Erwin Löhr stellt sein neues Werk vor
Eine Kunst des Ausgleichs

Münster-Hiltrup -

Kann die Kunst einen Betrag dazu leisten, in einer angemessenen Form über den Klimaschutz zu debattieren? Erwin Löhr ist davon überzeugt.

Sonntag, 11.10.2020, 09:28 Uhr
Erwin Löhr
Erwin Löhr Foto: gro

Die Erde ächzt und stöhnt, weil der Mensch, der sich gerne als Krone der Schöpfung betrachtet, es schafft, alles kaputt zu bekommen. „Kein Grad mehr“, schreien die Demonstranten von Fridays for Future immer lauter. Ein Künstler wie Erwin Löhr mahnt schon seit Jahrzehnten. Durch sein Werk zieht sich wie ein roter Faden die Sorge über die fortschreitende Zerstörung der Natur. Erneut hat der Hiltruper Künstler sich mit „der ernsten Klimasituation“ auf der Erde beschäftigt.

Die Gefährdung der Natur könne in einer totalen Vernichtung münden, hat Löhr zuletzt in seinen „sodomitischen Landschaften“ gewarnt. Er hatte sich dabei der biblischen Geschichte von Sodom und Gomorrha bedient, die im Chaos versanken.

Jetzt greift der 85-jährige Erwin Löhr nochmals tief in die Kunst- und Philosophiegeschichte. Er erinnert an die Lehre eines griechischen Philosophen, der vor rund 2400 Jahren gelebt hat. Der Philosoph und Universalgelehrte, der übrigens die modernen Naturwissenschaften vorwegnahm, mahnte seine Zeitgenossen zu mehr Gelassenheit und Ausgeglichenheit. Die wiederum nannten Demokrit, der die Welt durch zahlreiche Reisen so gut kannte wie ansonsten niemand, den „lachenden Philosophen“.

Erwin Löhr betont den Begriff des Gleichgewichts, wenn er über Demokrit spricht. „Alles, was negativ oder auch leuchtend ist, hat in sich bereits einen gewissen Ausgleich“, betont der Künstler. Demokrit habe „den Ausgleich philosophisch vorgeben“.

Auch Löhr strebt ein Gleichgewicht an. Es geht ihm um einen Ausgleich auch in seinem eigenen Werk der vergangenen Jahre. Geprägt vom christlichen Glauben hat er immer wieder Motive aus der Bibel aufgegriffen, die er gerne als „andere Geschichten der Bibel“ tituliert hat. Das Licht der Welt, das nach christlicher Überzeugung durch Christus als Sohn Gottes in die Welt kam, war ihm immer wieder Thema. Etwa in seinen zahlreichen Weihnachtsbildern oder in der großen Glasmalerarbeit „Morgenglanz der Ewigkeit“ für eine Kirche in Detmold.

Zugleich ist Löhr immer wieder mit Vanitas-Gestaltungen hervorgetreten. Am bekanntesten sind seine Darstellungen der an sich prächtigen Amaryllis, deren Blüten allerdings Anzeichen des Verwelkens verraten. Hinzu kommen die Arbeiten, in denen Löhr vor Naturzerstörungen mahnt, die sich als „unumkehrbar und unaufhörlich“ erweisen könnten.

Diesen beiden Stränge will Löhr nicht unvermittelt nebenein­ander stehen lassen. Er will diesen Gegensatz – hier das Licht, dort das Chaos – „etwas verträglicher“ machen. Er spricht vom Licht im Chaos. ­„Das Dunkel wird oft ausgeglichen durch das Leuchten.“ Und: „Es ist nicht alles nur hell oder nur dunkel.“

Und damit ist Löhr wieder bei seinem Philosophen Demokrit – und bringt eine weitere bedeutende Person der Kunstgeschichte ins Spiel: den spanischen Maler Diego Velázquez (1599-1660). Velázquez hat das Bild von Demokrit entscheidend mitgeprägt. In seiner Darstellung erscheint der altgriechische Philosoph als Zeitgenosse des barocken Malers. Er ist entsprechend gekleidet und frisiert und steht an einem Globus.

Diesen quirligen und abenteuerlustigen, gebildeten und weit gereisten Mann holt Erwin Löhr nun in das 21. Jahrhundert. Gesichtsausdruck, Schnurrbart und Frisur bleiben zwar wie in der Darstellung ­von Velázquez. Im Löhrschen Bild fällt die betont gelassene Haltung auf, die die Figur des Demokrits einnimmt. Löhr sieht darin seinen Beitrag zur Beruhigung einer in Schieflage geratenen Natur.

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