Bezirksvertretung: Parteien suchen nach Wegen aus der Patt-Situation
Denkbar ist jetzt unglaublich viel

Münster-Hiltrup/Amelsbüren. -

Während die Hiltruper bei den Oberbürgermeisterwahlen eine klare Vorliebe äußern, bleiben sie beiden Wahlen zu ihrer Bezirksvertretung unbestimmt.

Montag, 14.09.2020, 19:08 Uhr
Die politischen Verhältnisse in Hiltrup sind derzeit offener denn je.
Die politischen Verhältnisse in Hiltrup sind derzeit offener denn je. Foto: Grottendieck

Wenn immer alles so eindeutig wäre wie bei den Oberbürgermeisterwahlen. In Hiltrup errang Markus Lewe 55,08 Prozent der Stimmen – und wäre mit diesem Ergebnis souverän wiedergewählt. Stadtweit sprangen für Lewe nur 44,6 Prozent heraus. Das stadtweit beste Ergebnis, das er in Hiltrup erzielte, bewahrt ihn nicht vor einer Stichwahl. Am 2. September heißt es daher: Lewe oder Todeskino?

Wer macht in Hiltrup das Rennen um den Posten des Bezirksbürgermeisters? Wird es erneut Joachim Schmidt ( CDU ), der dann seine dritte Amtszeit antreten würde, aber auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen wäre? Oder hat der Amelsbürener Friedhelm Schade eine ernsthafte Chance, der für die SPD vor der Wahl seinen Hut in den Ring geworfen hat? Doch auch die Grünen spielen jetzt mit. Jedenfalls schließen sie nichts mehr aus. „Zur Frage der/des künftigen Bezirksbürgermeisters/in werden wir unser Vorgehen noch beraten“, erklären Julia Burkhardt und Carsten Peters für die Grünen gegenüber unserer Zeitung. Vielsagend fügen sie hinzu: „Für uns liegen alle Optionen ergebnisoffen auf dem Tisch“. Gibt es am Ende einen grünen Bezirksbürgermeister (etwa Wilfried Stein aus Berg Fidel) oder (mit Julia Burkhardt) eine grüne Bezirksbürgermeisterin?

Hiltrups SPD-Vorsitzender Simon Kerkhoff hält weiterhin an dem Ziel fest, „eine Mehrheit jenseits der CDU“ zu organisieren und erklärt den Anspruch der SPD, in diesem Fall den Bezirksbürgermeister zu stellen. „Friedhelm Schade wird seine Kandidatur nicht zurückziehen“, erklärt er. Ein Grund für den Streit zwischen Grünen und SPD liegt in dem Wahlergebnis. Bei den Wahlen zum Rat sowie bei den Oberbürgermeisterwahlen waren die Sozialdemokraten stärker als die Grünen. Bei den Wahlen zur Bezirksvertretung hatten die Grünen allerdings die Nase vorne.

Zunächst einmal droht ein Patt: Weder SPD, Grüne und Linke noch CDU und FDP hätten eine eigene Mehrheit. Beide Lager, so sie denn in dieser Form vorausgesetzt werden dürfen, würden die notwendige Mehrheit verfehlen.

Zünglein an der Waage könnte ausgerechnet die AfD sein, die mit einem neuen Vertreter erneut in die Bezirksvertretung gezogen ist.

Alexander Leschik ist als stellvertretender Kreisvorsitzender der zweite Mann der AfD in Münster, gilt aber in Hiltrup als weitestgehend unbekannt. In die Situation, dass die AfD am Ende bestimmt, wer das Amt des Bezirksbürgermeisters übernimmt, will keine der anderen Parteien kommen.

Besonders schwierig wäre die Situation für die CDU. Auf die Unterstützung der FDP kann sie nach Informationen unserer Zeitung bauen. „Mein Herz schlägt für Schmidt, wenn er wieder antritt“, legte sich Ulrich Eckervogt am Montag bereits fest. Weiterhin würde eine Stimme zur Mehrheit fehlen. Diese müsste entweder von den Linken oder der AfD kommen. Auf diese Gedankenspiele will sich Bezirksbürgermeister Joachim Schmidt nicht einlassen. „Wir wollen erst mal abwarten, wie sich die Dinge in Münster sortieren. Wer mit wem zusammengehen will.“ Wenn die CDU mit den Grünen oder mit der SPD zusammengehe werde, werde das Auswirkungen auf die Bezirksebene in Hiltrup haben, so Schmidt.

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