Scheipers Zeugnis über Bernhard Poether
„Ich habe ihn bewundert“

Münster-Amelsbüren/Hiltrup -

Bernhard Poether ist in Hiltrup aufgewachsen. Hermann Scheipers hat später in Amelsbüren gelebt und gewirkt. Begegnet sind sich beide Priester im Konzentrationslager Dachau. Wie Scheipers sich daran erinnert hat, war Thema eines Vortrages, zu dem das Ökumenische Bildungswerk eingeladen hatte.

Donnerstag, 29.10.2020, 21:44 Uhr
Weil die Urne derzeit in der St.-Sebastian-Kirche aufbewahrt wird, hatte das Ökumenische Bildungswerk Amelsbüren zu einem Vortragsabend über Bernhard Poether eingeladen.
Weil die Urne derzeit in der St.-Sebastian-Kirche aufbewahrt wird, hatte das Ökumenische Bildungswerk Amelsbüren zu einem Vortragsabend über Bernhard Poether eingeladen. Foto: gro

Als Hermann Scheipers vor gut vier Jahren im biblisch anmutenden Alter von 103 Jahren in Ochtrup starb, war er hoch angesehen. Scheipers galt als der letzte überlebende KZ-Priester aus Dachau. Er erzählte oft aus dieser Zeit, was in Amelsbüren durchaus bekannt ist. Denn Scheipers lebte von 1983 bis 1990 einige Zeit Jahre in Amelsbüren.

In Dachau hatte er den in Hiltrup aufgewachsenen Bernhard Poether kennengelernt, der am 5. August 1942 an Entkräftung und Unterernährung starb. Knapp ein Jahr lang lebten beide Priester im Block 26 gemeinsam auf der Stube drei und verloren sich dennoch zeitweise aus den Augen. Als im Frühjahr 1942 Zwangsarbeit auf der Plantage oder dem offenen Feld angesagt war, „da gab es keine Möglichkeit zum kurzen Gespräch. Wir wurden regelrecht gehetzt“, sagte Scheipers.

In den Monaten zuvor hatte es noch anders ausgesehen. Scheipers und Poethers hatten, nachdem alle deutschen Priester in einem Block zusammengefasst wurden, schnell bemerkt, dass beide aus dem Bistum Münster stammten und wegen ihrer Polenseelsorge ins KZ verschleppt wurden.

In einem Interview, das Scheipers 2008 gegeben hatte, machte der damals 95-jährige Geistliche keinen Hehl daraus, welch große Bewunderung er für Bernhard Poether entwickelt hatte. „Ich war ein bisschen neidisch wegen seiner Sprachbegabung. Ich konnte kein Polnisch – nur ein paar Brocken – und er beherrschte die polnische Sprache.“ Er bewunderte zudem Poethers „ganze Haltung und Frömmigkeit“.

Im Sommer 1942 waren beide eine Zeit lang dem gleichen Arbeitskommando zugeordnet. Als Scheipers nach seiner Rückkehr aus dem Invalidenblock von dem Tod Poethers erfuhr, war sein Schock groß, wie er bekannte. „Ich hatte ja ein besonders Verhältnis zu ihm.“ Und weiter: „Ich habe ihn gleich als Märtyrer seines Priestertums angesehen, als einen, der für Christus sein Lebensopfer dargebracht hat.“

Auf Einladung des Ökumenischen Bildungswerks hatte Michael Grottendieck die beiden Lebenswege, die Bezüge zu Amelsbüren und Hiltrup sowie das schriftliche Zeugnis von Scheipers über Kaplan Poethers dargestellt. Der Vortrag fand Corona-bedingt in der St.-Sebastian-Kirche statt, in der aktuell die Urne mit den Ascheresten Poethers aufbewahrt wird. Pfarrer em. Ewald Spieker hob die Bedeutung der Aussagen Scheipers für eine mögliche Seligsprechung hervor. Unter den 30 Zuhörern befand sich neben der Nichte von Karl Leisner, der in Hiltrup wohnenden Monika Kaiser-Haas, auch eine Verwandte von Hermann Scheipers. Elisabeth Glock ist die Tochter von Scheipers Zwillingsschwester Anna, die ihren Bruder 1942 vor dem sicheren Vergasungstod retten konnte. Das ist wiederum eine eigene Geschichte.

 

 

 

 

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