Spende für den Weihnachtscircus
„Uns fehlt die Manege – uns fehlt der Applaus“

Münster-Hiltrup -

Die Kirchengemeinde St. Clemens überreicht dem Hiltruper Weihnachtscircus eine Spende. „Ein echter Lichtblick“, bedankt sich Zirkusdirektor Thomas Egbers.

Mittwoch, 30.12.2020, 17:40 Uhr
Spendenübergabe auf dem Kirchplatz: Die Kirchengemeinde St. Clemens hat den Erlös einer Postkartenaktion an den Jugendcircus Alfredo verschenkt.
Spendenübergabe auf dem Kirchplatz: Die Kirchengemeinde St. Clemens hat den Erlös einer Postkartenaktion an den Jugendcircus Alfredo verschenkt. Foto: mlü

Den jungen Artisten vom Kinder- und Jugendcircus Alfredo blutet das Herz. Normalerweise stünden sie jetzt in der Manege des Hiltruper Weihnachtscircus. „ Weihnachten fühlt sich einfach nicht richtig an ohne den ganzen Stress, so seltsam das auch klingt“, sagt Daniel Brenda traurig. „Die schnellen Kostümwechsel, der Nervenkitzel, die Gemeinschaft – da fehlt etwas.“

Zum ersten Mal seit 1987 musste der Hiltruper Weihnachtscircus ausfallen. Die Schuld trägt das Corona-Virus. Der Verein hatte bereits im September die Reißleine gezogen und alle Vorbereitungen gestoppt. „Es wäre unerträglich, wenn wir während der Aufbautage dann doch noch absagen müssten“, hatte es damals geheißen. Die Ehrenamtlichen sollten Recht behalten. Im aktuellen Lockdown hätte kein noch so ausgefeiltes Hygienekonzept geholfen.

Der Zirkusdirektor Thomas Egbers findet keinen Trost darin, dass er vielleicht zum ersten Mal seit vielen Jahren ein entspanntes Weihnachtsfest feiern konnte. „Wenn ich ganz ehrlich bin: Es war kein schönes Weihnachten. Uns fehlt die Manege – uns fehlt der Applaus.“ Einige Eltern der jungen Artisten stimmen zu: Sie sind normalerweise als Platzanweiser, Popcornverkäufer und so weiter im Einsatz. „Auch wir spüren eine Leere“, sagt ein Vater.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die wichtigste vorweg – „wir halten zwar finanziell nicht ewig durch, aber noch eine ganze Weile“, sagt Egbers. Zumal zwischen der Stadt Münster und dem „Kinder- und Jugendcircus Alfredo“ ein Rechtsstreit über die Ablehnung eines Zuschussantrages entbrannt ist (wir haben berichtet).

Leichter macht es jetzt eine Spende der Kirchengemeinde St. Clemens in Höhe von 450 Euro. „Ein echter Lichtblick“, bedankt sich Egbers. Zur symbolischen Spendenübergabe auf dem Kirchplatz hat sich der Zirkusdirektor extra in seine blaue Prunkuniform geschmissen.

Die Gemeinde hatte Kinder ermuntert, schöne Weihnachtspostkarten zu gestalten. Einer Jury aus zwei Kindern, zwei Jugendlichen und zwei Erwachsenen ist es nicht leicht gefallen, sich für sechs der eingereichten Motive zu entscheiden. Die sechs besten Motive wurden als Postkarte gedruckt und verkauft. Der Erlös kommt jetzt dem Zirkusverein zugute. „Es wird nächstes Jahr wieder einen Malwettbewerb geben“, ermuntert die Ehrenamtskoordinatorin Christine Lucas die Kinder, die diesmal nicht gewonnen haben.

Und wie geht es jetzt weiter für die Alfredos? Vorerst kann niemand sagen, wann ein Training wieder möglich ist, geschweige denn Auftritte. Solange halten sich die Artisten mit Krafttraining und Dehnübungen fit – und treffen sich dafür im Videochat. „Dann bleibt man am Ball“, sagt Daniel Brenda. Er tritt seit fünf Jahren im Weihnachtscircus auf. „Durch die gemeinsamen Auftritte mit Zirkusartisten aus der ganzen Welt habe ich schon Menschen aus Mexiko und vielen anderen Ländern kennen gelernt.“

Wie geht es den professionellen Artisten aus der Zirkusbranche gerade? Thomas Egbers verzieht das Gesicht hinter der Maske. „Naja, wie soll es ihnen schon gehen. Beschissen eben.“

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