander. Während landauf, landab viele Freiwillige Mund-Nasen-Schutze aus Stoff nähen, gehen über 100 Ehrenamtliche aus dem Münsterland einen anderen Weg.

Sie haben sich in der Initiative „Makers vs. Virus“ zusammengeschlossen und stellen mittels 3D-Drucker Gesichtsschilde aus Hartplastik als Corona-Schutz her. Diese sind weniger für den Alltagsgebrauch in der Innenstadt oder in der Bahn gedacht, sondern als ergänzender Schutz für Arztpersonal, Pflegekräfte oder Kassierer.

Austausch per Facebook

Einer der Haupt-Organisatoren im Münsterland ist Ingo Ulbrich . Auf die Initiative aufmerksam geworden sind Ulrich und seine Mitstreiter über Facebook-Gruppen. „Wir tauschen uns da über Pläne und Skizzen zum Drucken aus. Und irgendwann kam die Idee auf, mit unseren Druckern Schutzausrüstung herzustellen“, so Ulbrich.

Makers vs. Virus

Deutschlandweit sind über 6000 3D-Drucker-Begeisterte bei „Makers vs. Virus“ aktiv.

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Die digitalen Skizzen, die für 3D-Drucke benötigt werden, habe eine tschechische Firma entwickelt und frei zur Verfügung gestellt. Deren Gesichtsschilde bestehen aus drei Teilen: Das Kopf-Teil, welches an der Stirn anliegt, wird im 3D-Drucker gefertigt und mit einem Gummiband am Kopf befestigt. Am Kopf-Teil wird ein gebogener Plastikschild befestigt, welcher von der Stirn bis unter das Kinn der Träger reicht. Damit sollen Pfleger & Co. vor herumfliegenden Tröpfchen und damit vor potenziellen Ansteckungen geschützt werden.

 

Die wichtigsten Infos zur Maskenpflicht in Münster

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  • Die Stadt Münster hat als erste Großstadt in Nordrhein-Westfalen eine Maskenpflicht eingeführt. Sie gilt ab dem 27. April. Doch wo werden die Masken überall zur Pflicht? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

    Foto: dpa
  • Wann muss ich die Maske tragen?

    Immer dann, wenn eine Dienstleistung in Anspruch genommen oder erbracht wird und der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann, müssen Nase und Mund bedeckt werden.

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  • Wo muss ich die Maske tragen?

    Die Maskenpflicht gilt beim Einkaufen, im öffentlichen Personennahverkehr und in städtischen Gebäuden mit Publikumsverkehr, teilt die Stadt mit. Also zum Beispiel in Einzelhandelsgeschäften, auf dem Markt, in der Bank, in Möbelhäusern, in Bussen, im Bürgerbüro Mitte, in der Kfz-Zulassungsstelle, im Jobcenter und im Sozialamt.

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  • Wer muss eine Maske tragen?

    "Betroffen von der Verpflichtung sind alle Personen ab Vollendung des fünften Lebensjahres", heißt es in der Mitteilung der Stadt.

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  • Welche Art von Maske muss ich tragen?

    Grundsätzlich gilt es, Mund und Nase zu verdecken. Dafür können laut Stadtverwaltung OP-Masken genutzt werden, wie sie zum Beispiel in Apotheken erhältlich sind. Doch auch selbstgenähte Masken, Tücher oder Schals können zum eigenen wie auch zum Schutz der Mitmenschen genutzt werden. Wolfgang Heuer, Leiter des Krisenstabs, bittet sogar darum, zertifizierte Masken Krankenhäusern, Arztpraxen, der Pflege oder dem Rettungsdienst vorzubehalten.

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  • Was passiert, wenn ich keine Maske trage?

    Wer keine Maske trägt, darf aus Geschäften oder Bussen verwiesen werden. Es ist vorerst allerdings nicht vorgesehen, Bußgelder zu verhängen.

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  • Welche Regelung gibt es für Schulen?

    Besonders an die Schülerinnen und Schüler, die ab kommenden Donnerstag (23. April) zur Prüfungsvorbereitung in die Schulen zurückkehren, richtet sich die Bitte des Krisenstabs, schon ab diesem Datum in Bus und Bahn eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. 

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  • Wie kann ich mir eine Maske selbst nähen?

    Die Stadt Münster hat auf ihrer  Homepage  eine Nähanleitung in gleich mehreren Sprachen veröffentlicht. Zudem gibt es auch Videos im Netz, in denen das Nähen erläutert wird.

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Durchschnittlich dauert es rund zwei Stunden, einen Gesichtsschutz herzustellen.

Ingo Ulbrich

„Durchschnittlich dauert es rund zwei Stunden, einen Gesichtsschutz herzustellen“, berichtet Ulbrich. 400 Schilde wurden in den letzten Wochen im Münsterland bereits gedruckt. Und die Produktion an den heimischen 3D-Druckern laufe weiter. „Erst letzte Woche hat das Rote Kreuz 100 Gesichtsschilde von uns bekommen. Auch der LWL-Klinik haben wir noch mal zehn nachgeliefert“, berichtet der Münsteraner und ergänzt, dass viele Einrichtung, obwohl sie Gesichtsschilde suchen, nichts von der Initiative „Makers vs. Virus“ wüssten.

BASF sponsert Material

Dabei würde jeder einzelne Schild kostenlos gespendet. Das lege auch daran, dass die „Maker“ mittlerweile einen Sponsor gefunden haben, Ulbrichs Arbeitgeber BASF. Das Chemieunternehmen, welches ein Werk in Hiltrup hat, sponsert die Rohmaterialien, welche im 3D-Drucker verarbeitet werden. Zudem stellt BASF Lagerflächen zur Verfügung.

„Hier sammeln wir die fertigen Schilde und schicken sie dann an die Einrichtungen, die sie brauchen“. Hinzu hätten die Auszubildenden bei BASF großes Interesse gezeigt, mit den Lehr-3D-Druckern zu helfen. Auch der Hersteller der gebogenen Plastikschilde hat laut Ulbrich den Ehrenamtlichen 200 Stück geschenkt, 1000 weitere sollen zum Selbstkostenpreis zu haben sein.

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