Deutsche Fußball Route NRW macht auch in Hiltrup Station
Fußball erwandern statt gucken

Münster-Hiltrup -

Der „Städteguide Münster“ der Deutschen Fußball Route NRW erinnert an die WM 1974 als sich das junge und ehrgeizige Team der niederländischen Fußballnationalmannschaft um Johan Cruyff im damaligen „Waldhotel Krautkrämer“ am Hiltruper See mehr als nur gut fühlte.

Montag, 04.01.2021, 09:40 Uhr
Hotel Krautkrämer stand 1974 im Fokus der Fußball-WM, als die niederländische Nationalmannschaft hier ihr Quartier hatte.
Hotel Krautkrämer stand 1974 im Fokus der Fußball-WM, als die niederländische Nationalmannschaft hier ihr Quartier hatte. Foto: Peter Sauer

Durch den harten Lockdown sind viele Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten tabu, fast alle Kultur-Veranstaltungen sind seit dem Frühjahr auf Eis gelegt, oder nur in abgespeckter Form realisierbar. Der Gang an die frische Luft bleibt in Pandemie-Zeiten weiterhin konkurrenzlose Alternative.

Da alle aktiven Fußballfreunde außerhalb des Profisports wegen der Corona-Regeln auch schon länger (sprichwörtlich) in die Röhre schauen müssen, trifft der Städteguide Münster der Deutschen Fußball Route NRW gleich mehrerer Fliegen mit einer Klappe.

Draußen kann man kulturelle Sehenswürdigkeiten mit der Erlebniswelt Fußball für sich erwandern, vom Theater Münster über das Historische Rathaus und den Hauptbahnhof über die Halle Münsterland und Berg Fidel zum Hotel Krautkrämer (Zum Hiltruper See 173).

Auf 80 Seiten führen die Buchautoren Gregor Gdawietz, früherer langjähriger Geschäftsführer des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbands, und Sportjournalist Roland Leroi (Deutsche Akademie für Fußball-Kultur) durch Münsters Fußball-Geschichte.

Der gut bebilderte und informativ beschriebene Erinnerungsweg führt an den ehemaligen Wohn-, Trainings- und Erlebnisstätten von Legenden wie Felix „Fiffi“ Gerritzen (Wohnhaus Diepenbrockstraße 29), Erwin Kostedde oder Bernd Trautmann vorbei, dort wo Geschichte geschrieben wurde. Einer von diesen Orten ist das Hotel Krautkrämer.

Der „Städteguide Münster“ der Deutschen Fußball Route NRW erinnert an die WM 1974 als sich das junge und ehrgeizige Team der niederländischen Fußballnationalmannschaft um Johan Cruyff im damaligen „Waldhotel Krautkrämer“ am Hiltruper See mehr als nur gut fühlte.

Und damit sind nicht nur die Angelpartien per Ruderboot auf dem dem See (mit Piet Keizer, Theo de Jong, Wim Rijsbergen und Johnny Repoder), oder die Sonnenbäder auf der Seeterrasse und auf der Waldwiese vor dem Parkplatz gemeint.

„Sogar die Münsteraner winkten ihren Gästen zu, wenn diese vom Spiel zurück mit dem bunten Mannschaftsbus mit dem Aufdruck der WM-Maskottchen Tip und Tap ins Hotel am Hiltruper See kamen oder morgens zum Training gingen.“, heißt es im Buch.

Nach erfolgreichen Spielen gegen Argentinien (4:0) und Brasilien (2:0) zog das „Oranje“-Team von Trainer Rinus Michels ins Finale gegen Deutschland. Mit einer Gesamtbilanz von fünf Siegen, einem Unentschieden und 14:1 Toren. Total überraschend verlor Oranje als Favorit das Finale von München mit 1 zu 2 gegen Beckenbauer, Overath und Müller.

Die Bild-Zeitung will in ihrer Ausgabe vom 2. Juli 1974 auf Seite 5 in großen Lettern genau gewusst haben, warum die „Oranjes“ plötzlich so schlapp gemacht hatten und titelte: „Cruyff, Sekt, nackte Mädchen und ein kühles Bad.“ Kurz vor dem Finale sollen sich demnach die Spieler Johan Cruyff, Rob Rensenbrink, Piet Schrijvers und Pleun Strik nicht etwa mit Gegner-Analysen oder Taktik-Training beschäftigt haben, sondern mit „drei knusprigen Mädchen“ (spärlich bis gar nicht bekleidet) und allerlei Sektflaschen bis in den frühen Morgen hinein im Swimmingpool des Hiltruper Hotels sich nackt bei „fröhlichen Wasserspielen“ vergnügt haben.

Nur Cruyffs Ehefrau Danny glaubte dem Boulevardblatt und drohte ihrem Johan nächtelang am Telefon mit der Scheidung. Heute weiß man: Die Ehe überlebte Gerüchte und WM-Aus.

Die Fußball-Route führt auch zur „Soccerhalle Rummenigge“ (Trautmannsdorffstraße 111) in Berg Fidel. Der damalige SCP-Präsident Günter Wellerdieck wollte laut „Städteguide“ im Frühjahr 1974 Karl-Heinz Rummenigge, damals aufstrebender Stürmer-Nachwuchs in Lippstadt, nach Münster holen. Doch als sich plötzlich der FC Bayern München meldete, musste „Wellerdieck aussteigen“, da die Bayern „deutlich mehr Asse im Ärmel hatten“. Da scheint sich bis heute nichts geändert zu haben.

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