Kreisverkehr Meesenstiege
Fahrbahnschwellen als Bremse für Gefahrenpunkt

Münster-Hiltrup -

Am Kreisverkehr an der Meesenstiege Ecke Hünenburg wurden Fahrbahnschwellen montiert. Die Maßnahme ist alles andere als gewöhnlich: In Münster wird zum ersten Mal auf diese Technik zurückgegriffen. Ob sich damit der hartnäckige Unfallschwerpunkt endgültig entschärfen lässt?

Dienstag, 13.10.2020, 16:15 Uhr aktualisiert: 13.10.2020, 21:02 Uhr
An den vergangenen zwei Tagen wurden im fließenden Verkehr Fahrbahnschwellen auf dem Kreisverkehr an der Meesenstiege Ecke Hünenburg montiert.
An den vergangenen zwei Tagen wurden im fließenden Verkehr Fahrbahnschwellen auf dem Kreisverkehr an der Meesenstiege Ecke Hünenburg montiert. Foto: mlü

Der Polizeibericht liest sich dramatisch: Als der Lastwagen die Radfahrerin erfasst, reagiert sie sofort – die Frau springt von ihrem Fahrrad, drückt es unter den Reifen des Lastwagens und sich damit weg. Sie fällt zu Boden und wird schwer verletzt. Doch hätte sie nicht so geistesgegenwärtig gehandelt, wäre die Frau wohl überrollt worden. Der Ort des Geschehens: Der Kreisverkehr Meesenstiege Ecke Hünenburg vor einem Monat. Jetzt wird die Kreuzung nachgebessert.

Vorfälle dieser Art haben die Stadt Münster dazu veranlasst, Fahrbahnschwellen auf dem Kreisverkehr anzubringen. Eine absolute Premiere in Münster. So etwas gibt es nicht einmal auf dem berühmt-berüchtigtem Ludgeri-Kreisel, bestätigt Kora-Kristin Klingenberg aus dem Amt für Mobilität und Tiefbau. Sie leitete am Montag und Dienstag die Bauarbeiten auf dem Kreisverkehr.

Fahrbahnschwellen auf dem Beton-Innenring

Die Fahrbahnschwellen wurden mit einem Kleber auf dem Beton-Innenring des Kreisels fixiert und anschließend mit Dübeln im Asphalt verankert. Aus Sicht der Stadt Münster ist die Lage klar: Schuld an den Unfällen hätten die Auto- und Lastwagenfahrer, die zu schnell in den Kreisverkehr einfahren, deswegen Radfahrer übersehen und ihnen die Vorfahrt nehmen.

Die neuen Fahrbahnschwellen sollen Autofahrer dazu bringen, den Kreisverkehr nur noch auf der äußeren Fahrbahn zu durchfahren. Das geht nur bei moderaten Geschwindigkeiten. Lastwagen und Busse können mit ihrem größerem Wendekreis zwar auch weiterhin den Beton-Innenring benutzen, müssen aber ebenfalls abbremsen, wenn sie nicht über die Fahrbahnschwellen scheppern wollen.

Ob der Gefahrenpunkt damit endgültig entschärft wird? Bislang konnten weder Tempo 30, noch die neuen Laternen oder die hoch umstrittenen Stopp-Schilder am Kreisverkehr (die 2019 aufgestellt wurden) dafür sorgen, dass die Unfallzahlen nach unten gehen. Der öffentlich zugängliche Unfallatlas des Statistischen Landesamtes weist alleine für das Jahr 2019 fünf Unfälle mit Personenschaden aus. Unabhängige Zahlen liefert das Projekt „Code for Münster“ , sie zeichnen ein ähnliches Bild für 2018. Gemessen an Hiltruper Verhältnissen sind das Spitzenwerte.

Anwohner sprechen von „Steuerverschwendung“

Nichtsdestotrotz sorgen die Maßnahmen für Unmut bei den Anwohnern. Als am Montag die ersten Dübel in den Asphalt versenkt werden, sprechen einige Zuschauer am Straßenrand von einer „Steuerverschwendung“. Vor allem die Stoppschilder seien absurd, ist öfters zu hören. „Dann kann man auch gleich eine Kreuzung mit Ampeln bauen.“

Einer der Anwohner argumentiert: Die ganzen Maßnahmen könne man sich sparen, wenn eine hoch gewachsene Hecke an der südlichen Hünenburg weg käme. Sie würde die Sicht auf den Radweg zum Reiterhof blockieren. Tatsächlich passieren aber fast alle Unfälle nicht an dieser Einfahrt, sondern auf der Hauptverkehrsachse – der Meesenstiege.

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