Durch die Sanierung der Prinzbücke wird dringend benötigte Zeit gewonnen
Sie bleibt noch ein Weilchen

Münster-Hiltrup -

Nochmals werden eine halbe Million Euro in die abgängige Prinzbrücke gesteckt.

Freitag, 17.07.2020, 10:53 Uhr aktualisiert: 17.07.2020, 17:20 Uhr
Auf der westlichen Seite gab es bereits im Jahr 2011 eine neue Verankerung der Zugbänder. Jetzt werden die Zugbänder der Prinzbrücke komplett erneuert.
Auf der westlichen Seite gab es bereits im Jahr 2011 eine neue Verankerung der Zugbänder. Jetzt werden die Zugbänder der Prinzbrücke komplett erneuert. Foto: gro

Tief hat sich der Rost eingefressen. „Bloß weg mit der alten Rostlaube“, sagen die einen. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendwann in den letzten Jahrzehnten die Prinzbrücke jemals einen Schutzanstrich erhalten hätte“, sagen andere, denen etwas im Ortsbild fehlen wird, wenn die markante Stabbogenbrücke irgendwann aussortiert und vermutlich in einem Stahlhochofen verschwinden wird.

Dieser Zeitpunkt wird jetzt noch einmal nach hinten verschoben. Die Prinzbücke erhält gegenwärtig lebensverlängernde Maßnahmen. Es soll die letzte große Investition in die Brücke aus dem Jahr 1907 sein, sagt Ulrich Wieching , der Leiter des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes Rheine. Etwas mehr als eine halbe Million Euro werden abermals in die Brücke gesteckt.

Wie lange die Brücke durchstehen soll oder muss, dazu halten sich die Offiziellen wohlweislich mit Prognosen zurück. Zu oft hieß es in den vergangenen Jahren, der Abriss stehe unmittelbar bevor. Termin um Termin verstrich. Zunächst war von 2007 die Rede. 2009, als das Brückenfest gefeiert wurde, wurde eine Gnadenfrist bis 2014 eingeräumt. Alles Schnee von gestern. Totgesagte leben bekanntlich länger. Für die Prinzbrücke gilt das allemal.

Die Gründe sind vielfältig. Technische Lösungen waren zunächst nicht einfach zu finden. Die Planer konnten ihr Glück kaum fassen, als die Lösung mit dem Auffahrtsohr auf den Tisch kam und die Stadt Münster ihre Bereitschaft erklärte, dafür ein kleines Waldstück zur Verfügung zu stellen. Doch bekanntlich wusste die Stadt Münster über Jahre nicht mehr, was sie wirklich wollte. Die Prinzbrücke wurde Spielball der Kräfteverhältnisse im Rat. Mittlerweile scheint der Vorschlag mit dem Auffahrtsohr endgültig verworfen. Das Wäldchen wird nicht angetastet.

Viele Detailfragen wurden beflissen ausgeblendet. Etwa die Enge zwischen den Brücken, die ein Problem in der Bauphase ist. Oder der künftig – deutlich steilere – Anstieg für Radfahrer auf den Anfahrtrampen. Es trifft zu, dass die Brücke verbreitert werden soll. Jedoch sollen Radfahrer, Fußgänger und Schwerlastverkehr sich weiterhin die Fläche auf der Brücke teilen – übrigens sehr zur Sorge der Polizei.

Mit der mittlerweile dritten größeren Sanierung wird abermals Zeit gewonnen. Bereits 2009 wurden die Fachwerkbögen durch rote Stahlplatten verstärkt. Gleiches passierte mittlerweile an einigen Winkelverbänden in der Obergutebene. Die Verstrebungen unterhalb der Fahrbahntafel wurden ausgetauscht, „Man muss sich zu helfen wissen“, sagen die zuständigen Ingenieure.

2011 erfolgte die erste aufwendige Baumaßnahme, um auf der westlichen Seite die Zugbänder der Brücke neu zu verankern. Diese Konstruktion wird nun zurückgenommen. Die Zugbändern werden bis Ende August komplett erneuert. Wenn ein Schiff tatsächlich gegen die Brücke fahren sollte, würde der Aufprall besser abgefedert und der Totalschaden der Bücke möglicherweise abgewendet werden.

Zeit für die Planfeststellung, die Vorbereitung und Durchführung der Bauphase wird nun vorhanden sein. Ob die Brücke jetzt weitere drei oder gar fünf Jahre hält, wie an der Baustelle zu hören ist, ist offen. Sicher ist nur: Die alte Dame bleibt den Hiltrupern noch ein Weilchen erhalten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7496866?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F138%2F
Nachrichten-Ticker