Idee einer Parkpalette am Bahnhof Hiltrup trifft auf wenig Gegenliebe
Auch auf der Ostseite wäre Platz

Münster-Hiltrup -

Auf wenig Gegenliebe ist der Vorschlag getroffen, eine Parkpalette am Hiltruper Bahnhof zu errichten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einer hat auch mit der Deutschen Bahn zu tun.

Dienstag, 18.08.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 20.08.2020, 10:12 Uhr
Neue ebenerdige Stellplätze oder eine Parkpalette neben dem Bahnhof – darüber wurde in der Bezirksvertretung kontrovers debattiert.
Neue ebenerdige Stellplätze oder eine Parkpalette neben dem Bahnhof – darüber wurde in der Bezirksvertretung kontrovers debattiert. Foto: gro

Vor wenigen Tagen traten die Grünen mit dem Vorschlag in die Öffentlichkeit, direkt am Bahnhofsgebäude eine Parkpalette zu errichten. Neu ist der Vorschlag nicht. Er wurde bereits vor Jahren diskutiert – und am Ende verworfen. Dafür gibt es Gründe.

Ein Thema hat sich nach der Umgestaltung des Bahnhofsumfeldes durch all die Jahre gezogen: Die Schaffung neuer Stellplätze. In Corona-Zeiten freilich hat sich das Problem reichlich entspannt. Kurzarbeit und Homeoffice machen es möglich.

Mittlerweile gibt es einen Vorschlag, ad hoc Abhilfe die Zahl der Stellplätze zu erhöhen. Ein Eckgrundstück am östlichen Ende der Max-Winkelmann-Straße will die Stadt Münster zu einer Parkfläche herrichten. 70 Stellplätze sollen entstehen.

Dazu will die Stadt die Fläche von der BASF pachten. In 20 Jahren soll das Grundstück an die BASF zurückgehen. Der Ausbau des Park-and-Ride soll mit der künftigen Entwicklung des Bahnhofes Schritt halten. Bekanntlich soll der Bahnhaltepunkt Hiltrup in Kürze zu einem S-Bahn-Knotenpunkt weiterentwickelt werden und würde weitere Pendler anziehen. Dass derzeit Fördermittel in Höhe von 90 Prozent der 220 000 Euro teuren Gesamtmaßnahme winken, die Parkflächen zu erweitern, erleichtert die Entscheidung.

Eine Investition der Stadt auf der Privatfläche eines Unternehmens ist nicht nach dem Geschmack der Grünen. Auch die Linken warnen vor einem Schnellschuss. Der Bau einer Parkpalette im Bereich bisheriger Stellplätze an den Bahngleisen wäre eine Investition auf städtischem Grund und würde zudem keine weitere Flächenversiegelung bedeuten, warben die Grünen für Unterstützung.

Allerdings wäre die Stadt auf die Mithilfe der Deutschen Bahn angewiesen. Die Bahn müsste einen fünf Meter breiten Streifen entlang der Gleise abtreten. Erst dann ließen sich 40 bis 50 neue Stellplätze schaffen.

Bereits vor annähernd zehn Jahren hatten Stadt und Deutsche Bahn darüber verhandelt. Die Gespräche verliefen im Sande. Seit 2013 hätte keine Gespräche mehr gegeben, berichtete Verkehrsplaner Stefan Pliquett vor der Bezirksvertretung. Während die Grünen das bedauern, trauert die CDU dem keine Träne nach.

Denn erstens sei ein Betonkasten neben dem Denkmal geschützten Bahnhof alles andere als optisch ansprechend. Zudem würde sich eine Parkpalette schnell zu einem Treffpunkt von Leuten entwickeln, die man nicht am Bahnhof und seinem Umfeld haben möchte (Stichwort „Angstraum“). Das Thema Parkpalette habe sich seit 2014/15 erledigt, bilanzierte Ratsherr Stefan Leschniok (CDU).

Hermann Geusendam-Wode (SPD) schätzte die Parksituation nicht als übermäßig angespannt ein. „Der große Notstand ist hier nicht eingetreten. Wenn man neue Stellplätze errichten wolle, dann könne man das pro­blemlos auf der Ostseite der Gleisanlagen machen.“ 80 Stellplätze ließen sich hier einrichten.

Diesem Vorschlag gegenüber zeigte sich auch die CDU nicht abgeneigt. Zunächst jedoch möchte sie die 70 Stellplätzen auf der Westseite realisieren. Am 26. August entscheidet der Rat.

Ein seltenes rhetorischen Bonmot aus der Debatte gilt es nachzutragen: Als der Grünen-Sprecher Carsten Peters kritisch anmerkte, die Verhandlungen mit der BASF seien erst 2019 aufgenommen wurde, wurde er prompt von SPD-Fraktionschef Geusendam-Wode korrigiert. „Ja, ja, es ist Wahlkampf“, versuchte Peters daraufhin abzuwiegeln, was wiederum Geusendam-Wode dazu veranlasste, die Vergesslichkeit der Grünen aufs Korn zu nehmen. „Amnesie bei den Grünen ist das hier, nicht Wahlkampf.“

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