Erwin Löhr malt Michelangelo
Ein Hauch von Florenz

Münster-Hiltrup -

Der berühmte Michelangelo hat 1504 mit einem „Tondo“ ein Tafelbild gemalt, das eine besondere Stellung in seinem Werk einnimmt. Der Hiltruper Maler Erwin Löhr, der bekannt ist für seine Zitate aus der Kunstgeschichte, hat sich nun an dieses Werk herangewagt.

Samstag, 21.11.2020, 09:58 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 10:01 Uhr
Passend zu seinem 86. Geburtstag präsentiert der Hiltruper Maler Erwin Löhr eine neue Arbeit. Am liebsten würde er sie im Rahmen einer Ausstellung öffentlich zeigen.
Passend zu seinem 86. Geburtstag präsentiert der Hiltruper Maler Erwin Löhr eine neue Arbeit. Am liebsten würde er sie im Rahmen einer Ausstellung öffentlich zeigen. Foto: gro

Sie spricht aus, was auch ihr Mann denkt: „Schade, dass man derzeit nicht ausstellen kann.“ Ingrid Löhr ist Autorin, kann keine Lesungen abhalten und vermisst, wie sie sagt, den Kontakt mit dem Publikum.

Ihr Mann hat seit Monaten ein fertiges Konzept in der Schublade für eine Ausstellung im Hiltruper Museum. Sie konnte bislang nicht stattfinden – und wird es wohl auf absehbare Zeit nicht. Das alles hält Erwin Löhr , der am Samstag seinen 86. Geburtstag feiert, keineswegs davon ab, weiterhin tätig zu bleiben.

An einen der ganz Großen hat sich Erwin Löhr gewagt. Er ist ein Fixstern am Firmament der Kunstgeschichte. Die Rede ist von dem Renaissance-Maler Michelangelo. Der große Michelangelo hat nicht nur die Sixtinische Kapelle ausgemalt oder so weltberühmte Skulpturen wie den David oder den Moses geschaffen. Der Freskant und Bildhauer hat 1504 mit einem „Tondo“ ein Tafelbild gemalt, das eine besondere Stellung in seinem Werk einnimmt. „Nach Expertenmeinung ist es sein einziges Tafelbild“, sagt Erwin Löhr.

An dieses Bild hat er sich herangewagt, weil es ihn so ungeheuer angesprochen hat. Wenn er von der Gestaltung, der Plastizität und der Wirkung dieses Rundbildes spricht, gerät Löhr förmlich ins Schwärmen. Michelangelo malte die Heilige Familie in Abweichung der traditionellen ikonographischen Darstellung.

„Nimm mir mal den Kurzen ab!“ Mit dieser Bitte könnte sich Maria an Josef gewandt haben. Oder ist es genau umgekehrt, dass Josef, der als ehrwürdiger Greis dargestellt ist, den Jesus-Knaben an dessen Mutter reicht? Diese Frage und viele weitere Details der Bildgestaltung haben Generationen von Kunsthistorikern beschäftigt. Heute mag vielleicht besonders auffallen, dass Michelangelo die Gottesmutter mit auffällig durchtrainierten Oberarmen gemalt hat. Sie wirkt ganz schön taff, die Gute.

Für den Maler sind die unterschiedlichen Faltenwürfe der opulenten Kleider eine besondere Herausforderung. Erwin Löhr, der seine Liebe zum Detail in unzähligen Miniaturen, aber auch in den großformatigen Architekturstudien zu Johann Conrad Schlaun mehrfach unter Beweis gestellt, meistert auch diese Herausforderungen mit Bravour.

Auf den Bildhintergrund, wie er von Michelangelo vorgegeben wurde, verzichtet Löhr. Es sei ihm darum gegangen, die „Dreier-Gruppe in ihrer großartigen Konstruktion in meine eigene Vorstellung von einem Bildgeschehen“ einzubauen. So holt Löhr das Flair eines weltberühmten Kunstwerkes, das heute in den Uffizien in Florenz zu bewundern ist, auf seine ihm eigene Weise in sein Atelier.

Ja, es ist auch ein Stück „Heile Welt“, die der Maler zeigt. Und er glaubt, das ist aktuell sehr zeitgemäß. Er will den Fokus auf die Bedeutung von Familie in der Pandemie richten. Familienzusammenhalt sei ein wirksames Instrument, dem Angriff des Virus stand zu halten. Somit hat er das passende Motiv für die Weihnachtskarten, die er in diesem Jahr verschicken wird, ebenfalls gefunden.

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