Fledermauszählung am Dortmund-Ems-Kanal
Der große „Lauschangriff“

Münster-Hiltrup -

Am Dortmund-Ems-Kanal ist ein ungewöhnlicher Kasten an einer der Laternen für die neue dynamische Beleuchtung montiert. Er sieht ein bisschen aus wie eine kleine Radarfalle – und viele Radfahrer fragen sich: Was passiert da eigentlich?

Dienstag, 12.05.2020, 18:04 Uhr
Keine Radarfalle für Radfahrer, sondern eine Horchbox für Fledermäuse: Forscher wollen herausfinden, ob sich die Nachtschwärmer durch die neue dynamische Beleuchtung am Dortmund-Ems-Kanal gestört fühlen.
Keine Radarfalle für Radfahrer, sondern eine Horchbox für Fledermäuse: Forscher wollen herausfinden, ob sich die Nachtschwärmer durch die neue dynamische Beleuchtung am Dortmund-Ems-Kanal gestört fühlen.

Zumal auch das Licht nicht mehr anspringt. Die Antwort: Am Dortmund-Ems-Kanal wurde ein „großer Lauschangriff“ gestartet. Im Visier der Forscher: Fledermäuse.

Es handelt sich um eine so genannte Horchbox. Für das menschliche Ohr sind die Ultraschall-Ortungsrufe der Fledermäuse nahezu unhörbar. Die Box jedoch zeichnet diese Rufe und dazugehörige Umweltdaten auf. So können die Gutachter später herausfinden, wie groß und aktiv die Fledermaus-Population am Kanal eigentlich ist. Damit die Daten möglichst unverfälscht sind, ist die Beleuchtung am Radweg bis mindestens Ende des Monats Juni ausgeschaltet, heißt es dazu aus dem Grünflächenamt der Stadt Münster.

Anschließend wird die dynamische Beleuchtung am Kanal wieder scharf geschaltet – Bewegungsmelder aktivieren das Licht für Fußgänger und Radfahrer. Mit der Horchbox wird dann überprüft, ob sich das Verhalten der Fledermäuse durch die neue Lichtanlage verändert.

Frühestens Ende des Jahres soll der Bericht vorliegen. „Der Dortmund-Ems-Kanal ist eine sehr, sehr bedeutsame Flugstrecke für Fledermäuse“, so das Grünflächenamt. Fühlen sich die Fledermäuse sehr durch das ständige An und Aus der Lampen gestört, könnte dies das Ende für das Projekte und weitere Experimente mit einer dynamischen Wegebeleuchtung bedeuten. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, so dass diese und zukünftige Anlagen umweltverträglich arbeiten.

Gezählt wird allerdings nicht nur die Fledermaus-Population. Fachgutachter nehmen außerdem die nachtaktive Vogelwelt in den Blick. Sie halten zum Beispiel nach Eulen und ihren Nestern Ausschau.

Die Teststrecke für „schlaue Laternen“ wurde im vergangenen Dezember in Betrieb genommen. Auf der Kanalpromenade zwischen Osttor und dem Ballonstartplatz sind 43 Laternen angebracht, die nur noch Streckenabschnitte hell ausleuchten, auf denen sich gerade ein Radfahrer oder eine Fußgänger bewegt. Dank kleiner Sensoren unterhalb der Leuchtkörper „wandert“ der Lichtkegel über den Streckenverlauf mit den Radfahrern und wird anschließend nach knapp 60 Sekunden Hellbeleuchtung heruntergeregelt.

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