Die Alltagsmenschen von Christel Lechner erobern das Stadtbild in Hiltrup
„Oma sah auch so aus“

Münster-Hiltrup -

Ja, es geht noch was. Selbst in Corona-Zeiten müssen sich Kunst und Kultur nicht ins Schneckenhaus zurückziehen oder in die digitalen Welten des Internets flüchten. Lebensgroße Betonfiguren, auch Alltagsmenschen genannt, sind im Stadtbild angekommen.

Freitag, 15.05.2020, 12:30 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 17:26 Uhr
Die frischgewaschene Wäsche flattert vor der Kirche Alt-St. Clemens im Wind. Drei Wäschefrauen stehen um einen geflochtenen Korb und halten ein Schwätzchen. Das ist eine von 13 Stationen mit 42 Alltagsmenschen im Hiltruper Stadtbild.
Die frischgewaschene Wäsche flattert vor der Kirche Alt-St.-Clemens im Wind. Drei Wäschefrauen stehen um einen geflochtenen Korb und halten ein Schwätzchen. Das ist eine von 13 Stationen mit 42 Alltagsmenschen im Hiltruper Stadtbild. Foto: gro

Ja, es geht noch was. Selbst in Corona-Zeiten müssen sich Kunst und Kultur nicht ins Schneckenhaus zurückziehen oder in die digitalen Welten des Internets flüchten.

Christels Lechners Alltagsmenschen kennen keine Scheu vor der Begegnung mit Menschen. Corona hin oder her: Die Künstlerin sucht mit ihrer Kunst den direkten Kontakt zu den Menschen. Ihre Betonfiguren, die sie Alltagsmenschen nennt, platziert sie seit 30 Jahren mit Vorliebe auf Marktplätzen, in Fußgängerzonen und somit überall dort, wo Menschen unterwegs sind. In Hiltrup hat sie 40 Figuren auf einer Strecke vom Garten der Hiltruper Missionsschwestern über die Patronatsstraße und die Marktallee bis zum Bahnhof platziert.

Vor der St.-Clemens-Kirche kommt es zu einer Menschenansammlung. Es sind ganz offensichtlich gut gelaunte Menschen, die in einer Polonaise über den Kirchplatz laufen. „Mein Gott, sind die bekloppt“, sagt die Künstlerin selbst. Wenn man das Treiben aus der Ferne betrachtet, müsse man zwangsläufig so denken, sagt sie. Mache man aber mit und lasse sich darauf ein, dann merke man schnell, wie toll es sein kann.

Leider, leider, eine eigene Polonaise um die versammelten Betonfiguren herum ist derzeit untersagt. Doch wer möchte, kann sich einreihen. An einer Stelle zwischen den Betonfiguren gibt es eine Lücke. Stellt man sich in die Lücke, ist man schon mittendrin. Das könnte ein beliebtes Fotomotiv werden.

Christel Lechner sagt: „Vielleicht muss man über sich selbst lächeln. Das ist in diesen Zeiten besonders wichtig.“

Mit der schönen Kirche Alt-St.-Clemens im Hintergrund sind drei Wäschefrauen zu sehen. Die Wäsche flattert im Wind. „Meine Oma sah genauso aus“, sagt ein junger Mann. Er hat sie so in Erinnerung behalten, dass sie auf dem Hof ständig in einem Kittel herumlief. Ein Bild aus dem Alltag eben.

Eigentlich sollte die Ausstellung, die von der Kulturbühne unter Leitung von Annette Paßlick-Wabner organisiert wurde, bereits Ende März beginnen. Corona-bedingt wurde der Start verschoben. Abgebaut wird sie bereits am 5. Juli, weil auf Christel Lechner und ihr Team noch vier weitere Ausstellungen in diesem Sommer warten.

Doch es gibt eine gute Nachricht: Wenn es eben möglich ist, werden die Alltagsmenschen zum Jahresende ein zweites Mal kommen. „Für eine kleine Winterfreude“, wie Christel Lechner es formuliert. Übrigens: Parallel ist in Telgte ab diesem Wochenende eine zweite Ausstellung mit insgesamt 52 Alltagsmenschen zu sehen.

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