Ehrenamtliche und Handwerker nutzen die Zeit für Reparaturen
Kulturbahnhof im Pausenmodus

Münster-Hiltrup -

Aus den alten Linden erschallt leises Vogelgezwitscher. An der Rückseite des Hiltruper Bahnhofs rauschen schnelle Fernzüge vorbei und manchmal auch ein rumpelnder Güterzug. Aber im Inneren des Kulturbahnhofes? Da müsste es doch seit dem Beginn der Corona-Krise ziemlich still sein. Doch keineswegs!

Montag, 15.06.2020, 17:16 Uhr
Der Kulturbahnhof empfängt derzeit keine Gäste, stattdessen legen Handwerker und Ehrenamtliche Hand an (v.l.): Ulli Breker, Manfred Roethel und Günter Zimmermann sind mit einer Elektroinstallation befasst.
Der Kulturbahnhof empfängt derzeit keine Gäste, stattdessen legen Handwerker und Ehrenamtliche Hand an (v.l.): Ulli Breker, Manfred Roethel und Günter Zimmermann sind mit einer Elektroinstallation befasst. Foto: Stadtteiloffensive Hiltrup

Aus dem Keller sind eindeutig Maschinengeräusche zu hören und im Innenraum wird ein Gerüst aufgebaut. Ab und zu probt ein Schlagzeuger ganz alleine im großen Bahnhof. Unüberhörbar ist auch das ständiges Telefonklingeln. Es gibt also doch noch Leben im Kulturbahnhof Hiltrup.

Handwerker und alle Ehrenamtlichen aus dem Team des Kulturbahnhofs haben jetzt freie Hand für dringende Arbeiten, die sonst nur schwer zu erledigen wären. Wie zum Beispiel die Arbeiten am Revisionsschacht und einer Pumpe. Steckdosen an kaum erreichbaren Stellen werden erneuert. Jetzt, wo die Lockerungen auch wieder private Feste mit bis zu 50 Personen erlauben, sind Anfragen zur Anmietung des Gebäudes der Gegenstand vieler Telefongespräche.

Der einsame Schlagzeuger erinnert jedoch an den eigentlichen Zweck des Gebäudes: Kultur in jeglicher Form – und die lebt vom Publikum. Und das fehlt zurzeit. Die aktuellen Corona-Regeln ließen keine größeren Veranstaltungen im Kulturbahnhof zu, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadtteiloffensive Hiltrup . „Das bedeutet aber nicht, dass Alle und Alles am Kulturbahnhof Hiltrup im Tiefschlaf liegt. Flexibilität und Umdenken ist zurzeit die Devise“, schreiben die Verantwortlichen. So hätten jetzt einzelne Musiker und einige wenige Sänger Gelegenheit, den Kulturbahnhof Hiltrup als Probenraum zu nutzen. Die ersten Veranstaltungen mit Wortbeiträgen und Kabarett sowie Ausstellungen seien zwar bereits angedacht. Weil im Kulturbahnhof der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann seien diese Ideen jedoch bislang noch mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Überhaupt ist das Fragezeichen über dem Kulturbahnhof allgegenwärtig: Nach heutigem Stand der Dinge gehen die Verantwortlichen davon aus, dass „frühestens ab September 2020“ wieder an einen normalen Kulturbetrieb zu denken ist – trotz der neuen Lockerungen in NRW und auch nur wenn Alles gut gehe.

Die Zwangspause ist für einen Kulturbahnhof Hiltrup deswegen weiterhin „unendlich teuer“, betont die Stadtteiloffensive. Sämtliche fixen Kosten laufen weiter und es besteht keine Möglichkeit, irgendwelche Einnahmen zu generieren. Bislang konnte die Stadtteiloffensive die größten Einnahmeausfälle durch Rücklagen abfedern. Wie berichtet, hält der Verein außerdem Ausschau nach geeigneten Fördermöglichkeiten. Doch mittlerweile dauert die Durststrecke schon allzu lange: „Daher sind größere und kleinere Geldspenden für den Kulturbahnhof Hiltrup gerade jetzt sehr willkommen“ so die Pressemitteilung der Stadtteiloffensive Hiltrup.

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